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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 14

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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Tätigkeit seine Arbeiten manchmal ins Hintertreffen kamen, wer will dabei was finden? Manchmal, namentlich, wenn die Sache unserm Isidor nicht gefiel, oder wenn er mit dem Beschluß des Gemeindevorstandes nicht einverstanden war, verschwanden auch seine Akten. Es war nicht schlimm. Isidor wußte ja, daß die Gemeindevorsteher sehr beschäftigte Leute waren und infolgedessen manchmal manche Sache, auch wenn sie noch so wichtig war, vergaßen. Wenn man sich dann durch Zufall oder infolge plötzlicher Ereignisse der Sache erinnerte, fanden sich die Akten wieder vor. Sie hatten eben einer eingehenden Prüfung des Gemeindesekretärs bedurft, und diese Prüfung und die Ausarbeitung ihres Resultats hatten eben so lange Zeit in Anspruch genommen. Störend war dabei nur, daß manchmal, wenn man den Isidorschen Bericht ansah, die Tinte noch nicht ganz trocken war. Immerhin, Isidor saß fest im Sattel und dachte nun daran, Rabbiner in Bir zu werden; ob neben seinem Amt als Gemeindesekretär, oder ob er dieses Amt aufgeben wollte, war aus seinen Erklärungen nicht recht zu ergründen. Jetzt aber war guter Rat teuer. Es gab in Bir, wie überhaupt im ganzen Lande Bar, schwarze Juden und graue und rosenrote und rote; auch manche Zwischencouleuren kamen vor. Für welche sollte nun unser Isidor Rabbiner werden? Er war schwarz, konnte aber nicht ganz schwarz bleiben, sonst waren ihm manche Synagogen verschlossen. Es gab deren blaue und rote und grüne und gelbe und eine silberne und eine goldene. Natürlich wollte unser Freund Isidor gern in die goldene Synagoge gelangen. Sie war die besuchteste, versammelte die reichsten und gebildetsten Mitglieder der Gemeinde, hatte noch dazu einen schönen Saal, den der Landesherr mit von ihm selbst hergestellten Kacheln hatte belegen lassen — kurz, das wäre so was für unsern Freund Isidor gewesen. Aber, aber, die Besucher waren rot, und wenn sich Isidor auch von der schwarzen Couleur zur grauen wandte, ja sogar, wenn es not tat, manchmal rosenrot schillerte, rot, ganz rot konnte er doch nicht werden. Das widersprach doch gar zu sehr der Tradition seiner zwar kleinen, aber um so berühmteren Heimatstadt Bur. Er mußte sich also zunächst damit begnügen, ab und zu vor einer schwarzen, vor einer grauen, vielleicht auch einmal vor einer rosenroten Zuhörerschaft seinen Geist leuchten zu lassen, und in einer gelben und grünen Synagoge, meistens aber nur an den hohen Feiertagen in einem gemieteten Saal, etwa dem Blütensaal oder dem Fruchtsaal, seine Hörerschaft zu begeistern. So stand die Sache mit unserm Freund Isidor, als eine Wendung eintrat. Er war ein mächtiger Gemeindesekretär geworden, hatte sogar allmählich im Gemeindevorstand in gewissem Umfang Stimmrecht erhalten, wurde von den Gemeindevorstehern zwar nicht geliebt, aber als notwendiges Requisit der Verwaltung angesehen, und las daneben an der Akademie der Wissenschaften über Kochkunst. Da kam die Zeit, in der nach der großen Umwälzung alle Welt sich zusammenzuschließen begann. Die Gemeindearbeiter waren natürlich die ersten, die einen Verband bildeten, dann kamen die Vorbeter, die Chorsänger, die Minjanleute, ja sogar die Mohelim (alle Achtung! fast alles wahre, echte Akademiker mit Doktortiteln und goldenen Brillen!), die Leichenträger und viele andere mehr. Hierbei blieb es aber nicht. Alle Juden im Lande Bar fragten sich, warum sie sich nicht zusammenschließen sollten; und aus dem Fragen entstand eine große Bewegung. Das war etwas für unsern Freund Isidor! Nun gab es im Lande Bar einen großen Schutzbund und einen zweiten Schatzbund. Der Schutzbund hatte viele Jahre hindurch die Rechte der Barer Juden verteidigt und hatte überall, wo man von Amts wegen diese Rechte beschränken wollte, gegen die Beschrän- 14

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