Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 3 (15.1.1927)
- Date
- 1927-01-15
- Page
- Seite 69 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Freilich liegt dies in weiter Ferne, da sich die Entwicklung der Menschheit noch in fortschreitendem Flusse befindet, Bosheit und Unverstand der Verwirklichung des hohen Zieles hemmend entgegenstehen. Kann uns deutsche Juden aber, wenn wir Deutschtum und Judentum so erfassen, irgend etwas in der Verfolgung des hohen Zieles beeinträchtigen?! Könnte uns die Nichtanerkennung als deutsche Brüder irre machen an unserm deutschen Bewußtsein oder an unserm jüdischen Empfinden?! Können irgendwelche völkischen Ideen das ideale Endziel verwischen? Vorwärts strebend und den Blick in die Zukunft gerichtet, dürfen wir natürlich der Gegenwart nicht vergessen, sondern müssen, wie der Centraiverein es zielbewußt tut, unser Deutschtum als von uns selbst anerkannt hochhalten, unser Judentum gegen alle Angriffe mit allen gerechten Mitteln verteidigen. Das sind die Forderungen und logischen Schlußfolgerungen, die unser Handeln bestimmen wie ungeschriebene, aber eherne Gesetze. Die Zionisten sind durch die Lieblosigkeit der Anderen irregeleitet und lassen sich von ihren Widersachern das Gesetz ihres Handelns vorschreiben. Auch ihr Streben ist nur Episode. Mögen sie sich Balfour-Deklarationen erwirken, mögen sie siedeln und sammeln. Wer weiß, wozu dies alles im einzelnen gut ist. Wir wollen sie deshalb nicht tadeln und ihnen nicht zürnen. Aber kein jüdischer Nationalstaat, kein Pro-Palästina-Komitee, mag es von Werner Sombart, mag es von Männern begünstigt sein, die nicht ahnen, wohin die Reise geht, wird das Rad der Weltgeschichte zurückdrehen und die messianische Idee der Menschheitsverbrüderung aufhalten. Wir Juden können dieser Idee nicht dienen, wenn wir uns von den Völkern, in die uns Gottes Wille hineingepflanzt hat, lösen und durch einen neuen Nationalstaat die Trennung und den Nationalismus vergrößern, sondern nur, wenn wir mit den Völkern, mit denen wir unlöslich verwachsen sind, gemeinsam dem großen Ziele zustreben. Kämpfen und dulden! Das ist jüdisches Schicksal. GotteSSChaU von Iwan Grün Für den religiösen Menschen vermag dieses Wort zum inneren, seelischen Zwiespalt zu werden. Aller religiöse Zweifel hat in ihm seine Wurzel. Denn ein Doppeltes spricht aus ihm, ein Doppeltes, das am Ende doch sich widerspricht. Der letzte Grund, das letzte Ziel alles Wollens und Strebens und andrerseits die Unmöglichkeit des Erreichens und des Erfüllens, beides findet hier seinen Ausdruck und seine Begründung. Es ist der Konflikt zwischen dem hemmungslosen Wollen und dem beschränkten Vermögen, die Spannung zwisch dem endlichen Denken des Menschen und dem unendlichen Sein der Gottheit. 69