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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 2

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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verhüllten Vorwurf auch als Schmeichelei deuten kann. Die Wahrheit aussprechen — das tun oder taten nur die paar Zeitschriften mit dem echten Fanatismus der Wahrheit und Sauberkeit, die man für den Erdkreis an den Fingern zweier Hände aufsagen kann: etwa H. L. Menckens „American Mercury", Maximilian Hardens „Zukunft", Karl Kraus, „Fackel", Siegfried Jacobsohns „Weltbühne", Egon Jacobsohns (und meine) „Filmhölle". Sie auf dem jüdischen Gebiet zu ergänzen, habe ich „Die Jüdische Gemeinde" gegründet. Jedem Narren gefällt seine Kappe; den jüdischen Wahrheits-Bajazzo zu spielen, liebe ich. Und fragt man mich, was denn, um alles, gerade mich die Reinheit jüdischen Lebens angehe, so kann ich nur hoffen, das Fünkchen, das in mir glüht, möchte zum Feuerbrande werden, der allen Schmutz aus unserer Mitte hinwegfrißt. Und fürwahr: eine Fülle von Unrat hat sich in vielen Gemeindestuben und anderwärts zusammengefunden. Ich denke nicht daran, auch nur einen Augenblick noch zu dulden, daß er sich in der Bei¬ Etage jüdischen Gemeinschaftswirkens in Deutschland weiter breit macht. Man tut sich Unrecht, das zu unterschätzen. Diese Zeitschrift ruht auf festem Erdreich, und meine Wahrheitsliebe kennt keine Grenzen. Sie wird nur noch von meiner Energie und meinem Ernst überboten, dem Unrecht entgegenzutreten. Dabei ist mir bewußt: Größere in Israel als ich sind, seit der Propheten Zeiten, aufgetreten und haben das Widerwärtige nicht ausrotten können. Aber vergessen wir doch nicht: immer wieder, bis zu Messias' Tagen, muß nach jüdischer Grundstimmung dieser Kampf gekämpft werden. Und nichts von dieser Welt kann mich hindern, Chomez zu batteln, nicht den fruchtbaren Sauerteig, aber das Saure aus dem jüdischen Leben wegzuräumen. Nichts mich zwingen (ein Wort des Fackel-Kraus gewandelt), mit gewissen Individuen, die Luft meines Vaterlandes zu teilen, wenigstens innerhalb seiner jüdischen Gemeinden oder außerhalb seiner Gefängnisse. Und reicht meine Monatsschrift nicht aus, den Tort zu Übertorten, dann werde auch ich zu den modernsten Wirkungsmitteln greifen, zum Tendenzbild, zum Flugblatt, wenn auch das nicht, dann werde ich die Sünde plakatieren lassen. Und stumpft oder entsinkt mir die Feder, dann sind andere da, sie zu schärfen und die Arbeit fortzuführen. Begreift man nun, daß Notwendigkeit und Erfreulichkeit dieser neuen Monatsschrift in verschiedenen Lagern verschieden beurteilt werden müssen? Ich kann mir nur denken, daß, wie sie die Freundin jedes wertvollen Gedankens, ihr alle Wertvollen und Sauberen Freund sein werden. Um so beißender aber wird der Haß derer sein, die meine Zeitschrift ausspeit. Was für Einwände werden sie erfinden! Wie ihre wahren Gründe zu verbergen wissen! Der genannte Mencken meint, auch Gott auf seinem himmlischen Thron sei gegen so neuartiges Tun. Ich muß ihm widersprechen (das ist Erfahrungssache), wenn auch zutrifft daß „Seine Vikare und Parteigenossen es auf Erden sind". Das

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