Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 5 (3.2.1938)
- Date
- 1938-02-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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5 »Der Jüdische Herold« 5 Eine orthodoxe Delegation beim neuen Handelsminister. Dieser Tage hat sich unter Leitung des Präses der orthodoxen Zentralkanzlei, Herrn Pappenheim, eine Abordnung nach Prag begeben, um bezüglich verschidener Handelsangelegen־ heiten beim neuen Handelsminister Dr. Mlcoch vorstellig zu sein. Die Abord nungen wurde vom Landtagsabgeordneten der Gewerbepartei Herrn L. Mayer begleitet und dem neuen Handelsminis־ ter vorgestelt. Z amischo-Ossor*Uorstellung der Topol* canyer Beth*3akob״SchuIe, Die agile Leitung der Topolcanyer Beth-Jakob-Schule benützt jede Gelegenheit, um der Beth-Jakob־Idee immer weitere Kreise zu gewinnen. So brachte auch die vorwöchige Vorstellung dieser Schule einen großen moralischen und finanziellen Erfolg. Zu diesem bedeutenden Erfolg haben beigetragen die Präsidentin Frau M. Löwbeer, die B.־J.־Lehrerin Frl. B, Mehr und Frl. B. Kaufmann. Unter den Mitwirkenden wäre zu nennen: Frl. M. Braun, B. Bernfeld, M. Friedmann, H. Löwbeer, R. Graus, B. Weiss und N. Spira. ZWEI JUDEN BEI EINEM BOM- BENANSCHLAG LEBENSGEFAERLICH VERLETZT. Jerusalem. Ein jüdisches Lastauto ist auf der Fahrt von Jaffa nach Jerusalem in der Nähe von Giwat Schaul, 3 Kilometer von Jerusalem entfernt, von Terroristen mit Bomben beworfen und beschossen worden. Der Chauffeur des Autos, der 25jährige Mosche Ben Schimon Lulu, und sein Miifahrer, der 24jährige Nissim Duranyi, beide sephardische Juden erlitten schrekliche Verletzungen. Lulu verlor beide Augen, ein Arm wurde ihm weggerissen; Duranyi verlor ein Auge und erlitt schwere Kopfverletzungen. Es ist dies im Verlaufe von 24 Stunden der fünfte Ueberfail auf ein Auto an derselben Stelle. In Ramala ist der einzige jüdische Einwohner der Stadt, der dort seit 30 Jahren sesshaft ist, von Arabern angeschossen und sehr schwer verletzt worden. Ueber das Gebiet zwischen Hule und dem Tiberias־See, mit Ausnahme von Safed, wurde die Polizeistunde (CurfewJ verhängt. Die Strasse Kaikilia-Tulkarem ist nachts für den Verkehr gesperrt worden. An der syrysch-palästinensischen Grenze sind 8 Frauen und 20 Kinder bei dem Versuch, die Grenze ohne Visa zu überschreiten, festgenommen. JERUSALEM. Der 26jährige jüdische Hilfspolizist Jecheszkiel Altmann aus Nachlat Zedek, der unter der Anklage steht, am 27. Dezember einen arabischen Autobus, der sich auf der Fahrt von Jaffa nach Jerusalem befand, beschossen zu haben, wird sich am 2. Februar vor dem Militärgericht in Jerusalem zu verantworten haben. Altmann wanderte 1935 aus Bessarabien in Palästina ein. Frommes kinderlieb. Fräulein mit Koch ־ u. Nähekenntnissen nach BRATISLAVA gesucht. Offerten unter ,Zweimädchen vorhanden“ an die Administration des Blattes MORDECHAI SCHWARTZ DARF AP- PELL1EREN. Jerusalem. Dem vom Kriminalgericht in Haifa wegen Tötung eines arabischen Polizisten zum Tode verurteilten jüdischen Polizisten Mordechai Schwartz ist das Recht zuerkannt worden, gegen über im verhängte Urteil zu appellieren. Schwartz, der 24 Jahre all ist, ist Mitglied des ״Hapoel Hamisrachi“ Er wanderte vor fünf Jahren aus der Öechoslovakei in Palästina ein. Die Säuberungsaktion der britischen Truppen im Bezirk Hebron ist abgeschlossen. Die Truppen durchsuchten die Täler, Hügelabhänge und Felsenhöhlen und beschlagnahmten zahlreiche Waffen und Munition. Im Naschasbibi-Viertel von Jerusalem explodierte eine Bombe; es wurden auch mehrere Schüsse abgegeben. Unter der Bevölkerung verbreitete sich das Gerücht, dass gegen das Haus des Präsidenten der Arabischen Nafionalver. teidigungs-Pariei ein Anschlag verübt worden sei. Dieses Gerücht wurde später offiziell dementiert. IN JERUSALEM EIN ARABER ER- SCHOSSEN. Jerusalem, ln Jerusalem wurde am Donnerstag, 27. Januar, früh ein Araber erschossen. Auf Grund der vermehrten Zwischenfälle während der letzten Tage, besonders auf den Landstrassen Jerusalem-Jaffa und Jerusalem-Hebron, findet zur Zeit eine scharfe Polizei- und Militärkontrolle statt, Kraftwagen und deren Insassen werden nach Waffen und nach Freischär• lern abgesucht. Im Hebron-Bezirk wurden zur Verfolgung und Verhaftung arabischer Akiivisten auch Flugzeuge eingesetzt. Im Gefängnis in Akko traten die arabischen politischen Häftlinge in den Hungerstreik. — 244 — Götter anbeten ausser ih!n.“ »Wie kannst Du Dich,« fragte der Kaiser, ״gegen diesen schwerwiegenden Vorwurf verteidigen, Judäer?“ ״Gestatte mir,“ sprach Rabbi Akiba, dass ich Dir einen Traum erzähle, der mich in voriger Nacht beunruhigt hat. Ein Freund schenkte mir, so kam es mir vor in meinem Traume, einen Hund und eine Hündin, den Hund nannte ich Rufus und die Hündin Rufina.« Tinius Rufus wurde bei diesen Worten des Rabbi dunkelrot vor Zorn, während Hadrian unmässig lachte. »Elender Jude,« rief der Statthalter von Judäa. »Du verdienst Nu Tode gepeitscht zu werden. Selbst in Deinen Träumen zeigt sich Dein böser, aufrührischer Geist. Wie kannst Du Dich erfrechen, meinen Namen und den meiner Gemahlin Deinen Hunden zu geben!“ ״Und das verdriesst Dich so sehr!“ rief Rabbi Akiba. »Ist denn ein so grosser Unterschied zwischen Dir und einem Hunde? Du issest und trinkest, und der Hund issi und rinkt; Du schläfst und der Hund schläft; Du stirbst und der Hund stirbt. Und trotzdem zürnest Du, weil ich in mei nem Traume einen Hund mit Deinem Namen benannt habe! Und der Heilige, gelobt sei Er, der da die Himme! ausgespannt und die Erde gegründet, der Ewiglebende, der Unendliche, sollte nicht zürnen, wenn törichte Menschen Holz und Stein mit seinem Namen benennen?« Auch diesmal blieb Rabbi Akiba der Sieger, und Hadrian stimmte ihm zu. Die Dekrete, welche den Juden befahlen, den Standbildern des Kaisers göttliche Ehre zu erweisen und den Antinousdienst in ihren Städten und Dörfern einzuführen, wurden aufgehoben. Ganz zerknirscht kam Tinius Rufus in seine Wohnung, wo seine Gemahlin Rusina nicht wenig über sein Aussehen erschrak. Sie war eine Römerin von vornehmer Geburt und der schönsten ihre» Geschlechtes, — 241 - unverwüstlich an seinem Körper trage, damit es immerwäh _ rend das Bewußtsein habe, daß der Jude berufen ist, G־tt zu dienen und seinen heiligen Namen zu verkünden. G-ttes heiliges Gebot will nicht die von G-tt in die Menschenbrust gelegten Triebe vernichten; es will sie vielmehr in den Schranken halten, die der Allerheiligste für das Heil und das Glück der Menschen angemeßen erachtet. Das ist der Zweck und das Ziel des Bundes, den G tt mit unseren Voreltern geschloßen, und deßhalb vollziehen wir die Beschneidüng, um selbst das Meisterwerk der Schöpfung, um des Menschen hohe Gaben zu entwickeln und zur Vollendung zu bringen. Du fragst, o Rufus, ob wir das Werk G-ttes verbeßern wollen? Gewiß wollen wir das; aber wir tun es -m Sinne und im Geiste und nach dem Willen des allmächtigen, allweisen G-ttes.“ ״Du hast,“ sagte der Kaiser, »Euren Gebrauch, den mir Tinius Rufus als einen törichten und abergläubischen dargestellt hatte, sehr gut erklärt und verteidigt. Von heute an soll das Verbot der Beschneidung aufgehoben sein.“ ״Ich danke Dir, erhabener Kaiser,“ sagte Rabbi Akiba. ״Füge Deiner Gnade auch nod! die andere hinzu, daß Du uns gestattest, den Sabbat zu heiligen.“ ״Warum,“ fragte Rufus, ״feiert Ihr gerade den siebenten Tag der Woche? Könnt Ihr nicht eben so gut jeden anderen Tag feiern I ״Warum,“ fragte Rabbi Akiba dagegen, »hat der Kaiser den Tinius Rufus zum Statthalter von Palästina eingesetzt? Hätte er nicht ebensogut jeden anderen Mann zum Statthaiter einsetzen können?« ״Mich wollte der Kaiser vor allen anderen Männern ehren.“ ״Und den siebenten Tag der Woche wollte der König aller Könige, gelobt sei Er, vor allen anderen ehren.“ Dr. M. Lehman; »AKIBA« 58.