Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 2 (15.12.1926)
- Date
- 1926-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Jacobsohn Laßt fahren hin das Allzuflüchtige! Ihr sucht bei ihm vergebens Rat; In dem Vergangenen lebt das Tüchtige, Verewigt sich in schöner Tat. Und so gewinnt sich das Lebendige Durch Folg' auf Folge neue Kraft; Denn die Gesinnung, die beständige, Sie macht allein den Menschen dauerhaft. So löst sich jene große Frage Nach unserm zweiten Vaterland, Denn das Beständige der ird'- schen Tage Verbürgt uns ewigen Bestand. Goethe. Aus dem dämmrigen Glust des dritten Dezembermorgens hebt müde sich der neue Wintertag, als könnte er seinen Weg zu den Menschen nicht finden. Will Natur gegen den Un-Sinn ihres Ablaufs oder sich als Sinngebung des Sinnlosen demonstrieren? Um diese Stunde saß er längst sonst an seinem Schreibtisch. Einst in jener Höhle am Ende des Labyrinths der „Weltbühnen"-Jahrgänge, zuletzt in dem kleinen Zimmer am Königsweg 33. Neben ihm die große Hornbrille und der Post-Berg, durch den er, all die Jahre, sich selbst knabberte; vor ihm eine der „Antworten", die das Entzücken seiner Leser und das Entsetzen seiner Gegner gewesen sind. O, nie wieder werden wir ihn auf diesem Drehstuhl sehen, nie wieder dieses charmante Lachen hören, das breit und jauchzend durch den Raum wellte. Nie mehr wird dieser kluge Mund sich uns zur Weisheit öffnen, nie seine scharfe Feder wieder die Lumperei aufspießen. Die ihn fürchten mußten, dürfen aufatmen. Die um ihn wissen, sagen: Deutschland hat seinen glutvollsten Publizisten, das Theater seinen zärtlichsten Geliebten, das Judentum, wenn nicht den besten und treuesten,~dann den sittlichsten seiner Söhne verloren. Die ihn liebten, denen er Freund war, stehen zerbrochen und hadernd vor einem