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Der jüdische Herold · 1938-01-13 · 2 (13.1.1938) · p. Seite 6

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
14 (1938)
Issue
2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German, Hungarian
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6 >Der Jüdische Herold 6 Eine Jubiläumsstiftung 2um 20jährigen Bestände unserer Republik. In seiner schönen Neujahrsbotschaft sagte der Präsident der Republik Dr. Benes, daß wir das Jubiläum des 20jährigen Bestandes unserer Republik, in diesem Jahre begehen, das wir im Zeichen der Nächstenliebe, mit einer Tat, die aus dem allgemeinen menschlich großen, reinen und guten Willen entspringt, feiern sollen. Im Sinne dieses Mahnrufes des Präsidenten der Republik an das soziale Pflichtbewußtsein will auch der Krankenfürsorge Verein ״M arpe Lanefesch“ handeln und im Jubiläumsjahr der Republik ein eigenes Heim erbauen, das als WÖCHNERINNEN- UND GENESUNGS- HEIM, als ein Denkmal der Nächstenliebe, unser Beitrag zum Aufbau des Staates in diesem Jahre bilden soll. Wenn wir angesichts der Not des Tages im allgemeinen alle unsere Kräfte zur praktische Hilfeleistung einsetzen müssen, so werden wir dies sicherlich um so freudiger tun, wenn dies im Interesse armer hilfloser kranker Menschen und in Erinnerung an eine glorreiche Zeit geschieht. Solches Empfinden entspricht durchaus der Auffassung des Judentums und dem Geiste unserer Republik, die die Humanität als große Lebens- und Erziehungsnorm ihres Altpräsidenten Masaryk auf ihr Banner geschrieben hat. Wer einen Einblick in die Aufgaben hat, die dem Krankenfürsorgeverein ״Marpe Lanefesch“ erwachsen, der wird erkennen, daß jede Gelegenkeit und jede Möglichkeit wahrgenommen werden müsse! um Mittel für diese besonders wichtige humanitäre Institution zu beschaffen und den Neubau zu ermöglichen. Wenn wir hören, daß der Verein mit einem Jahresbudget von fast 300.000 Kc, im Jahre durchschnittlich 1200 arme, hilfsbedürftige jüdische Kranke aus allen Teilen der Republik an etwa 25,000 Tagen verpflegt und betreut, außerdem arme jüdische Wöchnerinnen bis zu ihrer vollkommenen Genesung verköstigt und mit der ersten Babyausstattung versorgt, werden wir auch begreifen, daß diese umgeheure Leistung jeden zur Pflichterfüllung gegenüber dieser unglücklichen Menschen anspornen müsse. Wer heute noch mit Stolz oder mit Freude auf seine Existenz und sein Schaffen sehen darf, der mag nicht vergessen, daß er alles, was er hat, einer höheren Macht verdankt. Hierfür soll er Dank abtragen, indem er eine religiöse und menschlich schöne Pflicht erfüllt und dadurch Zedaka übt. Gehört doch die Fürsorge für hilflose arme Kranke zu den hehrsten und heiligen Begriffen der jüdisehen Wohltätigkeit! Helfen auch Sie uns, die Not unglücklicher Menschen zu lindern. Überweisen Sie uns Ihren Beitrag als JUBILAEUM 1SPENDE ZUM 20JAEHRIGEN BESTÄNDE DER REPUBLIK. Spenden sind zu richten an die Jüdische Kreditgenossenschaft in Bratislava, Postscheckkonto: Prag 46.746. Jüdischer Krankenlürsorgeuerein ״Marpe Lanefesch“. וראן דיא יודישע רעגירונג אפערט פערלאנגעןריירד אויף 1000 0! טל־־יתים זאלל קי־ן איינציגפר טלית פאבדק אפערירען דא דיא ערשטט אפערט פא .צמר־ ווירד בפשטימט בפשטעטיגט" דפן אללע יודען דער גאגצטר וועלט ורסס פן שרן, דאס דיא פיינסטפן אוכד שעגסטע טליתים ליעסערט אם ביליגסטען דיא גרעססטע טלית סאבריק .צ ט ר* אין ק^שיצע TALESFABRIK ״CEMER“ GEBRÜDER Z S U P N I K, KO$ICE דארט זעלבסט פרהעלטליך אללער סארטפן ספר״ס פאן אלף בית ביז א ש״ס תפילין, מזוזות אונד אללפס וואס גפהערט צו ספרים בראנזש צו דיא ביליגסטע ענגרוי פרייזם. Langjähriger, relig. Bürobeamfer, 27 3, aus gut jüdischer Familie sucht EHEBEKANNTSCHAFT aus gleicher Familie, die ihm Selbstständigkeit ermöglicht. Sub Schifre ״Branche kundig“ 2—2 a• d- Adm. d. Blattes. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur LEOPOLD QOLDSTEIN GEDRUCKT bei Leopold Goldstein DUNAJSKÄ STREDA. Postschekkonto Nummer 56.255 in Prag" - 230 - — 231 - Ernüchterung, die stets nach neuen Reizmitteln begehrt, Ueberdruß und Ekel erfaßten des Jünglings Herz. Er besaß alles, was ein Mensch nur begehren konnte; seine Wünsche wurden befriedigt, sobald sie nur ausgesprochen waren. Und doch gab es Eines, was er im Innersten seiner Seele verabscheute, und wovon es keine Befreiung gab : das widernatürliche Laster, zu welchem ihn der Kaiser mißbrauchte. Hadrians scharfem Blicke entgingen die Gefühle seines Günstlings nicht; er suchte ihn in anderer Weise aufzustacheln und an sich zu fesseln. Einst fragte er ihn : ״Bist Du ehrgeizig, mein Geliebter?“ ״Nein, Herr,“ antwortete Antinous. »Von wem hört sich wohl Jeder besonders gern Vater rufen?« »Von Einem, den er recht lieb hat.« ״Ganz recht und besonders, wenn dieser Eine mit der festesten Treue an ihm hängt. Ich bin ein Mensch, wie die anderen, und Du, mein Liebling, stehst nun einmal meinem Herzen am nächsten, und ich werde den Tag segnen, an dem ich Dir vor aller Welt gestatten darf, mich ״Vater“ zu nennen. Unterbrich mich nicht. Wenn Du Deinen Willen kräftig zusammennimmst, wachen Sinnes, wie auf der Jagd, in das Treiben der Menschen die Dich umgeben, hineinschaust, wenn Du deinen Geist zu schärfen versuchst und auffassest, was ich Dich lehre, so kann es geschehen, daß einst Antinous den kaiserlichen Purpur tragen wird an mei* ner Stelle.“ Der Günstling war von diesen Worten des Kaisers ganz betäubt. Sein Herz schlug nicht höher bei der glänzenden Aussicht, die ihm geboten wurde. Er begnügte sich zu sagen : ״Mögen die Götter Dir langes Leben bescheiden, 9 Cä9ar, und möge die Parze erst dann Dir den Faden zerschneiden, wenn die Urne schon ,längst die Asche des Antinous in sich aufgenommen.« ״Ich bin ein Mensch, wie die anderen,“ antwortete der Kaiser, ״und es ist der Lauf der Natur, daß der Aeltere dem Jüngeren im Tode vorangeht. Noch in meiner Sterbestunde würde mich das Bewußtsein beglücken, daß Derjenige, welchen ich am meisten liebe, der Erbe meiner Macht, meiner Ehren und meiner Reichtümer sein wird.« XXXIX. Antinous hatte sich vom Kaiser die Erlaubnis erbeten, das Innere des Landes kennen zu lernen. Der Prätor Verus und zahlreiche Diener und Sklaven begleiteten ihn; unter den Letzteren befand sich auch Mastor, der treueste Sklave des Kaisers, der sonst dazu bestimmt war, Hadrians eigene Person zu behüten, wozu ihn eine herkulische Körperkraft ganz besonders befähigte. Ihm vor Allen hatte der Kaiser aufgetragen, über die Sicherheit seines Lieblings zu wachen. Das Ziel der Reise war die am Nil gelegene Stadt Besä. Während Antinous und Verus an der Spitze des Zuges auf ihren Maultieren dahinritten, sagte der Bithynier; ״Mein Verus, willst Du wohl die Güte haben, mich zu belehren? Ich bin ein unwissender Jüngling, in kleinen und geringen Verhältnissen aufgewachsen. Vieles ist mir unklar und dunkel.“ ״Sprich!“ antwortete der Prätor, ״ich stehe Dir gern mit meinem geringen Wissen zu Diensten.« ״Du sagtest unlängst, daß es meine Pflicht sei, dem Kaiser ein heiteres Antlitz zu zeigen, um ihm die schweren Lasten und Sorgen der Regierung zu erleichtern. Ist es denn so schwer, Kaiser zu sein?“ Verus sah den Fragenden mit einem durchdringenden Blicke an. ״Ist e9 das,« fragte er, »worüber Du meine Belehrung

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