Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 1 (15.11.1926)
- Date
- 1926-11-15
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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beschlossen, sich besondere Synagogen zu gründen. Während dieser Zeit begann Rabbi Mose ben Jacob Hagole seine erfolgreiche Tätigkeit als Vermittler und Friedensstifter. Er arbeitete 18 Verordnungen aus, die unter dem Namen Takonoth bekannt sind. Im Ritus des Gebetes sollte man sich nach dem Brauch der balkanischen Juden, das heißt nach dem Machsor Romanja richten. In Fragen des Kaschruth und der Familiengesetze sollte man Rabbi Mose Isseries, das heißt dem Brauch der deutschen Juden folgen. Dieses Kompromiss wurde von allen Gruppen angenommen, dank der großen Autorität, die Rabbi Mosche bei allen rabbanitischen Juden in der Krim genoß. Durch Zufügung verschiedener Ortsgebräuche entstand das bekannte Machsor Ritus Kafa. Allmählich verschmolzen alle diese Gruppen zu einer homogenen Einheit, die unter dem Namen „Krimtschaken" bekannt ist. Das Zentrum der Krimer Juden übertrug sich damals nach der Stadt Karassubasar. Da die Juden unter den Tartaren, einem kulturell sehr niedrigstehenden Volke lebten, konnten auch sie nicht zu höherer Entwicklung gelangen und brachten daher während der ganzen Zeit keine bedeutende Persönlichkeit hervor. Der berühmteste unter den Rabbinern der Krim war David Lechno, der zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts lebte. Sein bekanntestes Werk „Debar Sefatajim" ist in ausgezeichnetem hebräischen Stil geschrieben. Es schildert die Geschichte der Krim während der 50 Jahre, die er selbst beobachtet hat. Dieses Werk enthält viele interessante Daten aus der Geschichte der Juden in der Krim und in der Türkei. In der Stadt Karassubasar, in der David Lechno als Chacham amtierte, wird noch heute ein von seiner Hand geschriebenes Exemplar des Machsor Kafa gezeigt, das von den dortigen Juden wie ein Heiligtum behütet wird. Zu diesem Buch hat Lechno ein vom geschichtlichen Standpunkt höchst interessantes Vorwort geschrieben. Von der Lage der Juden unter den Tartaren erfahren wir von dem polnischen Diplomaten Marten Broniewski, daß sie im 16. Jahrhundert auch in der Umgebung von Ingerman wohnten, wo sie großartige Weingärten besaßen, und in Balaklawa, Mangup, Kafa, wo sie Gärtner urd Händler waren. Bei den karassubasarischen Juden-Krimtschaken sind einige Privilegien erhalten, in denen ihnen verschiedene tartarische Herrscher die früheren Rechte wiederholt zusagten. Einen Unterschied zwischen Karäern und Krimtschaken haben sie nicht gemacht, sie vielmehr beide „Jahud" genannt. Als Rußland 1783 die Krim eroberte, wurde dies anders. Man behandelte Talmud-Juden und Karäer verschieden. Zuerst mußten beide doppelt so viel Steuern wie die anderen Stämme aufbringen. Bald ab«r betonten die Karäer ihre Unterschiedlichkeit und beantragten die Befreiung vom Judenzoll. Der Finanzverwalter des letzten Tartaren- Khans Schahin Gerai, Benjamin Aga, der zunächst abgesetzt worden war, verstand es, sich bei der russischen Regierung einzuschmeicheln. Er erreicht im Jahre 1795, daß die Karäer den Christen gleichgestellt werden. In dieser Weise zeigte sich die Neigung, die Karäer vor den Rsbbaniten zu bevorzugen, die zur Erinnerung an dieses Ereignis eine Gedenktafel in der Synagoge von Eupatoria errichteten. Den Karäern, die sich noch immer Juden nannten, wurde aber verboten, rabbanitische Juden in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. So blieb es bis in die neueste Zeit hinein. Von allen Beschränkungen und Schwierigkeiten, mit denen Rußland die Ju ten drangsalierte (Militärpflicht, Handel, Wohnrecht), blieben die Karäer ausgenommen. Im Jahre 1853 baten sogar Karäer aus Troki (Wilna)in einem Immediatgesuch die zaristische Regierung, ihnen zu gestatten, sich nicht mehr Juden zu nennen, sondern russische Karäer alttestamentlichen Glaubens, Bweil sie den 9