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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 78

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 78 (sequence 20)
Language
German
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steht in verbotenen Formen des Geschlechtslebens, wobei Begriffe der alten Gnosis Anwendung fanden. Zweihundert Jahre lang erhielt sich die Bewegung, den Behörden und Rabbinen zum Trotz, und noch heute dürfte es in der Türkei einige Ueberreste geben. Einer der letzten großen Messiasse dieser Bewegung war Jakob Frank (1726—1816), der seine schöne Tochter Eva als „Heilige Jungfrau" aufstellte und, nach dem Islam, dem die meisten angehörten, offen zum Katholizismus übertrat, weil ihm dessen Madonnenverehrung am besten zusagte. In Brünn organisierte er eine jüdische Armee, um den Juden eine Heimstätte zu erobern, ließ aber davon ab, als er in Offenbach ein Adelsgut kaufen konnte. Er war sehr reich und starb als Baron von Offenbach. Aus seinen Aussprüchen (Frank w'adatho) sei zitiert: „.. Jeder, dem es gegönnt ist, ihr (Evas, seiner Tochter!) Gewand zu erblicken, wird der Gnade des jenseitigen Lebens teilhaftig. Größer ist aber, wem es gegönnt ist, sie selbst zu erschauen: der braucht sich vor nichts Schlechtem auf der Welt zu fürchten. Wenn ihr vor sie kommt und sie euch fragt: was wollt ihr? Saget zu ihr: Bisher haben wir Gott gedient, nunmehr, bitte, erleuchte Du meinen Weg! Und sie wird sprechen: Kommet her! Und da werdet ihr euch ihr nähern und ihre Füße küssen . . ." Aelter und weiter verbreitet ist, wie bei den klassischen Griechen, die Päderastie. Höher als die verschiedengeschlechtliche Liebe wird die gleichgeschlechtliche gestellt, als deren Beispiel die Freundschaft zwischen David und Jonathan gilt (Pirke Aboth). Rabbi Papa sagte: Steige eine Stufe niedriger und nimm dir ein Weib; steige eine Stufe höher und wähle dir einen Freund! (Jebamoth 63.) Unzählbar sind die Agadas, in denen Männerliebe gepriesen wird, und auch die Sekte der Essäer huldigte ihr. Rabbi Jochanans Schmerz um den toten Resch Lakisch wird plastisch geschildert (Baba Mezia), und noch dreieinhalb Jahre lang soll er das „Haus der Versammlung" nicht mehr besucht haben (Jerus. M'gila). Eine Agada (Aboda Sara 10 b) erzählt von der heißen Liebe, die einen römischen Kaiser (Marc Aurel?) mit dem Patriarchen R. Jehuda „dem Fürsten" verbunden haben soll; bei den vielen Besuchen des Kaisers durfte niemand anwesend sein; wenn der Rabbi zu Bette ging, soll sich der Kaiser gebückt haben, damit jener auf seinem Rücken emporsteigen möge, wobei der Kaiser gesagt haben soll: Möge ich in der künftigen Welt ein Bettgewand unter dir sein! Die Sklaven, die den Kaiser begleiteten, tötete dieser eigenhändig, damit sie das Geheimnis der Besuche nicht verrieten. Bekannt ist die ausgesprochene Männerliebe und Frauenfeindschaft des berühmten Kabbalisten und Dichters R. Mosche Luzzatto (geb. 1707 in Padua). Sexuell Hörige sind zum Großteil noch heute die ostjüdischen Chassidim, die ihren Rabbi vergöttern und nur vorübergehend und widerwillig ihren Ehepflichten nachkommen. Hierhin gehören auch das Ghazzel „An den Geliebten und Freund, 78

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