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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 11

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Enthusiasmus, die östlich ungehemmte Kraft der Gefühlsäußerung, die große Bereitschaft zur Einfühlung, die dem Juden eigen ist, zu künstlerischer Auswirkung. Gerade im Bereich des Theaters, zu dem die Deutschen von je ein geistig andächtiges, aber kein so künstlerisch unmittelbares Verhältnis haben wie mehr südliche Völker, grade hier ist ganz gewiß die jüdische Mitwirkung von Nutzen gewesen — im Sinne jenes „Tropfen Champagners", der nach Bismarcks Wort im Blut der Deutschen fehlt. Dabei ist die viel beschrieene „Verjudung", die Ueberflutung des Theaterlebens mit einseitig jüdischen Begabungen hier genau so legendär, wie auf allen anderen Gebieten, wo dieses Schlagwort umgeht. Genaues Zusehen lehrt uns, daß unter den Prominenten eine gewiß nicht unbedeutende, aber keineswegs sehr große Zanl von Juden ist; sie bilden hier eine Minderheit, die nicht sehr viel größer sein wird als ihr Anteil an der Bevölkerung überhaupt. Sehr gering ist die Anzahl in dem großen, massenhaften schauspielerischen Proletariat, und nur in der Mittelschicht, wo es sich um erste Schauspieler zweiter oder zweite Schauspieler führender Bühnen handelt, dürfte der Anteil der Juden groß, wenn auch keineswegs überwiegend sein. Was nun aber gar die Legende von den rdurchweg jüdischen" Theaterdirektoren betrifft, so ist sie insofern besonders grotesk, als bis zum Jahre 1914 all die sogenannten Hof- und Stadt-Theater, die in Deutschland Vierfünftel der Bühnen und die bestdotierten, arbeitsfähigsten bildeten, grundsätzlich niemals einen Juden zur Leitung zugelassen haben. Es kann sich also nur um die paar Dutzend Privattheater in Berlin, Wien und fünf, sechs anderen Großstädten handeln. Deren Direktoren waren allerdings zu einem erheblichen Teil Juden. Eben weil das jüdische Talent, von der großen Mehrzahl der Bühnenleitungen ferngehalten, sich hier sammeln mußte. Wenn aber im voraufgehenden Menschenalter die Leitung einer einzigen, im Gegensatz zu den Staatstheatern immer schwer kämpfenden Prmtbühne stilangebend gewirkt hat, und die aufeinanderfolgenden Herren des „D e ut s c h e n Th e ate r su in Berlin: L'Arronge, Brahm und Reinhardt wirklich Juden waren — und wenn das bei größten Machtmitteln vollkommen leblose Staatstheater Berlins erst unter der Leitung des Juden Jeßner wieder zu einer tonangebenden Macht geworden ist, so kommt wohl darin zum Ausdruck, daß die Juden nicht durch quantitative Massenhaftigkeit ihres Auftretens, aber durch eine ganz spezielle Mittlergabe innerhalb der Theaterkunst eine Macht im Deutschen Bühnenleben darstellen, deren belebenden Einfluß man sich nur sehr schwer fortdenken kann. Es waren schließlich deutsche Künstler, Schauspieler und Regisseure, die an allen Orten aus persönlichstem Bedürfnis und ehrlichster Ueberzeugung die großen Anregungen von Brahm, Reinhardt und Jeßner aufgenommen und weitergegeben haben. Wie völlig also Recht und Sinn einem Vorgehen fehlt, das die Arbeit der Juden am Theater einzuschränken wünscht, wie sehr hier um eines blöden Vorurteils willen wieder einmal das echte Interesse der nationalen Kultur gefährdet wird, das ist wohl mit besonderer Deutlichkeit ersichtlich. Der Bühnenverein der Direktoren und die Genossenschaft der Schauspieler haben nun gelobt, gegen diese neueste und keineswegs ungefährliche Ausschweifung des Rassenhasses einzuschreiten. Der Bühnenvolksbund, dem nach seiner Geburt aus Zentrumskreisen solche Tendenzen fernstehen sollten, der aber im östlichen Deutschland gefährliche Bindungen mit völkischen Kreisen eingegangen ist, und der vielfach beschuldigt wurde, antisemitischen Tendenzen Vorschub geleistet zu haben, hat solche Neigung feierlich abgeschworen. Wir werden sehen, wie weit er unter Leitung des früheren Kultusministers n

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