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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 30

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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ich nicht wissen sollte: Es wird Krieg geben bis an das Ende der Welt. Hoffmann: „Wer das Schwert ergreift, wird mit dem Schwert in der Hand umkommen." Stöcker: Darin stimme ich mit Christus zusammen. Hoffmann: Christus jagte Sie mit d^r Geitfel zum Tempel hinaus. Stöcker: Sie kennen die Bibel ja nicht. Bebel: Sie spoten seiner und beschimpfen ihn. Hoffmann: Lesen Sie Jeremia Kap. 8, Vers 8. Adolph Hoffmann Überzeitlich Was muß Lavater für ein Mann sein, dem bei Lesung einer schönen Gesinnung Mendelssohns der Wunsch aufsteigen kann: Wäre er doch ein Christ! Warum wünscht er ihm bei dieser Gelegenheit nicht auch gleich das volle preußische Maß? * Ist es nicht sonderbar, daß die Menschen so gern für die Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben? Die Menschen glauben immer schwerer an Wunder als an Traditionen von Wundern, und mancher Türke, Jude, usw., der sich jetzt für seine Traditionen totschlagen ließe, würde bei dem Wunder selbst, als es geschah, sehr kaltblütig geblieben sein. Denn in dem Augenblick, wo das Wunder geschieht,hat es kein anderes Ansehen, als ihm sein eigener Wert gibt. Es physisch erklären wollen, ist noch keine Freidenkerei, so wenig, als es für Betrug halten, Blasphemie. Wunder müssen in der Ferne gesehen werden, wenn man sie für wahr, so wie Wolken, wenn man sie für feste Körper halten soll. Glaubt ihr denn, daß der liebe Gott katholisch ist? * 30 Die Katholiken verbrannten ehemals die Juden und bedachten nicht, daß des lieben Gottes Mutter von der selben Nation war, und bedenken noch jetzt nicht, daß sie eine Jüdin verehren. Mit der christlichen Religion läßt sich Staat machen, aber wahrlich mit den Christen sehr wenig. Ich habe mir die Zeitungen vom vorigen Jahre binden lassen. Es ist unbeschreiblich, was für eine Lektüre dieses ist: 50 Teile falsche Hoffnung, 47 Teile falsche Prophezeihung und 3 Teile Wahrheit. Diese Lektüre hat mir die Zeitungen von diesem Jahre sehr herabgesetzt, denn ich denke: Was diese sind, das waren jene auch. Die Frage ist immer, ob nicht am Ende der Geist des Widerspruchs im ganzen mehr Nutzen stiftet als die Vereinigung. * Nichts kann mehr zur Seelenruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat. Georg Christop h Lichtenberg (um 1800) Weise Predigt Nimm einen Spruch aus dem Abschnitt der Woche, Berühre so leicht 'ne entlegene Epoche, Benenne drei Grössen, wiederhol* ihre Worte Von klassischer oder moderner Sorte; Laß dann bei einigen anderen Zitaten Nach dem Namen ihrer Verfasser raten, Von Logik braucht nichts darin zu sein, Misch tüchtig dafür Fanatismus hinein, Ein faustdickes Lob den Hörern zum Schluß, Dann heißt's: Donnerwetter! war das ein Genuß! Bernhard Breslauer

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