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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. Seite 38

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 38 (sequence 8)
Language
German
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für 1927/28, nachdem sich die Versammlung durch ihren seltenen Zusammentritt ihres Etatrechts für 1926 selbst begeben hatte. Und dann ist da noch jene tiefgründige Aussprache über die Ziele der Parteien am zweiten Tage, in der Kurt Blumenfeld den jüdischen Menschen, Ludwig Holländer den jüdischen Gottsucher und Alfred Peyser aus dem Fichteschen Staatsbegriff den jüdischen Deutschen herausziselierte. Aber was hat das alles mit den umfangreichen Aufgaben des Landesverbandes zu tun? Solch eine Aussprache bildet den Inhalt eines anregenden Diskussionsabends, der einige Hunderter kostet. Dazu wird hier eine Tagung aufgezogen, deren Kosten sich auf Tausende beziffern. Ueber 100 000 Mark hat der Landesverband schon verschlungen. So viel Mittel, so viel Worte, so viel Klugheit, und so gering der Erfolg! Da muß etwas in der Organisation nicht stimmen. Woher dieses ungeheuerliche Versagen des Preußischen Landesverbandes? III. Ueber das große Synhedrin des Jahres 1807, das jener denkwürdigen Vorversammlung von 1806 folgte, sagt Heinrich Qraetz, der Historiker: „Da das Synhedrin keine Taten vollbringen konnte, so hat es seine Sitzungen mit Reden ausgefüllt." So wenig dieses Urteil der historischen Bedeutung der Pariser Tagung gerecht wird, so vollständig enthüllt es einen der Gründe für die Ergebnislosigkeit der Berliner. Unvergeßlich der Anblick, den dieses Parlament am Eröffnungssonntag von der Pressetribüne bot! Wie das alles durcheinanderschreit, -läuft, -lacht, -schimpft, -klingelt. Jeder spricht, wenn es ihm grad einfällt, zu einer Geschäftsordnung, zu deren völliger Atomisierung man hier zusammengekommen zu sein scheint. Klee meckert und der Löwe brüllt. Während sich die Redner die Stimmbänder heiser schreien, spricht von der Regierungsestrade aus das Ratsmitglied Kareski laut mit einem seiner Freunde im Saal. Minutenlang hallt die Glocke des Präsidenten Sonnenfeld, Ordnung heischend, durch die Halle. Auferstanden scheint der alte Ghetto-Geist, unter dessen Herrschaft sich in Polens Synagogen am Jörn Hakippurim jüdische Parteichen die Köpfe blutig schlugen. Gar zu groß ist der Gegensatz zu der Würde des Raums, um nicht immer wieder den Gedanken wachzurufen: Hier haben einst jene Itzenplitze und Köckeritze gesessen, verkalkter Hochadel, ja, deutsches Philisterium, ja, rückschrittlichste Rückschrittler, ja, aber doch ein Haus von Herren. Und jetzt dieses jüdische Narrenhaus! Ein Parlament von Mandätchenschluckern, Diätchenfressern, Traktätchensprechern. Die Würde des Judentums ist in Eure Hand gegeben, und Ihr verschachert sie um das Linsengericht Eurer Parteivorteile. Versteht man nun, daß sich die Besten im Judentum, die europäischen Geister, die Männer der weltweiten Gesinnung, angewidert durch solches Treiben, von allen jüdischen Komplexen zurückziehen? Was gab diesem Tohu Wabohu den Anlaß? Die Jüdische Volkspartei hatte gegen den Präsidenten Sonnenfeld, von dessen veraltetem 38

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