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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. Seite 34

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 34 (sequence 4)
Language
German
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Schicksal, das ihn, zu früh für die Republik, für die neue europäische Gemeinsamkeit, zu früh für ein sich gestaltendes Weltreich des Geistes, ins Reich der Geister gerufen hat. Wir dürfen nicht hadern. „O, unsere leuchtenden Tage . . . nicht weinen, weil sie vergangen . . . lachen, weil sie gewesen . . .!" Undenkbar, daß dieser Feuerkopf in die Ruhe des Alters eingehen, daß dieser Prophetengeist den Tod der Aderverkalkten sterben sollte. Dies große Hirn, das von Jugend an sich an seine Aufgabe verschwendete, konnte nicht die Dauer der andern Menschenautomaten haben. Aber weil eine Ahnung davon ihm eingeprägt war, darum dieses rastlose, fieberhafte Vorwärtseilen, dem jeder Augenblick verloren schien, dieses Sich - Ergießen in die Anschaulichkeit eines Beiworts, dieses Gedrängte im Ausdruck, diese Fülle im Satz. Dem Zwanzigjährigen sagt Bie einmal, er sei eine beängstigende Mischung von Kind und Greis. Und S. J. antwortet, er werde dieser Mischung durch einen immer wachsenden Zusatz von Mann ihre Schrecken schon nehmen. Er hat sein Versprechen erstaunlich schnell gehalten. Und hat doch nie der Bieschen Deutung die Grundlage entziehen können. Wer einmal in die Kinderaugen dieses Greisenantlitzes gesehen hat, wußte, daß, bei aller Mannhaftigkeit Jacobsohn in Güte und Weisheit das Kind und der Greis geblieben war. Ganz still mußte er darum, überreif, eines Nachts von uns gehen. Eben noch stand er auf dem Gipfel seines Lebens . . . dann war er verschwunden, wie es heißt von Mose Morenu, von dem er das Ethos seines Wirkens herleitete. Dieser Frühvollendete ist in jedem Betracht ein früh Vollendeter gewesen. Schon der Neunzehnjährige hat um die Jahrhundertwende als Kritiker der „Welt am Montag" das Theaterleben der Reichshauptstadt entscheidend beeinflußt. Von der Schulbank, von stumpfen Kameraden weg hatte es ihn mit magischer Kraft zum Theater gerissen. Und dieser Liebe seiner Kindheit ist er treu geblieben. In maßloser Verschwendung hat dieser reiche Mensch „die Blüte höchsten Strebens, sein Leben selbst, an dieses Bild des Lebens" gewendet. Aber was dem deutschen Theater, seit Brahm und Reinhardt, sein stärkster Förderer gewesen, das hat es ihm tausendfältig zurückgegeben. Siegfried Jacobsohn hat selbst einmal von sich gesagt, er sei stets ein glücklicher Mensch gewesen. Daß die Kunst, die Arbeit für sie, für das Theater, die Gefährtin freier Wahl war, ist ein Grund dieses Glücksgefühls. Es hat seinen Kritiken jene WTucht gegeben, die sie zum Segen der Guten, Starken, Vortreibbaren, zum Schrecken der Unterkietigen, Kriechenden werden ließen. Wehe denen, die er verwarf! Sie sind verworfen geblieben. Wohl denen, die sich von ihm anregen ließen! Sie tragen die Namen derer, um die es heut keinen Streit mehr gibt. Lest es nach; jede Zeile wird es euch bestätigen, vom „Theater der Reichshauptstadt" bis zu den Bänden „Das Jahr der Bühne", in „Max Reinhardt" und „Die ersten Tage" und in jenen herrlichen Jahren der „Schaubühne", die längst die „Weltbühne" wurde. 34

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