Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 1 (15.11.1926)
- Date
- 1926-11-15
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Rande Der Zwischenrufer Ein sprachloser Antisemit Reichstag 1904, 8. März, Sten. Ber. S. 1646 Stöcker: ... Und auch unsere Erfahrungen im ersten Wahlkreis Berlin müssen es einem Blinden klarmachen, daß jetzt eine Verbindung von Judentum und Sozialdemokraten zustande gekommen ist, wie sie enger nicht sein kann. Wenn ich das für eine ungeheure Gefahr halte, eine Gefahr für das Vaterland, für das Judentum und die Sozialdemokratie, so wird kein Verständiger widersprechen. Hoff mann: Was wollen Sie denn, Christus war ja selbst ein Jude. Stöcker: Das ist wieder ein Mangel an Welt-und Menschenkenntnis. (Lachen bei den Sozialdemokraten) Der Heiland war kein Jude, sondern des Menschen Sohn. Hoffmann: Ich denke Gottes Sohn? Stöcker: — Auch Gottes Sohn. Hoffmann: Geboren aus dem Leibe einer Jüdin. Stöcker war minutenlang sprachlos. * * * Natürlich Jude! Abgeordnetenhaus, 1909, 15. Mai, Sten. Ber. Sp. 6547 Hoffmann:.. Nun ist man schließlich so weit gegangen und hat — ich glaube, es war die Kreuzzeitung — sogar erklärt, mein Auftreten gegen das Christentum hier im Hause erklärt sich daraus, daß ich von einem Juden abstamme. (Heiterkeit) Das ist ja ein bekanntes und einfaches Mittel, das sehr beliebt ist. Zur Beruhigung des Zentrums will ich Ihnen mitteilen, daß ich von mütterlicher Seite aus einer streng katholischen alten Berliner Familie abstamme. (Große Heiterkeit. Zurufe im Zentrum) Herr Kollege Hess ruft: „Und des Vaters?" Da ich ein uneheliches Kind bin, habe ich nach dem Vater nie geforscht, einmal, weil ein Vater, der sich nicht um sein Kind kümmert, nicht wert ist, daß das Kind sich um seinen Vater kümmert. Auch nicht die Angst, daß es ein Jude sei, hat mich davon abgehalten, vielmehr die Besorgnis, daß er vielleicht eine Tonsur tragen könnte. * * * Der kriegerische Christ Reichstag 1904, 8. März, Sten.Ber. S. 1645 Der antisemitische Hofprediger Stöcker spricht gegen die sozialdemokratische Kritik des Militärs und über den Dresdner Parteitag und sagt: Meine Herren, da muß man sich ja an den Kopf fassen. Hoff mann: Dann haben Sie auch nichts Gescheites in Ihren HändenI Stöcker: Sie aber sind durch und durch ungeschichtliche Menschen. Hoff mann: Und Sie ein vorgeschichtlicher. (Allseitige große Heiterkeit) Stock er: Natürlich sind Sie ungeschichtliche Leute, Eintagsfliegen. Gestern geboren, werden Sie morgen vergehen; Sie können nicht bleiben. Hoffmann: Nur der Pfaff bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Stöcker: Aber wenn der kriegerische Geist erst vernichtet ist und die Feinde kommen, dann ist es zu spät, dann kann man den verlorenen Geist nicht wieder hervorrufen. Ich glaube, selbst Herr Ledebour, wenn er die Führung übernähme, (Große Heiterkeit) würde den Kampf nicht durchführen gegen eine russische Armee, die diszipliniert ist, selbst nicht mit seiner sozialdemokratischen Miliz. Hoffmann: Das kann nur solcher „Christ'* mit der Losung „Friede auf Erden." Stöcker: Ich bin eben Hoff mann: „Ein Pfaff, vom Scheitel bis zur Sohle!" Präsident: Ich bitte, nicht zu unterbrechen, meine Herren! Stöcker: ein viel zu nüchterner und verständiger Mensch, als daß 29