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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 13

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Warum Isidor wieder in seine Heimat zurückkehrte Eine jüdische Geschichte, erzählt von einem, der dabei war. |m Lande Bar lebte eine größere Anzahl Juden, namentlich in der Provinz Ber und in ihrer Hauptstadt Bir. Die Judenschaft in Bir galt sozusagen als die Führerin für alle Juden des Landes. Dorthin strebte unser Isidor, der aus der Provinz Bor herkam und aus dem zwar kleinen, aber um so berühmteren Städtchen Bur stammte. Er strebte also nach Bir; denn er fühlte sich zu großen Dingen, vielleicht sogar zur Führerschaft berufen. Er war Rabbiner, hatte alle vollgültigen Zeugnisse und Atteste, hatte auf deutschen Universitäten studiert und neben der Theologie auch die Kochkunst wissenschaftlich betrieben. Er träumte von einem Rabbinat in Bir und gedachte, daneben dort auf der Akademie der Wissenschaften über die Theorie der Kochkunst zu lesen. Er kam nach Bir, wurde aber nicht Rabbiner. Er war wohl gelehrt, aber nicht so gelehrt wie alle Rabbiner in Bir. Er war wohl eine Erscheinung, aber nicht so eine wie alle Rabbiner in Bir. Er konnte sehr viel reden, aber nicht so viel wie alle Rabbiner in Bir. So wurde er nicht Rabbiner, begnügte sich vielmehr zunächst mit dem Posten des Gemeindesekretärs. Dieser Posten sollte auch die erste Staffel zu seinem Aufstieg werden — und das kam so. Der erste Vorsteher der Gemeinde in Bir war ein sehr netter und guter Mann mit den besten Absichten. Er hatte aber ein ausgebreitetes Geschäft von sehr großem Umfange, das allein auf seiner Tätigkeit beruhte. Daher konnte er sich nicht so eingehend mit den Angelegenheiten der Gemeinde befassen, wie dies nötig war. Da war nun unser Isidor an seinem Platze. Wo ein Bericht zu erstatten war, wo ein Gutachten notwendig wurde, wenn es sich um die Verteilung von Feiertagspredigteil oder Religionsunterricht handelte, da war Isidor schleunigst dabei. Aber nicht minder wetzte er seinen Geist und seine Feder, wenn der Vorsitzende eine Ansprache zu halten hatte, eine Synagoge einweihen, einen Rabbiner einführen, einen Jubilar verherrlichen mußte. Isidor konnte und machte alles, so daß niemand den Verfasser der Ansprache erkennen konnte, die der Vorsteher hielt. Zwar fehlte manchmal in einem Bericht ein wesentlicher Teil, und ein Gutachten fiel anders aus, als es vorher beschlossen war — das waren jedoch meistens unwesentliche Punkte um die es sich dabei handelte, nämlich solche Punkte, die unserm Isidor nicht paßten. Sehr bald saß der Gemeindesekretär so fest auf seinem Sessel, daß er daran denken konnte, sich um sein Lehramt in der Kochkunst bei der Akademie zu kümmern. Und nun las er dort die Theorie der Kochkunst des Landes Bar, die Theorie der Kochkunst des Landes Ber, die Theorie der Kochkunst der Stadt Bir, die Theorie der Kochkunst des Landes Bor, und zuletzt, publice, auch die Theorie der Kochkunst der Stadt Bur. Wehe demjenigen Bewerber, der irgend einen Posten bei der Gemeinde von Bir erstrebte, und der nicht vorher eines dieser berühmt gewordenen Collegia unseres Isidor belegt hatte. Er konnte lange warten. Isidor saß immer fester im Sattel. Suchte man ihn in seinem Büro auf, so war er dort nicht anzutreffen; er war natürlich in der Akademie. Suchte man ihn in der Akademie auf, so war er dort nicht zu finden; er war natürlich in seinem Büro. Suchte man ihn an beiden Stellen zugleich auf, dann war er hier und da nicht anzutreffen. Er war dann natürlich in wichtigem Auftrage im Ministerium oder beim Magistrat oder in der Schulkommission der Stadt oder — irgendwo war er sicher anzutreffen. Daß durch eine solche umfangreiche 13

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