Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 1 (15.11.1926)
- Date
- 1926-11-15
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
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Bachtschissarai, Kaie, Sulkat (Altkrim), Karassubasar und anderen Ort scharten. Im 15. Jahrhundert finden wir in der Krim Juden, die dorthin ausverschiedenen Ländern einwanderten. Zu jener Zeit ist das größte jüdische Zentrum die Stadt Kafa (Theodosien), die sich unter der Herrschaft der Qenueser befand. Ein deutscher Forscher jener Zeit, Johannes Schiitenberg, teilt mit: „In Kafa seien zweierlei Juden (das heißt Rabbaniten und Karäer), die zwei Synagogen in der Stadt und 4000 Häuser in den Vororten haben/ Den Juden ging es unter der Herrschaft der genueser Konsuln sehr gut. Als der katholische Bischof von Kafa sich in die jüdischen Angelegenheiten einmischen wollte, hat man ihm von Qenua aus eine Rüge erteilt. Der Konsul und der Aeltestenrat sollten dafür sorgen, daß die Juden von Räubereien, Erbbenachteiligungen und dergleichen verschont blieben. Einige Juden spielten im 15. Jahrhundert eine bedeutende gesellschaftliche, staatliche und diplomatische Rolle in der Krim, so zum Beispiel Kose Kokos. Er trat in den Verhandlungen zwischen dem moskowitischen Qroß-Fürsten Johannes III. und dem Krim-König (Chan) Mengli Gierei hervor. Johannes III. riet in seiner Instruktion seinen Bojaren, die die Verhandlungen leiteten, keine diplomatischen Schritte zu unternehmen, ohne sich vorher mit dem Juden Kokos beraten zu haben. Er bittet den Juden, er solle ihm Diamanten, Perlen und andere Edelsteine kaufen und dankt ihm für seine treuen Dienste. Endlich ladet Johannes III. den Juden Kose Kokos zu sich nach Moskau ein und bittet ihn, die Partie seiner Tochter mit dem Sohn des Königs des Qotenreiches Mangu, Jsaika, zu vermitteln: sozusagen einen „Schiddach" zu reden. Eine neue Periode im geistigen, gesellschaftlichen und religiösen Leben der Krimer Juden beginnt am Anfang des 16. Jahrhunderts, als viele Juden, Gefangene und Ausgewiesene aus Kiew, Südrußland und Litauen, nach der taurischen Halbinsel wanderten. Im Jahre 1482 überfielen die Krimer Tartaren Kiew und brachten viele jüdische Gefangene als Beute mit. Im Jahre 1495, als der litauische Großfürst Alexander Jagella die Juden aus Kiew vertrieb, wanderten sie nach der Krim. Die Kiewer Jüdische Gemeinde war zu jener Zeit eine der größten und hatte viele bedeutende Gelehrte unter ihren Mitgliedern aufzuweisen, sodaß damals sogar das Wort im Umlauf war: „Denn von Kiew geht die Lehre aus und das Wort Gottes aus Starodub". Unter den gefangenen Juden, die die Tartaren nach der Krim brachten, war einer der hervorragendsten Rabbi Mose ben Jacob, genannt Hagole (der Vertriebene), weil er in seinem Leben viel Pein und Gefangenschaft auszustehen hatte. Aus der Gefangenschaft kauften ihn die rabbanitischen und karäischen Juden der Krim aus. Er ließ sich in Kafa (Theodosia) nieder und spielte eine bedeutende Rolle im Leben der Krimer Juden, zu deren Oberhaupt er gewählt wurde, in diesem Augenblick beginnt ein neuer Abschnitt im Leben der Juden In der Krim, und es wird eine neue Gemeindeordnung geschaffen. Die jüdische Bevölkerung der Krim war zu jener Zeit aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzt. Darunter waren Juden aus Babylonien, Persien, Italien, dem Balkan, Deutschland, Palästina, Spanien und Portugal. Unter diesen Umständen war es unumgänglich, daß unter den Krimer Juden Reibereien entstanden, die ihren Ursprung in den verschiedenen Bräuchen all der Länder hatten, aus denen die Juden zusammengeströmt waren. Ihre Streitigkeiten in Bezug auf den Brauch gingen so weit, daß die einzelnen Gruppen 8