Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 4 (27.1.1938)
- Date
- 1938-01-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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3 »Der Jüdische Herold« NACHRICHTEN KALENDER. *פרשת משפטים הפט׳ הדבר אשר הי שבת Lichtzünden (in Dun. Streda) 4.30 Schabbos-Ausgang 5.40 פרימת תרומה הפט' וה‘ נתן הכמה שבת Lichtzünden (in Dun. Streda) 4.40 Schabbos-Ausgang 5.50 Oberrabbiner Chaim Zwi Reich דצ״ל Oslany. Wochen hindurch bildete das Krankenlager unseres allgeliebten und all» verehrten Oberrabbiners Ch. Z. Reich den Mittelpunkt unserer Oedanken und wehmustvollen Gefühle. Wochen hindurch lebten wir und mit uns der riesengrosse Kreis seiner Verehrer zwischen Bangen und Hoffen. Wir wollten der Befürchtung, unser geistiger Führer, der unsere Gemeinde nahezu ein halbes Jahrhundert betreute, könnte uns entrissen werden, keinen Raum geben. Am 11 Schewat jedoch trat leider die Katastrophe ein. Der Abstand zu unserem Trauerfall ist noch zu gering, unsere Sinne sind vom Schmerz noch zu benommen, um dem grossen Verblichenen einen ihm würdigen Nachruf widmen zu können. Und ist eine Zeitungsspalte auch viel zu eng, um ein Charakterbild von so grossem Format zu fassen. Es soll hier bloss in wenigen Zügen die Persönlichkeit des unvergesslichen Niftars skizziert werden. Durch seinen grossen Wissendurst, seine phänomale Fassungsgabe und seinen nimmerermüdenden Fleiss, der ihn durchs ganze Leben begleitete, ward er schon in seinen jungen Jahren zum Stolze seines grossen Vaters R. Koppel Reich — Oberrabbiner und Magnatenhausmitglied zu Budapest : - wie auch zur Zierde der weltbekannten Rabbinerdinastie und zur Leuchte der Thoralehrsamkeit. Sein immenses Thorawissen erweckte selbst bei den Geojnim des Auslandes namentlich in Erez Jisroel, wo er vor wenigen Jahren weilte, grosses Aufsehen. Sein staunenerregendes Bekiusz, seine fast unübertreffliche Vertrautheit auf allen Gebieten des Jam Hatalmuds war die Frucht seiner nie erlahmenden Thoraliebe. Nebst grosser Gelehrsamkeit zeichnete ihn Lauterkeit des Charakters, warme Herzensgüte und Vornehmheit der Gesinnung aus. Er ging ganz in seinem Berufe auf. Der Dahingegangene war nicht nur ein zärtlicher Gatte, ein hingebungsvoller Vater, sondern auch ein um das Weh und Wohl seinere Gemeindemitglie* der überaus besorgter Seelenhirt. Die Halvaje, welche am Erew Sabbosz unter Beteiligung sämtlicher Nachbargemeinden stattfand, wird jedem Teilnehmer unvergesslich bleiben. Sie ward zur Manifestation der grossen Liebe, Verehrung und Anhänglichkeit, welche die Oemeindemitglieder, wie auch die Teilnehmer aus nah und fern, dem grossen Verstorbenen zollten. Der Niftar wurde aus dem Trauerhause in die von ihm erbauten Mikwo und von dortins Besz Hakneszes getragen, wo die Trauerreden gehalten wurden. Als erster sprach der einzlge Sohn de# Verblichenen. Als er schlies* send von seinem geliebten Vater, Lehrer und Wegweiser in rührseligen und überaus eindrucksvollen Worten Abschied nahm, blieb kein Auge tränenleer. Hierauf sprach der Bruder des Niftars, Oberrabbiner S. Reich Vrbove. Dieser grosse Meister des Wortes, hat sich mit Rücksicht auf die Sabbatnähe einer besonderen Kürze befleissigt. Nebst inniger Abschiednahme von seinem verewigten Bruder dankte er den Gemeinden Oslany, Novaky für die Liebe und Treue, welche sie nun schon das sechste Jahrzehnt der Familie gegenüber bekundeten. So wirkten dort: der Schwager des Verbiichenen, der rühmlichst bekannte B. J. Lichtenstern, nachmaliger Oberrabbiner von Urmeny, Ihm folgte im Amte der spätere Oberrabbiner von Batorkesy, Verfasser epochenmachender, im Innnd Ausland verbreiteter Chibürim. Und nun hat die Gemeinde in pietätsvoller Anerkennung der Verdienste der Ahnen, den Posten dem einzigen Sohne des Niftors freigestellt. Rühmend hob er die Noblesse, Eleganz und Vornehmheit hervor, mit weleher die Prievidzer Gemeinde dem heimgegangenen Oberrabbiner entgegenkam. So kurz auch die Rede gehalten war, löste sie dennoch eine überwältigende Wirkung aus. Ganz besonders eindruck voll gestalteten sich die Worte des Oberrabbiner Weiss Topolcany, der in meisterhaft gehaltenen Ausführungen die hervorragenden Qualitäten des Niftors als Godojl Batojro plastisch schilderte. Ferner sprachen noch in würdiger Form die Oberrabbiner Leo Fürst Cuz, Vorhand Nitra, Schlesinger Eisenstadt, Reich Zabokreky und schliesslich der Rab. biner der orth. Filialgemelnde Prievidza Jizchok Nagel, der im Oslany-Novaker Rabbinatsbezirke vorläufig die rabbinischen Agenden versieht. Als nach den Hespedim R. Jisroel Dojw Weisz — der während der mehrwöchigen Krankheit seines ge* liebten Rtbben weder bei Tag noch bei Nacht von dessen Krankenlager wich und ihm mit wahrem meszirasz Hanefesch pf egte — das übliche Kel mole Rachamim anstimme, wurde dieser Godojl vekodojsch von der tieftrauerenden Familie und Trauergemeinschaft zur letzten Ruhe gebettet. Möge seine geläuterte Neschomo zur Fürsprecherin unser aller vor G־ttes Throne werden! In diesem Zusammenhänge kann man nicht umhin dem Herrn Kreisarzt Dr. Spira Novaky und Dr. Neumann Prievidza, die den Verstorbenen in selbstlosester Weise und mit Aufgebot ihres ganzen Könnens behandelten, tiefempfundenen Dank zu sagen. Ist es ihnen zufolge g-ttlichen Ratschlusses auch nicht gelungen, dem Heimgegangenen dem Leben zu erhalten, so können sie sich das Verdienst gutbuchen seine Leiden erleichtert und seine Tage verlängert zu haben. Eine erfreuliche Richtigstellung 1 Das ganze slovakische Judentum wurde vergangenen Samstag durch die Hiobspost einer in ungarischer Sprache erscheinenden jüdischen Zeitung ״Zsidö Hirlap“ in tiefe Trauer und Bestürzung versetzt, als es durch sie die Trauerbotschaft vernahm, dass der Oberrabbiner von Erjau עמו־ש nicht mehr unter den Lebenden חרש sich befindet. Heisse und bittere Tränen wurden bereits ob den Gerbist dieses שמעון הצדיק vergossen. Nun sind wir in der überaus glücklichen Lage von kompetentester Stelle beauftragt worden zu sein, diesen total aus der Luft gegriffenen und unverantwortlich leichtfertigen Bericht aufs energischeste zu dementieren. Der Erlauer Oberrabbiner schelita befindet sich G. s. w. wohl und wollen wir hoffen, dass er noch משיח erleben werde. Dieser Fall soll den sensationshaschenden Zeitungen zur Lehre dienen, das ohne dies schon schwergeprüfte jüdische Volk nicht noch durch überflüssige Sensationsberichte das Leben zu vergällen. K0S1CE. Die Jugendlichen 'der konservativen ^co-Fraktion, die allabendlich in Rahmen ihrer ש“ם הברא lernen, haben einen gelungenen סיום veranstaltet, wobei die אוהבי תורה und angesehene תלמידי חכמים theilnahmen. Bei der סעודה של טצוה haben die jügendlichen בחורים in der סוגיא מעשה״ג scharfe פלפולים vorgetragen. Besonders zu verzeichnen ist der gelungene u. scharfsinnige Vortrag des ה“ ב ההריף מ‘ אלחנן נ־׳ Sohn des Dob§icer schlite u. Enkel des seeligen Radomyäler Rabbiners זצ״ל u. auch die anderen zeichneten sich aus mit ihren geistigen Vorträgen. Nach Verrichtung von שירים ותשבחות u. übliche ריקודים hat die gelungene Feier in der späten Nachtstunde geendet. S. B. PRAHA. Den 14• Jan. verstarb hier nach einem längeren Leiden der Sektionsschef des Unterrichtsministeriums Frantisek Mlcoch. Frantisek Mlcoch wurde den 10 Januar 1875 in dem in der Nähe der mährischen Ortschaft Prosnitz gelegenen Urcic geboren. Von der Statthalterei in Prosnitz und Mährisch Budejovitc, wo er durch einige Jahre wirkte, kam er infolge seiner hervorragenden Tätigkeiten nach Wien ins Unterrichtsministerium, wo er leiter der Abteilung für Hochschulwesen wurde. Gleich nach dem Umsturz wurde er als treuer Sohn seines Volkes nach Praha zum Sektionsschef im Unterrichtsminis־ terium berufen. In dieser Eigenschaft hatte er oft Gelegenheit, sich als Freund und Gönner der jüdischen Bevölkerung zu erweisen. Noch während seiner letzten Krankheit wandte er sich an einen jüdischen Freund mit der Bitte, dass er für ihn an Grabe bedeutender jüdischer Grössen beten möge. Bei seinem Dienstag den 18. Januar erfolgten Begräbnis nahmen viele hohe Würdenträger teil. Die orthodoxe Landeskanzlei in der Slovakei war durch ihren Sekretär Herrn Heinrich Schwarz vertreten. POGROMARTIGE EXCESSE IN WIL- NA. Warschau. Grössere Trupps Falangisten zogen spät abends mit dem Rufe : Auch bei uns wird es so kommen wie in Rumänien durch die Strassen von Wilna, überfielen zahlreiche Passanten und schlugen sie blutig. Polizei riegelte den Zugang zum Judenviertel der Stadt ab und verhaftete zehn Excedenten. In Lemberg überfielen antisemitische Studenten vor der Handelshochschule jüdische Hochschüler und schlugen mit Schlagringen auf sie ein. Drei jüdische Hörer Tabak, Minblum und Sussmann wurden in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht,