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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 68

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 68 (sequence 10)
Language
German
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und unveränderlich und unverwüstlich ist. Was kann es also ausmachen, ob eines von beiden oder beides von der Außenwelt, von den deutschen Mitbürgern anerkannt oder geleugnet wird?! Die Zionisten haben die Schlußfolgerung aus der Nichtanerkennung als Brüder des deutschen Volkes dahin gezogen, daß sie sich nur als deutsche Staatsbürger, nicht aber als vollbürtige Deutsche betrachten und nun die Gründung eines Judenstaates in Palästina propagieren. Diese Schlußfolgerung ist aber weder logisch, noch entspricht sie dem Gang der Weltgeschichte oder dem Wesen des Judentums. Die messianische Weissagung, welche Ziel und Satzung wahren Judentums ist, geht dahin, daß die Juden über den Erdball zerstreut werden und die messianische Idee unter alle Völker tragen sollen. Alle Völker sollen dereinst nach Zion wandeln, als Brüder den einig-einzigen Gott preisen und in Frieden miteinander leben. Die Errichtung eines Judenstaates in Palästina würde also der Verwirklichung dieser messianischen Idee auch nicht um einen Schritt näherkommen. Was würde es bedeuten, wenn die Juden allein in Palästina Zion errichten und den Menschheitsfrieden künden, wenn nicht die Idee alle Völker gleichmäßig erfaßt hätte! Nicht einmal die Judenfrage als solche würde dadurch gelöst werden, da ja die Zionisten selbst nicht sagen, daß alle Juden der Welt ihre jetzigen Heimatländer verlassen und sich auf dem Boden Palästinas ansiedeln können. Nicht ein örtliches Zion haben die Propheten vorausgesagt, sondern ein Zion der ganzen Menschheit. Dieses geistige Zion vorzubereiten, ist die Bestimmung der Juden. Dazu sind sie berufen und zerstreut worden unter die Völker. Unsere Geschichte und die Menschheitsgeschichte überhaupt beweist die Folgerichtigkeit dieses Gedankens. Hätte sonst die Weltgeschichte einen Sinn, wären das Judentum und die Juden trotz der furchtbarsten Verfolgung bis heute erhalten geblieben, wenn nicht ein hoher Wille jene Mission vorgeschrieben und bis jetzt durchgeführt hätte? Weder deutschvölkische noch jüdischvölkische Ideen und Bestrebungen — zergehende Blasen im Sturmgebraus des Meeres — können dieses unverkennbare Menschheitsziel ändern, das so sichtbar und sicher vorwärts schreitet, daß heute schon diese messianische Idee nicht mehr alleiniges Streben des Judentums bedeutet, sondern getragen ist von allen Religionen, auch vom Christentum, wie es etwa von Adolf von Harnack aufgefaßt wird. Aber das Judentum hat diese Fackel seit Jahrtausenden vorangetragen und wird sie weiter vorantragen, bis einst alle Menschen eine Bruderkette bilden. Hieraus ergibt sich, daß Deutschtum und Judentum keine Gegensätze sein können; denn wahres Judentum ist nichts weiter als wahres Menschentum. Und wie Deutschtum und Menschentum keine Gegensätze sein können, so werden dereinst deutsche Juden und deutsche Nichtjuden sich ohne Vorbehalt als Brüder anerkennen. 68

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