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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 10

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Talmud ablehnten und sich durch ihre Lebensweise, Arbeitsamkeit, Ruhe, musterhafte Ehrlichkeit und Kaisertreue von den Juden unterschieden." Die Regierung bewilligte ihnen auch dies im Jahre 1863. Uebernaupt änderte sich die Rechtslage bis in die letzten Tage der Zarenregierung hinein nicht. Seit der Herrschaft der Sowjets, die, Qlaubensunterschiede nicht anerkenner», stehen Karäer und rabbinische Juden natürlich den übrigen Volksstämmen gleich. Neue Bedeutung für die jüdische Geschichte hat die Krim in der letzten Zeit dadurch erlangt, daß die Sowjetregierung Juden mit Hilfe der amerikanischen Joint-Qelder dort ansiedelt. Niemand kann voraussagen, welche Zukunft diese Siedlungen haben werden. Bedeuten sie auch nicht die Lösung der jüdischen Fragen, so kann die Krim, wo seit mehr als tausend Jahren Juden wohnen, doch vielleicht eine kleine Oase in den großen Qualen des russischen Judentums werden. Theaterantisemitismus von Julius Bab Ein Geschwür, von dem man in engeren Kreisen schon lange wußte, ist kürzlich in öffentlicher Diskussion aufgeplatzt. Die Pest des Antisemitismus hat nun glücklich eines der ganz wenigen Organe des Volkskörpers ergriffen, die bisher noch seuchefrei schienen. Es ist festgestellt worden, daß an zahlreichen Provinztheatern und Wanderbühnen (besonders schändlicherweise gehört das vom Verband für Volksbildung unterhaltene Märkische Wandertheater dazu) das Engagement jüdischer Schauspieler grundsätzlich abgelehnt wird. Die wiederholt aus verschiedenen Orten des Reichs gemeldeten Ausschreitungen gegen jüdische Schauspieler bestätigen solche Nachricht und zeigen zugleich den Ursprung dieser unglaublichen Vorgänge. Denn der Antisemitismus wird in die Theater gewaltsam von völkischen Besucherorganisationen und von antisemitischen Stadtverwaltungen hineingetragen. Sie üben den Druck auf die Leitung aus und verhetzen in ihrem Stil Schauspieler und Publikum. Von allein hätte sich im Organismus des Theaters schwerlich Antisemitismus bilden können. Dazu ist er an diesem Ort all zu widersinnig. Die zentrale Kraft des Theaters, die Schauspielerkunst, setzt die vollkommen freie, durch keine soziale Bindung und also auch garkein Vorurteil eingeschränkte Menschlichkeit des Künstlers voraus. Wer Kraft und Möglichkeit haben soll, heute Wallenstein, morgen Shylock, übermorgen Mephisto zu sein, der kann ja unmöglich sein Denken und Empfinden durch irgend welche sozialen Dogmen oder gar durch Rassentheorien eingeschnürt haben. In der Schauspielerwelt hat es denn auch, von wirklich verschwindenden Ausnahmen abgesehen, nie Antisemitismus gegeben. Es kommt dazu, daß seit mehr als einem Jahrhundert, sogleich seit ihrer Emanzipation, die Juden einen bedeutenden und rühmlichen Anteil an der Geschichte der Schauspielkunst haben. Während sich ihr schöpferischer Anteil an der modernen Musik, Malerei und Dichtung eigentlich auf ein paar große Ausnahmen beschränkt, die eher die Regel zu bestätigen scheinen, daß hier ihre Einwurzlung in den sinnlichen Boden der abendländischen Kultur noch nicht alt und tief genug ist, um Werke ganz großen Stils hervorzubringen, standen die Juden in der Schauspielkunst sofort mit in der allerersten Reihe. Die beiden größten Tragödinnen Frankreichs, die Rachel und die Sarah Bernhardt, waren jüdischer Abstammung, und in der deutschen Schauspielkunst haben" Männer wie Dessoir und Davison, Sonnenthal und Lewinsky, Barnay und Max Pohl, Emanuel Reicher und Fritz Kortner außerordentliche Bedeutung. Hier, wo das sinnliche Material dem Künstler schon fertig geboten wird, kommt der 10

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