Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 6 (10.2.1938)
- Date
- 1938-02-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9569290-9569843-9569889--252-9569893- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 zwischen den britischen Truppen und arabischen Terrorbanden folgten, haben die Truppen zwölf Dörfer besetzt, damit sich in ihnen die verwundeten Araber nicht festsetzen können. Die Scheichs und die Dorfverwaltungen wurden aufmerksam gemacht, dass ihre Häuser in die Luft gesprengt werden, falls sie den Terroristen Unterkunft gewähren oder ihnen sonstige Unterstützung zuteil werden lassen. Ein hoher Offizier der an den Kämpfen teilnehmenden Truppen erklärte der JTA. es seien dies die schwersten Kämpfe seit dem Ausbruch der Unruhen 1936 gewesen. Im Distrikt Jerusalem ist der Terror nach kurzer Pause wieder aufgeflammt, Ataroth, Beth Hakerem und Mekor Chaim wurden heftig beschossen. Jüdische Hilfspolizisten erwiederten das Feuer. Auf die Polizeistation in Betlehem, unweit des Rachel-Grabes, verübte eine unter der Führung des berüchtigten Terroristen Assa Battat stehende kleine Terrorbande einen Feuerüberfall. Assa Battat hat auch den Mord an dem Archäologen Prof. Starkey auf dem Gewissen. Die Polizei erwiederte das Feuer. Verletzt wurde niemand. — Gegen die Polizeistation in Nablus wurden zwei Bomben geworfen. Die eine explodirte ohne Schaden anzurichten; die zweite beschädigte das Gebäude. In der Stadt brach eine Panik aus; Kaffehäuser und Kinos wurden geschlossen. Die Täter vermochten zu flüchten. 15 Araber aus Nablus sind im Scknellverfahren zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. — In der Nähe von Jericho wurde der arabische Hilfspolizist Khalil Achmed Attalah von Banditen ermordet. In zahlreichen Teilen des Landes sind die Telefonleitungen durchschnitten worden. Eine sechsköpfige Araberbande griff zwei arabische Polizisten an und nahm ihnen die Waffen weg. Ein Polizist wurde schwer verletzt. ״Dawar“ meldet, dass eine libanesische Grenzwache eine grosse Schiffsladung Maschinengewehre und Munition konfisziert hat, die von einem, die Flagge einer Mittelmeermacht führenden Schiffe ausgeladen wurde. Die Waffen sollen für.die palästinesischen Terroristen bestimmt gewesen sein. In dem arabisehen Dorfe Modera entdeckte die Polizei grosse Mengen Waffen und Munition. Die Direktoren und Inhaber der arabischen und der jüdischen Autobus״ gesellschaften, die den städtischen und den Überlandverkehr besorgen, erhielten ein Zirkular mit einer Regierungsverordnung, die besagt, dass alle Autobusse einheitlich mit einer bestimmten Alumi־ niumfarbe angestrichen werden müssen. Bisher war die Farbe der arabischen Autobusse von derjenigen der jüdischen verschieden, so dass letztere von den Terroristen leicht erkannt werden konnten. Gesucht wird für ein Buumaterilengeschäft tüchtiger, junger Mann, der selbstssiändig arbeitet. Offerte an die Redaktion, »Der Jüdische Herold« Pressburger Briefe Von unserem Correspondenten Bratislava ist nicht nur für die Slovaken, sondern auch für das slovakische Judentum die Landeshauptstadt. Schon in früheren Jahrhunderten ein bedeutendes Handelsemporiumfu. Wirtschaftszentrum hat es seinem Weltruhm in der jüdischen Kultusgeschichte durch die hochberühmte Jeschiwah des grossen Chaszam Szofer s. Z. 1. erlangt u. von den anschöpflichen geistigen u. moralischen Zinsen dieses Unsterblichen Jahren auch heute der Epigonom Geschlechter. Und so ist auch heute die Thora vo allem ein lebendiges Talmudstudium, das der alterwürdigen orthodoxen Gemeinde noch immer der Glanz einer עיר ואם בישראל verleiht. Die Talmud Thora u. Jeschivaanstaiten erfreuen sich eines regen Besuches auch Ausländer kommen noch immer gerne nach Pressburg, wo sie nicht nur den richtigen Geist des Limud erfassen, sondern auch sonst Gelegenheit haben, sich wie es bei ihnen heisst ״auszumenschen“• Natürlich fällt der Hauptanteil dieser Be- Strebungen der Privatinitiative u.sden jü■ dischen Kulturellen Vereinigungen zu (Ciievras Magidus, Aguda etc). Auch die Melawe-Demalko-Abende müssen wir in diesem Zusammenhänge rühmend erwähnen. Mussar u. Gemorovorträge die S. Ehrw. Oberrabbiner Schreiber schelito für die stattliche Anzahl ehemaliger Talmidim allwöchentlich zu halten pflegt, u. hatten wir Gelegenheit an Freitag abendtn manchen gelungenen homiletischen Vortrag an zuhören, der nicht unr gediegene Textes in tepretation bot, sondern auch durch den Schwung einer chistorisch gewählten Sprache u. Gedankenreichtum das ausgefahrenen Geleise der üblichen Schiurdrosches bedeutend überflügelte u. hoffen lässt, dass ein der Stille noch manches schätzenswerte Talent hervorsprissen wird. Was jedoch ausserhalb der thora treuen Kulturbetätigung der Orthodoxie, geboten wird, ist die Jugend, die wie üoerall leider, ob nach rechts oder links zumeist extrem einseitig orientirt ist, es fehlt leider die einzig richtigen goldene Mitte, wie dies Ideal von Samson Rafael Hirsch s. Z. 1. für Deutschland mit Erfolg angestrebt worden war — nur mit Ein- Schränkung zu empfehlen. Überhaupt sollte die Jugend mehr lernen u. weniger politisieren u. vor allem dem Alter זקן זה קנה חבטה so wie früher mehr Respekt u. Achtung entgegenbringen. Denn nicht nur die ex* trem linken Kreise halten sich jeder Bindüng u. Subondination erthoben, sondern auch mancher gewesener Bocher fällt durch überhebliches Benehmen auf, das dadurch nicht entschuldigt wird, wenn er als agudistischer oder sonstiger Parteimann, glaubt sich durch sein politischen, oder oft nur hypoliiischen Verdienste einer geschäftigen Vereinsmeises über seinem nichtorganisierten Mitbrudtr gerignschätzig hinwegsetzen zu dürfen. ״Derech Erez“ in der ursprünglichen Bedeutung primitiven Anstandes u. gesellschaftlichen Zuvokommens ist grade von Jenen zu forden die auf thorawissen stolz, sich für die höher stehenden, besseren Juden halten. Auch die rein weltlichen Kultur Veranstaltungen, zumeist von Juden in die Wege geleitet, zeigen 4 auch nach Besucherzahl eine erfreulicherweise stets wachsender jüdischen Prozentsatz, auf eignet doch dem Volke des Buches seit jeher intellektueller Streben u Bildungshunger, der den Lehrsaal Ball u. Sportplätzen gerne vorzieht, obwohl auch auf diesen Juden mehr als gewünscht, gesehen werden u. der Jude Ünreich die Palme eines Boxerchampions davontrug. Der Verein für Internationale Kulturarbeit entfaltet auch heuer eine rege Tätigkeit u, sehen wir 36 bei dem pedagogischen Vortrag der Univ. Professorin Charlotte Blücher auch Beth Jakob Lehrerinen als Zuhöreninen und Mitschreiberinen, um sich die ihnen selten sich bietende Gelegenheit weiterer Ausbildung nicht entgehen lassen. Der stark links orientirten Pogress Club gab Gelegenheit dem vorzüglichen Prager Pianisten Süsskind die für unser Ohr noch immer als atonal empfundene Kunst der Modernen u. Modernsten kennen zu lernen, berief Max Brod zu einem Vortrag, der für dem bedentenden jüd. Dichter Kaffka warb (Franz Vetel ist bekanntlich getauft u. persönliche Reminiszenzen zu czechischen Tradition zum Besten gab, um die er sich grosse Verdienste erworben hat. Besonders dankenswert ist das wiederholte Auftreten des talentirten Rezilators Juda Ehrenkranz, der zum Liebling des jungjüdischen Publikums beiderlei Geschlechtes geworden ist u. der die vereinlichte Lensililität jüdischen Welt- Schmerzes mit intellektuell plastischer Diction zu vereinen versteht u. auch als Vortragender den Beweis geliefert hat, das er über dem materiell Schaupielerischen hinaus durch Studium u. wissenschaftliche, Schulung sich geistig zu vertiefen versteht. (Über Witz, Humor etc) Ihn eine chassidisehe Legende erzählen je miterleben zu lassen ist ein psychologisch# Genys, den sich selbst einige ßachurim nicht rauben lassen wollten, die imHintergrund versteckt öffentlich sich zu zeigen ist offiziell nieftt gestattet den Wortendes Recitators mit Andacht lauschten Bei dieser Gelegenheit wäre neuerdings wie von uns schon bei früheren Gelegenheiten a. 0. ventilirt wurde) zu erwägen• ob dem imnomenten weltlichem Bildungs streben u. Kuiturhunger auch orthodoxen u. weiblichen Jugend viedet auch von Seiten der umpolitischen konservativ orientirten, religiösen Kreise durch volkstümliche Bildungskurse u. Vorträge (Univerzity Extrusion Jüdische Volkshochschule etc.) Rechnung getragen werden müsste, um zu verhindern, dass wie leider Beispiele zeigen auch aus religiösen Kreisen Einzelne von extremen Richtung u. Weltanschauungen infizirt werden u. die weltliche Kanzel fehlt, um Irrlehren mit den Waffen der Wissenschaft zu bekämpfen. Denn Homiletik allein genügt heute nicht die tugende Jugend zu gewinnen, die politischen Zionsverbände bekämpfen einander u. so wäre eigentlich Wissenschaft u. jüdische Kultur der geigneteste Neutiale Boden, um politisch oder weltanschaulich dirigirende Personen einander wieder näher zu bringen u. so wenigstens vorerst auf kulturellen später auf Gesellschaftlichen Gebiete, jenes Minimum von Einheit unter unseren Volksgenossen in erster Reihe in der Kampflustigen Jugend herzustellen, ohne die, wie Dr. J. Breuer so richtig bemerkte an ein erfolgreiches Aufbauen des jüdischen Volks u. Staatskörpers überhaupt nicht zu denken ist.