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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 3

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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schlägt, seit leider schon drei Lustren, besonders auf viele jüdischej die der Judenhaß so tief verängstigt und verdorben hat, daß sie, in falschem Verantwortungsbewußtsein, lieber alles erdulden, decken, bedecken, als auch nur im kleinsten Punkt die Wahrheit nach außen dringen zu lassen. Hat aber der Arewim-Satz „Qanz Israel bürgt, einer für den andern" überhaupt einen Sinn, dann doch nur den, daß wir durch Forderung und Förderung der Sittlichkeit, durch Ausstoßung des Dunklen, das jede Gemeinschaft mitschleppt, uns selbst entsühnen und von Duldungs-Schuld freimachen. Ob „Die Jüdische Gemeinde", auch in einem höhern Betracht, notwendig ist? Die Buntheit und Belebtheit ihres Inhalts, die Fälligkeit und Tiefe ihrer Beiträge, die Jüdischkeit ihrer Gedanken soll, gibt Gott mir die Kraft, es erweisen. Aufmunterung ZUm TanZ von Siegfried Jacobsohn Der Herausgeber der „Weltbühne" und Großvater dieser Zeitschrift schreibt mir: Wenn Sie sagen, daß Sie eine Zeitschrift von „Weltbühnen-Willen" zu gründen planen, so ist selbstverständlich, daß ich Ihnen auf den Weg, der am Anfang recht steinig sein wird, Glück wünsche, und daß Sie mit meiner Bereitschaft, Ihnen diesen Weg gangbarer zu machen, von vornherein fest rechnen können. Müssen wir verzweifeln? von Max Mayer i. Während der Nationaljude die bisherige Erfolglosigkeit des Kampfes gegen den Antisemitismus in Deutschland als Rechtfertigung seiner Theorie vom eingesessenen Wirtsvolk und fremden Gastvolk bucht, blickt der Großteil der deutschen Juden, der bisher an Deutschland als sein Vaterland geglaubt hat und ohne diesen Glauben nicht leben könnte, mit einer Verzweiflung, die manchmal als eine Art weltbürgerlicher Zynismus in Erscheinung tritt, auf das Trümmerfeld von Wünschen und Hoffnungen, die auf Erringung des inneren Friedens nicht nur in der Volksgemeinschaft, sondern auch in der eigenen Seele gerichtet waren. Was ist durch jahrzehntelange mühevolle Arbeit erreicht worden? Gewiß ist — von außen betrachtet — in vielen Fällen Schlimmes und Schlimmstes verhütet worden. Legt man aber nicht den oberflächlichen Maßstab der Bewahrung des deutschen Juden vor Totschlag, gesetzlicher Entrechtung und wirtschaftlichem Untergang, sondern den Maßstab der inneren Anerkennung des jüdischen Menschen durch den nichtjüdischen an, so darf ohne Schwarzseherei und Uebertreibung gesagt werden: der Erfolg so mühevoller Kleinarbeit in Abwehr und Aufklärung ist null; vielleicht ist es noch schlimmer geworden. Viele glauben, dem entgegenhalten zu können, daß im neuen Staat die Gleichberechtigung des deutschen Juden stärker hervortrete. Ist es wirklich ein Erfolg, daß es in Deutschland ein paar jüdische Ministerialräte gibt, wenn man bedenkt, daß es sich ja hier zum allergrößten Teil um Beamte handelt, die ihre Stellung den Forderungen einflußreicher politischer Parteien verdanken, eine Stellung, die sie, aus eigener Kraft, trotz überragender Befähigung nie erlangt hätten? Und selbst wenn man darin einen Fortschritt sehen wollte, er muß 3

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