Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 2 (15.12.1926)
- Date
- 1926-12-15
- Page
- Seite 37 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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diese Juden dem Ghetto entronnen, aber keiner von ihnen verletzt die parlamentarischen Formen. Aufklärerischste Aufklärer sitzen neben frömmsten Frömmlern, und doch wird in jeder Frage der Ausgleich gefunden. Als von einer Seite die Frage auftaucht, ob sie, trotz aller Verfolgung, ihr Vaterland lieben könnten, sie, die ihre Vaterlandsliebe mit ihrem Blut auf Schlachtfeldern besiegelt hatten, da werden von allen Seiten Stimmen laut: „Bis in den Tod!" Da man erkennt, daß das große Gremium zu einer befriedigenden Lösung der ihm übertragenen Aufgaben nicht gelangen könne, werden diese einer Kommission überwiesen, die in wenigen Tagen ganze Arbeit leistet. Mögen auch in ihrem Schoß und in der Vollversammlung die Anschauungen manchmal heftig aufeinander platzen, stets steht die Sache über der Person, und nach kurzer Zeit ist die Bahn für die neue Rechtsstellung der Synagoge frei. Im Schaffen für ihr Judentum ist diese Versammlung selbstbewußter Juden über sich selbst hinausgewachsen. Ein großer Moment fand sein großes Geschlecht. Eine neue Schlacht zur Ueberwindung des Ghetto-Geistes ist siegreich geschlagen. II. Wir befinden uns im Paris des Jahres 1806, im geschmückten Saal des Stadthauses, in der Vorversammlung zum großen Synhedrin. 120 Jahre später, im 8. Jahre der Novemberrevolution. Tm Sitzungssaal des Preußischen Herrenhauses, wo einst seiner Majestät allergetreueste und allerexclusivste Lords beraten, wo sie 1918 durch Unkenntnis der Volksseele die große Schlacht für ihr Königshaus verloren haben, in demselben Raum, wo trotz jener erregendsten, tief-aufwühlenden Versammlungen des Bundes „Neues Vaterland" so manche Schlacht der Revolution verloren wurde, hat auch das deutsche Judentum eine große Bataille vergebens gekämpft. Drei Aufgaben waren dem Delegiertentag des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden gestellt, der vom 21. bis 23. November in Berlin tagte. Er hatte den Vorentwurf eines Preußischen Judengesetzes zu schaffen, das jenes überalterte Judengesetz aus der Reaktionszeit von 1847 beseitigen und den jüdischen Gemeinden letzte Autonomie geben soll. Er hatte den Zusammenschluß aller deutsch-jüdischen Landesverbände zum Reichsverband vorzubereiten. Er sollte ein allgemein gültiges Disziplinarrecht für die jüdischen Beamten kodifizieren. Schält man als Teilnehmer dieser Versammlung ihr Ergebnis aus dem Wust parlamentarischer Berichterstattung, so muß man feststellen, daß der Landesverband keine dieser Aufgaben zu lösen verstanden hat. Der Entwurf eines neuen Preußischen Judengesetzes ist vertagt. Die Vorlage für den Reichsverband ist abgelehnt. Das Beamtenrecht, das die Unsicherheit in der Rechtsstellung des jüdischen Beamten hätte überwinden können, ist nicht zustande gekommen. An Positivem bleibt nichts als die Feststellung des Etats 37