Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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7 »Der Jüdische Herold« 7 Betrachtungen zum Internatsproblem der Pressburger Jeschivah. Die in Pre§ov erscheinende Zeitung ,Jüdische Nachrichten“ brachte vor Kurzem einen tendeziösen Bericht aus Bratislava, aus welchem die böswillige Absicht und unverkenbäre mala fides in die Augen springend war. Darin wurde den naiven Lesern da3 Märchen aufgetischt, dass dem Internatskuratoriume bereits einige hunderttausend Kronen zur Verfügung stünden und das dem Dozenten und Sekretär im Internate herrliche Wohnungen aufgebaut werden, Dieser anonyme Berichterstatter operiert mit lauter aus der Luft gegriffenen Berichten, da weder die eine noch die andere Tatsache der Wahrheit entspricht. Wie bei jedem monumentalen epochemachendea Werke sucht und findet der Soton seine Helfershelfer, die durch ihr unverfronenes Nörgeln und Schnüffeln eine edle und hochwichtige Institution zum Falle bringen wollen. Aufregpnd und empörend ist der Fakt, dass das Medium ein Pressburger sei, wo doch der Weltruf dieser Gemeinde einzig und allein der glorreichen Vergangenheit und Gegenwart der dortigen Jeschiwah gutzuschreiben ist. Der ehemalige Budapester Oberrabbiner R. Chaim Seufer s. j. 0. ein Pressburger Kind, hat uns über solche Erscheinungen einen überaus treffenden und geistreichen Aufschlus gegeben. Er warf die Frage auf : warum schleudern wir an Heuschano rabo blos die Heuschano zu Boden und nicht auch die anderen Gattungen? Die Antwort darauf ist: weil die anderen Gattungen von dem Auslande importiert werden müssen und der Fremde wird geehrt und respektiert, die Heuschano hingegen wächst im Inlande, wir haben sie immer vor unseren Augen und dieser Umstand bringt eine Geringschätzung ewentuell eine Verunglimpfung mit sich. Das slovakische Judentum bringt materielle Opfer für Jeschiweus, von denen das hierländische Judentum kein unmittelbaren Nutzen zieht, wenn aber die Pressburger Rabbinatshochschule aus deren Reihen noch heute die konservativen Rabbiner unseres Landes Sich rekrutieren im Begriffe ist, eine Akti- 011 zur Befestigung ihrer Position zu unternehmen, da finden sich schädliche Eiemente, die das Heimprodukt unterdrücken wollen und meuchlings in den Rücken fallen. Durch logische Argumente kann einwanderfrei bewiesen werden, welche zwingende Notwendigkeit die Errichtung eines Internates für die Jeschiwah in Pressburg ist. Während die Zöglinge der anderen Jeschiweus in der Regel das 20. Lebensjahr nicht überschritten haben, ist das Verhältnis an der Pressburger Jeschiwah entgegengensetzt. Der überwiegende Teil ist älter als 20 Jahre und vertieft sich in die heilige Lehre bis zu seiner Vervollkommnung und Verheiratung. Die Zöglinge scheiden von dort als geistige Führer oder als Baale Batim, die mit der Teuro innigst verknüpft sind und für die Tradierung unserer heiligen Lehre treue Kämpfer werden. Die Erfahrung lehrt uns, dass 95 Prozent der Talmidim von solchen Eltern stammen, die mit irdischen Glücksgütern nicht bedacht wurden und daher den nervenrau- ]?enden Kampf mif dem Leben allein aue fechten müssen. Der erwachsene Bochü; besitzt schon Ehrgeiz und Selbstbewustsein und ist auserstande, durch B esorgung von Wochengeldern oder ähnlichen BetteL metoden sein Leben zu fristen. Es ist daher die elementarste Pflicht des konservativen Judentumes, diesen Zöglingen unter die Arme zu greifen . und dafür Sorge zu tragen, dass diese befreit von den drückenden Sorgen, ihre hehre und heilbringende Mission erfüllen sollen können. Ein anhänglicher Talmid. Jüdische Kranke werden betreut. Bus dem Arbeitsbereich des Kranken* fürsorge uereines ״ITlarpe Iianef e s ch" in Bratislava. Das Judentum ist eine Lehre der Tat. Es verlangt überall eine aktive, nicht nur eine passive Moral. In diesem Sinn bewegen sich die Verpflichtungen, die wir den Kranken gegenüber zu erfüllen haben. Die Krankenfürsorge gehört zu den heiligen Pflichten, die uns gestellt sind. ״Der Weg, den ein Jude zu gehen hat, ist der Weg der Krankenpflege“ — lautet ein talmudlscher Ausspruch in Nedarim 39b. - ״Krankenpflege muß unbegrenzt geübt werden“, heißt es dort weiter, und ״wer einen Kranken pflegt, trägt dazu bei, daß er gesunde, wer ihn aber nicht pflegt, hat seinen Tod mit verschuldet“. ״Heil dem, der sich des Armen annimmt“, sagt der Psaimist, ״merklich arm ist aber nur der Kranke, der ja nichts erwerben kann“, belehrf und ermahnt uns der Talmud weiter an dieser Stelle. Die hiesige jüdische Gemeinschaft daif für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, zu allen Zeiten die armen Kranken unter ihren Schutz genommen zu haben. Sie darf von sich sagen, daß sie niemals verges en hat, den armen Kranken die schuldige Fürsorge angedeihen zu lassen. So besteht hier neben dem jüdischen Krankenhaus der Verein ״Marpe Lenefesch“, dem seit mehr als siebzig Jahren die Aufgabe obliegt, die armen Kranken, die außerhalb des jüdischen Spitales untergebracht sind, zu betreuen. Um den aufstrebenden Verein bemühen sich mit seltener Himgebung die Herren Sigmund Rosenbaum, Samu Reichner, Ludwig Kohn» Aron Goldstein, Dr. K. Rosenbaum, Dr. M. Fleischhacker, Jakob Duschnitz, Fritz Lipkowitz, Heinrich Kästner und andere, deren aufopfernde Tätigkeit vol e Anerkennung verdient. — Was dieser segensreiche Verein, der jährlieh über ein Budget von mehr als eine viertel Million Kc verfügt, leistet, kann nur der ermessen, der diesen Verein bei seiner aufopfernden Tätigkeit beobachtet. So mancher dürfte erstaunt sein über die Fülle der Aufgaben, die an diesen Verein herantreten. Der Verein hat z. B, in den vergangenen Jahren im Durchschnitt fast 1200 Kranke bis etwa 25.000 Verpflegtagen im Jahre rituell verköstigt, daneben werden die Kranken, die außerhalb Bratislavas wohnen, nach ihrer Entlassung bis zur Heimreise betreut, arme Wöcherinnen werden bis zu ihrer vollkommenen Genesung fünfmal täglich verpflegt und mit der ersten Babyausstattung versorgt, usw. usw. Also ein recht reiches und äußerst wohltätiges Arbeistgebiet. Das alles wird ohne viel Lärm und Aufsehen in enger Fühlungsnahme mit der Leitung der Staatsspitäler geleistet. Die armen Kranken fühlen sich solcherweise in guten Händen, was allein schon eine seelische Aufrichtung, die unerläßliche Vorbedingung einer gesundheitlichen Aufrichtung, bedeutet. Dieser Verein geht nun daran ein eigenes Heim, gegenüber dem Staatskrankenhaus, zu erbauen, in welchem nebst der rituellen Küche ein Wöchnerinnen- und Genesungsheim untergebracht werden soll. Allein das Massenelend unserer Zeit, das eine Erhöhung der Krankenziffern im Gefolge hat, fordert gebieterisch die Errichtung dieser Anstalt. In den Vorkriegsjahren konnte ein schwerkranker Jude in der Slowakei in 3 bis 4 Schnellzugsstunden Spitäler in Budapest oder Wien aufsuchen, was heute keinesfalls mehr zutrifft. Die Judenschaft der Slowakei ist heute auf die Spitäler in Bratislava angewiesen, die ja auf der Höhe der heutigen Wissenschaft stehen und den modernsten Anforderungen entsprechen. Es handelt sich also hier um ein soziales Rettungswerk, das die Judenheit der ganzen Slowakei angeht. Von den 1200 Kranken, die der Verein im vorigen Jahre unterstützte und unter seine Obhut nahm, waren ungefähr 800 Juden aus etwa 250 Ortschaften der Slowakei. Die Schaffung und Erhaltung dieser Institution obliegt somit der slowakischen Gesamtjudenheit ohne Unterschied der Parteirichtung. Innere und äußere Not, Verantwortungsgefühl und Pfiichtbewußtsein gegenüber den Armen und Elenden, jüdische Religiosität und menschliche Ethik gebietet uns, unsere ganze Kraft auf die Fertigsteilung dieses bereits begonnenen Werkes zu konzentrieren, Hier dürfen keine Rivalitäten und keine Gegensätzlichkeiten herrschen. Die bisher aufgebrachten Baukosten — es werden im ganzen noch etwa 500.000 Kc benötigt — stehen in gar keinem Verhältnis zu den finanziehen Fähigkeiten und Möglichkeiten der slowakischen Judenheit. Es ist ein G bot der Stunde und es entspricht dem jüdisehen Geist und dem sozialen Sinn unserer Zeit alle unsere Kräfte zusammenzufassen, um diese Krankenfürsorgeanstalt, dieses Wöchnerinnen- und Genesungsheim im Jubiläumsjahr des tsechoslowakischen Staates zu vollenden. Es ist Pflicht aller Gemeinden und Wohlfahrtvereine sich an dem Bau zu beteiligen. Schaffen wir in einer Zeit der Resignation und der Selbst* sucht e n stolzes Denkmal der ethischen Menschenliebe und der jüdischen Wohltätigkeit. Dem Wohlwollen, das sich in jedem jüdischen Herzen dem Kranken gegenüber zweifellos regt, muß mehr Wohltun folgen. Und man bedenke : ״Jeder Mensch macht sein Leben um soviel Freude ärmer, als er andere Menschen Freude zu machen unterläßt 1“ STAMPIGLIEN SIEGEL MARKEN, EP SCHABLONEN, DRUCKAPPARATE FÜR SCHAUFENSTER -tn Billige Preise. יא PROMPTE LIEFERUNG! C Josef W eiss J Bratislava Laurinska 16־Ditina Duaajska 86