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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. Seite 56

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 56 (sequence 26)
Language
German
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Steuerbedarf 1926: 4 875 898 R-.M. Eingegangen sind bis zum 21. 11. ca. 3 375 000 R.-M., sodaß bisher 1% Millionen fehlen. Wenn nun durch Mahnungen und Exekutionen noch % Million einkommt, so bleibt ein Defizit von 1 .Million. Anscheinend hat der Herr Finanzdezernent ein Geheimmittel, um dieses Defizit zu decken, da ihm ja von seinen Freunden in der Repräsentantenversammlung der Dank für die so vortreffliche Führung des Dezernats ausgesprochen wurde. Dies hätten die Herren doch sicherlich nicht getan, wenn sie nicht wüßten, daß ihr Rechenmeister für Beseitigung dieses Defizits das Mittel zur Hand hat. * Woher der so riesige Mehrbedarf? Während die Kapitel Kultus und Vermögensverwaltung einen Minderbedarf von 552 876 R.-M. haben, werden für Unterricht, Wohlfahrt, Allgemeine jüdische Angelegenheiten und Verwaltung 729 691 R.-M. mehr angefordert, — bis auf die Mehrausgaben für die Verwaltung t—' sicher alles Zwecke, die gern bewilligt werden, wenn Mittel vorhanden sind, aber eine Defizitwirtschaft keinesfalls rechtfertigen. * Vor den Wahlen zur Repräsentantenversammlung hat Herr Moritz A. Loeb in Versammlungen, Flugblättern und Plakaten seinen Wählern versprochen, er und seine Freunde würden dafür sorgen, daß die Steuerquote nicht erhöht zu werden brauche, während bei einer liberalen Mehrheit die Quote 30 Prozent betragen würde. Pflicht des Herrn Loeb, der übrigens Vorsitzender des Etatausschusses der Repräsentantenversammlung war, wäre es doch nun gewesen, zu beweisen, daß seine Versprechungen nicht nur Wahlköder waren. Die Mehrheit in der jetzigen Repräsentantenversammlung hat die konservative Arbeitsgemeinschaft mit den Zionisten. Wo waren seine Vorschläge? Dabei ist es wirklich einfach, ein Mittel zu finden, um ohne Defizit bei der jetzigen Quote zu wirtschaften. Man streiche die Mehrbewilligungen, und das Geheimnis ist gelöst. Allerdings wird dann der Referent für das Steuerwesen, Herr Dr. Ellenbogen, nicht 110 Kräfte für sein Büro bewilligt bekommen dürfen, derselbe Dr. Ellenbogen, der noch im vorigen Jahr als Referent im Personaldezernat diesem Büro im Höchstfalle 30 Kräfte zubilligen wollte. Es würden in diesem Büro viele Kräfte gespart werden, wenn nicht unberechtigt hohe Einschätzungen in die Welt hinausgingen, die selbstverständlich Einsprüche nach sich ziehen. Auf diese dann die Antwort: die Quote würde auf 25 Prozent festgesetzt werden (mit wessen Genehmigung?). Selbstverständlich weitere und nicht sehr liebenswürdige Einsprüche. So werden die Gemeindemitglieder verärgert, und zu dieser Verärgerung wird ein großes Personal gebraucht. Also weniger schreiben und korrekter arbeiten, das spart Zeit und Geld. * Synagogenverwaltung. Synagoge Kottbusser Ufer Zuschuß 11500 R.-M., Synagoge Lindenstraße Ueberschuß 16 000 R.-M. Einbau einer Orgel in die Synagoge Kottbusser Ufer, Anstellung eines guten Kanzelredners, und aus dem Zuschuß wird ein Ueberschuß. Synagoge Münchener Straße Ueberschuß 5000 R.-M., Synagoge Pestalozzistraße Zuschuß 10 000 R.-M. Zwei ungefähr gleich große Synagogen. Man erhöhe in der Pestalozzistraße die Platzmiete um ca. 30 Prozent, die Besucher der Orgel - Synagogen müssen durchweg höhere Preise zahlen. Eine Synagoge in der besten Gegend muß sich selbst erhalten. 56

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