Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 1 (15.11.1926)
- Date
- 1926-11-15
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Postamt Siegfried Killeberger. Sie haben Neigung, sich um eine Beamtenstelle bei der Jüdischen Gemeinde in Berlin zu bewerben? Zögern aber noch, weil Sie umfassende Kenntnisse weder des Jüdischen noch der Gemeindeverwaltung haben? Aber so eilen Sie doch: Sie sind hier grad der rechte Mann! Und gelingt Ihnen gar, sich auf die rechte Seite zu stellen, — das ist, in dieser Gemeinde, bei jeder Mehrheit auch die richtige — und die Gunst volksparteilicher Bonzokratie zu erringen, und stand Ihre Wiege etwa in Kolomea oder Mariahilf: Ihnen kann's nicht fehlen. Bringen Sie nur das weitmaschigste Gewissen mit. Sie we den immer Leute finden, bei denen es nur aus Löchern besteht. Und erst die Missetat wird man an Ihnen stäupen, die . . . Doch das ist ja nur eine Phrase; ich kann mir nämlich kein Verhalten vorstellen, ausreichend, einen Amtsdiener der Berliner Jüdischen Gemeinde unmöglich zu machen. Weiß nur, daß dieses nichts nach sich zieht. Sagen wir, in der von Ihnen verwalteten Kasse fehlen plötzlich 37000— in Buchstaben: siebenunddreißigtausend — Mark. Also genug, zweihundert armen jüdischen Familien einen Monat lang ein sorgenloses Dasein, einer wissenschaftlichen oder sozialen Anstalt ein Jahr lang ihre Tätigkeit zu gewährleisten, und ein erheblicher Bruchteil des Defizits im Haushaltsplan der Gemeinde. Keine Quittung in Ihrem Leitzordner weist den Verbleib besagter 37000 Mark aus. Bei derlei Gelegenheiten, wo Sie diesen Betrag verwandt haben, pflege man Geldempfang nicht zu bescheinigen, lautet Ihre Erklärung. Es sei notwendig gewesen, 37000 Mark — auf den Pfennig — einem hohen Funktionär der Stadt Albrechts des Bären zuzuwenden, damit dieser sich, nicht sie bei der Bezirksversammlung für den Verkauf von Friedhofsgelände an die Jüdische Gemeinde verwende. Zwar ist es üblich, wegen jeder Subvention von wenigen Hundertern Vorstand und Repräsentanz zu bemühen. Zwar hat niemand Sie zu Ihrem Schritt ermächtigt. Zwar bekommt die Gemeinde den Friedhofszuwachs nicht. Zwar ist der von Ihnen so königlich mit Steuergeldern Bedachte nicht erlangbar. Ein Aber gibt es nicht. Kein Lüftchen bläht Ihr Tugendgewand, geschweige daß der Sturm daherbraust, Sie hinwegzufegen. Doch halt: mahnend sieht Frau Chronik mir über die Schulter. Man erklärt Sie für ungeeignet zur Kassenverwaltung und versetzt Sie straf. Aus dem Gemeindehaus Oranienburger- (fünf Minuten weiter) ins Gemeindehaus Rosenstraße. So harte Büßung werden Sie sich bieten lassen, Sie, der Sie wissen, was man dieser Gemeinde bieten kann? Die wird Ihnen, melden Sie sich nur sofort krank, schon bald genug kommen müssen. Bewilligt im Beschlußweg die abhanden gekommenen 37 Tausender auf Konto „Guter Ort" nach. Und erinnert sich sodann an Sie als eines, der glänzend mit Steuergeldern umzugehen versteht. Dreimal trübt sich der Mond: dann sind Sie Vorsteher des Steueramtes der Jüdischen Gemeinde von Berlin. Hab ich Ihnen nun den Mund genügend wässrig gemacht? Aber so eilen sie doch! Wo die Sünde nistet, darf Siegfried Killeberger nicht fehlen Max Levi. Ein Ihnen Nahestehender ist fälschlich in die Liste eines Gemeindeblattes aufgenommen worden, die Austritte aus dem Judentum verzeichnet, und hat dadurch schweren Schaden erlitten. Daran knüpfen Sie die Frage, ob er dessen Ersatz von der Gemeinde verlangen kann, die ich nach §824 BGB bejahen zu können glaube. DasVorkommnis sollte Anlaß werden, dieseVerzeichnisse, die sich in vielen Gemeindezeitungen finden, aufzugeben. Sie sollen den Ueberläufer verächtlich machen, der es fast immer ist; denn das Berliner Gemeindeblatt hält es neuerdings für nötig, ausdrücklich die Ehrenhaftigkeit des Austritts lediglich aus der Kultusgemeinde zu attestieren. Sie halten trotzdem kaum einen Flüchtling im Judentum. Und täten sie es: die 31