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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 15

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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klingen gekämpft. Der Schatzbund hatte sich mit Geldangelegenheiten der kleinen Gemeinden, der Lehrer, der hochberühmten, sangeskundigen Kantoren und anderen Wohlfahrtsangelegenheiten befaßt. Der Schutzbund hatte aber einen großen Fehler begangen. Denn während der Schatzbund den eifrigen und redegewandten Isidor in seine Leitung aufgenommen hatte, hatte der Schutzbund ihm auch nicht das kleinste Pöstchen gegeben, nicht einmal zum ersten Vorsitzenden hatte er ihn ernannt. Es verstand sich danach von selbst, daß der Schutzbund völlig ungeeignet war, als Grundlage der neuen Organisation zu dienen. Und diese These vertrat nun unser Freund Isidor mit Wort und Tat; er redete und lief und machte und tat und schob solange, bis er den und jenen von der Richtigkeit seiner These überzeugt hatte. Der Schutzbund, der noch dazu einen kranken Vorsitzenden hatte und sich nur schwach zur Wehr setzte, war ungeeignet. Nur der Schatzbund konnte als Kern und Inhalt der großen Organisation der Barer Juden in Frage kommen. Die Abstimmung kam heran, und zur großen Freude unseres Isidor, des Schatzbundes und seines Vorsitzenden wurde der Schutzbund totgeschlagen. Hurra, es lebe der Schatzbund! Natürlich wurde Isidor sofort mit der Durchführung der notwendigen Arbeit für den Schatzbund betraut. Er war der richtige Mann; er konnte in den Ministerien und bei den Staatsbehörden von Bar das Wort führen. Das tat er denn auch und ließ seinen Redestrom los. Bei den Behörden allerdings hatte er sich geirrt. Er ging nämlich immer zuerst die Hintertreppe und höchstens die Seitentreppe hinauf; über die Vordertreppe traute er sich nicht recht. Da war er nicht so zu Hause. Aber im Schatzbund, in dessen Sitzungen, da war er der große Mann. Und hier berichtete er denn:« die Sache ist im besten Gange, der Minister hat das gesagt, der Geheimrat hat jenes versprochen. Nach Wochen noch war die Sache im besten Gange, der Minister hat das versprochen, der Geheimrat hat jenes gesagt. Nach Monaten — war die Sache immer noch in bestem Gange. Und dabei blieb es! Allmählich merkten der Schatzbund und die Barer Juden, daß die Sache einen Haken hatte. Man erfuhr, der Minister oder der Geheitnrat oder sonst ein hoher Beamter hatte gemeint, die Behörden müßten sich die Sache doch sehr überlegen. Es gebe in Bar doch außer den Juden noch andere Religionsgemeinschaften, z. B. Christen und Mohammedaner, Rotkreuzler und Blaukreuzler u. dgl. mehr. Wenn die nun alle eben dasselbe forderten, wie die Juden?! Würde das nicht Geld kosten? und viel Geld kosten? Isidor war gar nicht verlegen. Er redete weiter und arbeitete weiter. Am Sonnabendabend wies er in der Versammlung des Schatzbundes noch nach: die Sache ist im besten Gange, der Minister hat das gesagt, der Geheimrat hat jenes versprochen. Und am Sonntag erschien eine Einladung des Gemeindevorstandes von Bir an die Juden, nicht von Bar, sondern nur von Ber, zu einer Beratung zwecks Zusammenschlusses der Juden der Provinz Ber zu einer eigenen Organisation. Unser Freund Isidor hatte, als er merkte, daß der Schützbund tot und der Schatzbund erfolglos war, sich hinter seinen Gemeindevorstand gesteckt: geht's nicht mit Bar, so geht's mit Bir. Und er wäre doch der Mann dazu, dies alles sicher durchzuführen. Der Minister wird das sagen, der Geheimrat wird jenes versprechen. Und er würde das und jenes sagen und versprechen. Kurz, der Gemeindevorstand der Gemeinde von Bir griff mit gewohnter Energie ein. Der Schatzbund fiel auf den Bauch, zum Schutzbund. Alles lamentierte! Dem Schatzbund half es nichts — er war besiegt, von Isidor. Mit der Organisation der Juden von Ber klappte es zunächst auch nicht recht. Da kamen so die Bedenken. Wer soll das Geld geben? Wer wird die Arbeit machen? Wer soll, und das ist doch sehr wich- 15

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