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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. Seite 41

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 41 (sequence 11)
Language
German
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Der jüdische Lehrer. Eine Existenzfrage der deutschen Judenheit von Run-Detmold Am 21. und 22. November hat zum zweiten Male der Preußische Landesverband getagt. Einerlei, wie man sich zunächst zu den Verhandlungen und zu seinen Ergebnissen stellen mag, man darf seiner Freude darüber Ausdruck geben, daß er überhaupt getagt hat, und daß vor dem Forum der Oeffentlichkeit die Aussprache über das, was die deutsche Judenschaft im Tiefsten bewegt, stattgefunden hat. Nur die rückhaltlose Wahrhaftigkeit, die überall ihr Echo findet, zu der ein jeder Stellung nehmen kann, wird auch den Beginn einer neuen und hoffentlich besseren Aera für das deutsche Judentum bringen. Das war ja der Fluch des deutschen Judentums der letzten hundert Jahre, daß all die drängenden Probleme der neuen und neuesten Zeit bei verschlossener Türe von einzelnen Wenigen in den Qemeindestuben behandelt wurden, daß man die Gesamtheit kaum oder nur spärlich unterrichtete, sie rücksichtslos ausschloß, mitzuraten und mitzuhelfen, daß man ihr die Verantwortung — die beste Erzieherin zur regen Anteilnahme — aus der Hand nahm und sie zur Gleichgültigkeit, zur Passivität, erzog. In der Heimlichkeit, in dem Ausschluß von jeder öffentlichen Diskussion sah man das Heil. Die Angst vor den Andersgläubigen, vor den Antisemiten und, weiß Gott, vor wem alles, war die Triebfeder dieser unheilvollen Politik des Fortwursteins. Die Parnossimwirtschaft hat ein furchtbares Fiasko erlebt. Wer war denn zumeist dieses kleine Gremium, das sich zur Führerrolle in den Gemeinden berufen fühlte? Die reichen Männer, die Männer von Rang und Namen stellte man an die Spitze, oder sie ließen sich dahin stellen. Gegen ihre persönliche Integrität soll' nichts gesagt sein. Sie „verwalteten*' die Gemeinde nach bestem Wissen und Können. Aber wie oft fehlte ihnen die echte innerjüdische Einstellung, wie oft jeder Zusammenhang mit dem flutenden jüdischen Leben. An den Kernproblemen gingen sie vorüber, die berührten sie nicht, es genügte, wenn Einnahmen und Ausgaben der Verwaltung fein säuberlich unter dem Druck ihres Machtwortes besprochen und gebucht waren. Und nun sehen wir zu unserer großen Freude, daß ein starker Lufthauch Bresche zu legen beginnt in dieses sinnloseste aller Systeme. Die Tagung des Preußischen Landesverbandes ist der erste Auftakt dazu. Dieser frische Lufthauch hat auch das Monstrum, das da als „Reichsverband'4 sich aufmachen wollte, einmütig hinweggefegt. Wer es aufrichtig und ernst mit der deutschen Judenheit meint, muß seiner Befriedigung darüber Ausdruck geben. Der Weg zu einem wirklichen, auf demokratischer Grundlage ruhenden Reichsverband steht offen — trotz der Schwierigkeiten zu seiner endgültigen Verwirklichung, die wir wahrlich nicht gering einschätzen. 41

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