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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. Seite 36

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 36 (sequence 6)
Language
German
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vertiefte jüdische Problem war die Pforte bei ihm stets geöffnet. Und nur eines verstand dieser weite Geist nie, mochte es im Allgemeinen liegen oder ins Jüdische übersetzt sein: die Partei. Und darum haben sie ihn gehaßt — und ihm geflucht: die Parteilichen und die von der Parteisuppe leben, aller jüdische Pöbel, der jüdische Zeitungen las oder in sie schrieb, und jeder Pöbel, der sich ihm unterlegen fühlte und den Geist nach Unzen wog. Aber dafür ist ihm, was kaum einem andern, gelungen. Er hat eine unübersehbare Schar von Menschen um sich gesammelt, die nicht nur sein Schaffen anerkannt, die nicht nur auf ihn gehört, ihn verehrt, sondern die zu ihm aufgeblickt und ihm alle Liebe entgegengebracht haben, deren ihre Herzen fähig sind. Zu denen gehöre ich. Muß ich sagen, was ich an ihm verloren, daß mit ihm ein Teil meines Wesens heimgegangen? Ich betrachte es als das größte Glück meines Lebens, wie er mich gefördert, daß ich der nähern Mitarbeiter einer gewesen, daß mein Rechtsrat, durch sein letztes Jahr, ihm gehört hat. Vor mir gähnt die Hölle des Unbegreiflichen. Hinter mir dieser Mann — wann werde ich wieder seinesgleichen finden? Ö diese leuchtenden Stunden, nicht weinen, daß sie vergangen, lachen, weil sie gewesen. Die Jüdische Gemeinde / Berlin, 15. Dezember 1926 / I. Jahrg., Heft 2 ur wenige Jahre trennen uns von jenen Tagen, da der Aufi N rühr das Land durchheult, das Jakobinertum die Straßen der Stadt beherrscht und das Volk, mit dem Mute der Verzweiflung, den jahrhundertelanges Knechtsdasein geboren, mit jener Urkraft, die das gefangene Tier an den Gitterstäben seines Käfigs rütteln läßt, seine Leiber zum Kampf für seine Menschenrechte gestellt hat. Ganz allmählich beginnt das Land, seine innere Festigkeit wiederzugewinnen, an seiner Spitze der große Militär, Platzhalter des künftigen Cäsaren. Ist dies nicht der rechte Augenblick, der Stellung der Juden zum Staat eine neue Grundlage zu schaffen? In der Hauptstadt des Landes, in einem Saal, der sonst den Beratungen hoher Politik dient, und dessen Wände vollgesogen sind vom Schall großer Ereignisse, versammeln sich darum die hervorragendsten Köpfe des Judentums. Sie haben die Aufgabe, Unterlagen und Vorschläge für das neue Judenrecht zu gestalten. Unter einem Vorsitzenden von vorbildlichstem parlamentarischen Takt gehen die Deputierten an ihre Arbeit. Durchdrungen von heiliger Begeisterung und von dem Bewußtsein ihrer hohen Verantwortung geben sie sich ihr ganz hin. Eifer und Streben nach Einigkeit beseelen alle. Ganz kurze Zeit erst sind Landesverbandstagung i. 36

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