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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 85

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 85 (sequence 27)
Language
German
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selber in schöner Bescheidenheit indgibt, „intelligent genug, um Wortwitze für den Hausgebrauch zu fabrizieren4', und in der Tat ist das zitierte erhabene Wort „Indegredienzien", das er für den Hausgebrauch fabriziert hat, beinah' so eine Gipfelleistung menschlicher Intelligenz wie sein Urteil, daß der „Wortwitz als System", den ich verübe, Stigma des „Kaffeehausjournalismus" und daß der doch was Verwerfliches sei. Das Wort „Kaffeehausjournalist" oder „Kaffeehausliterat" kann zweierlei bezeichnen: entweder den, der nach getaner Literatenarbeit im Kaffeehaus sitzt, oder den, der im Kaffeehaus sitzend, Literatur schafft. Im ersten Fall besteht kein Grund, sich aufzuregen — man müßte denn jeden Nicht¬ Literaten, der ein Cafe zu betreten die Stirn hat, gleichfalls verdonnern; im zweiten Fall besteht, selbst falls die kaffeehausgeborene Literatur immer Makulatur sein sollte, ein Grund zur Aufregung wiederum nicht — sintemalen die meiste Literatur, die woanders gemacht wird, noch makulatürlicher ist. Daß aber eine Literatur, die außerhalb des Cafes von Freunden des Cafes produziert wird, nichts taugen könne, bloß weil sie von Freunden des Cafes produziert wird — dem widerspricht der bemerkenswerte Umstand, daß viele erlauchte Kaffeehausfrequentierer (von Lessing bis Wedekind, von Börne bis Kraus), die außerhalb des Cafes Literarisches schufen, literarisch Gigantisches schufen. Nun kommt es Herrn Samuel freilich weder aufs Literarische noch aufs Gigantische an, zumal diese beiden Indegredienzien bei ihm in keinem vorteilhaften Prozentsatz gemischt sind. Sondern ausgerechnet ihm kommt's darauf an, den revolutionären Sozialismus und Pazifismus, den meine Freunde und ich propagieren, zu realisieren; und „in dieser Hinsicht dürfte", meint er, „manch preußischer Verwaltungsbeamter der SPD mehr wirken als sämtliche schreiende Jünglinge im „Romanischen" zusammen." Zur Ehre des „Romanischen" nehme ich an, daß Herr Samuel es nie besucht hat. Hätte er's besucht, dann wüßte er, daß, außer einigen Boheme- Benjaminen, die schreienden Jünglinge ihre Schreie, soweit die sich auf was Politisches beziehen, produktiver schreien, als er seine „Zwischenrufe" ruft... und als fast jeder „Vorwärts"- lesende, politisch rückwärts schielende Beamte der Verwaltung sein Amt verwaltet. Inwiefern zumal dieser, und grad' in Preußen, für den revolutionären Sozialismus oder gar Pazifismus was leistet, bleibt Herrn Samuels zartes Geheimnis. Lasersteins und meine „Spekulation auf das Kaffeehaus-Judentum" beunruhigt auch Herrn Ernst Simon, der im „Jüdischen Wochenblatt" zu Frankfurt am Main alle Dummheiten nachholt, die Herr Samuel in Breslau vergessen hat, weil die Aufgabe, die Verhunzung der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" zu vollenden, einen hohen Prozentsatz der Indegredienzien seiner Schöpferkraft absorbiert. Das „Jüdische Wochenblatt" hat den Untertitel „Offizielles Mitteilungsblatt des Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure e. V.", was Herrn Simons Abneigung gegen Kaffeehäuser als Unternehmen, die den Restaurationen Konkurrenz machen, völlig erklärt. Völlig unerklärbar ist aber die Schlampigkeit oder Frechheit, kraft deren er Worte von mir, die hier standen, verfälscht. Doch vielleicht ist's für die „Bildung", deren ich. wie er sagt, ermangle, und die ihn ziert, symptomatisch, daß er meinen Satz über Herrn Ludwig Haas: „So ein „Glaubensgenosse" widert mich in nicht geringerem Grad an als irgendein Zeitgenosse teutschen Geblüts; vielleicht gar in höherem Grad als der Teutsche, denn dem darf ich vielleicht eine Dußligkeit als mildernden Umstand anrechnen, die dem Chochem Haas durchaus fehlt" — daß er diesen Satz nur wieder-

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