Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 1 (15.11.1926)
- Date
- 1926-11-15
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jüdische Gemeinde / Berlin, 15. November 1926 / I. Jahrg., Heft 1 Auf den Weg . .. ¥ Tnd damit tritt eine neue Zeitschrift in das jüdische Sein. Ganz unu feierlich will sie, einfach als Tatsache genommen werden. Sie heißt „Die Jüdische Gemeinde". Denn in dieser gestaltet sich kraft geschichtlichen Ablaufs jüdisches Leben und jüdische Wirklichkeit, in Deutschland zumindest, fast allein. In dem ausgezehrten, von den Granatsplittern einer entsittlichten Zeit zerwühlten Boden kann die Wurzel nicht atmen. Den Marasmus in der jüdischen Gemeinde zu überwinden, soll daher dieses Fachblatt für jüdische Gemeindeverwaltung Helfer sein. Darüber hinaus wird meine Revue alle Fragen unserer Gemeinsamkeit in ihrer Linse zu fangen und davon einige Abgeschmacktheiten zu sagen versuchen, die vielleicht die Aussicht haben, Wahrheit von morgen zu sein. Kai adas b'ne Israel — „Die Jüdische Gemeinde": das ist die durch die Religion verbundene Einheit der Gottespriester. Ob sie notwendig ist, diese neue jüdische Monatsschrift, die bald Wochenschau werden soll, oder auch nur wünschenswert? Daß doch die Menschen nichts um seiner selbst willen tun können! Sie werden die Frage stellen und, vom verschiedenen Standpunkt, verschieden beantworten. Ueberparteilich wird „Die Jüdische Gemeinde" sein. Das kann nicht bedeuten: parteilos, farblos, charakterlos. Dem würde schon die Persönlichkeit und der Wille des Herausgebers widerstreiten, dem, beispielshalber, die deutsche Kulturgemeinschaft unverlierbares Erlebnis ist. Ein jeder Beitrag soll Stellung nehmen, eindeutig, eindringlich und einleuchtend. Und nur wer eine Meinung hat, wird hier zu Wort kommen. Aber daß er sie in diesen Blättern äußern kann, unbeengt und ein jeder in freier Verantwortlichkeit, das macht wohl zum ersten Male den überparteilichen Charakter einer jüdischen Zeitschrift aus. Und so unabhängig wird sie sein, so viel selbständiger, als dem Parteigeist lieb ist, daß er von vornherein ihr geschworener Feind sein muß. Reinlich wird „Die Jüdische Gemeinde" sein und kritisch und der Wahrheit dienen. „Ich kenne kein Recht, das auch nur entfernt dem Werte des einfachen Rechts, der Wahrheit nachzugehen und sie zu äußern, gleichkäme", sagt einmal der sittlichste und darum glänzendste Journalist zweier Welten, der deutsch - amerikanische Professor H. L. Mencken. Ich weiß (und mit mir wissen es alle, die innig genug die jüdische und allgemeine Presse aus der Kleistertopf - Perspektive betrachtet haben): man kann in jeder Zeitung die Wahrheit sagen. Wenigstens so lange man sie für sich behält. Aber dann tauchen, auf dem Weg zwischen Hirn und Papier, widerwärtige kleine Zufälligkeiten auf. Und es sind auch Zeitungen, da schimmert sie zwischen den Zeilen durch. Sicher ist, der die Speise würzig anzusetzen versteht, nicht der schlechteste Garkoch. Aber wie viele Gourmets gibt es denn? Und bei der Wahrheit hat das den Nachteil, daß man den 1