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Der jüdische Herold · 1938-01-13 · 2 (13.1.1938) · p. Seite 4

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
14 (1938)
Issue
2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Hungarian
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4 »Der Tiid soll■1 Herold« 4 DIE LAGE IN ERNEUTES GEFECHT MIT TER- ROR1STENBANDE IN NORDPALAES- TINA. Jerusalem. In Nordpalästina ist es neuerdings zu einem Gefecht mit einer 50 köpfigen Terroredenbande gekommen, in dessen Verlauf drei Terroristen getötet wurden. Infolge der Zwangseinziehung einer Kollektivstrafe in Hebron ist die Bevölkerung in den Streik getreten. Die Bewohner sind zum Teil aus der Stadt gezogen. Die Telefonleitung zwisehen Hebron und Beer Scheba wurde durchschnitten. In Haifa und auf den Strassen Jerusalem Hebron und Jerusalern Jaffa wurden mehrfach Autobuse beschossen. Einige Juden wurden verletzt. Bei Afuleh wurde eine Draisine durch einen auf die Schienen gelegten einsernen Hemmschuh zum entgleisen gebracht. Der Anschlag galt dem später vorbeifahrenden Personenzug, der aber nicht beschädigt wurde, ln der Nähe der Unfallstelle wurde auch eine Landmine entdeckt. Die Jüdischen Toten : Jakob Klinger und Chaim David Katz. Jerusalem. Wie gemeldet, sind in Palästina wieder zwei Juden getötet und mehrere verletzt worden. Hierzu wird noch bekannt: Ein Autobus der ״Egged“ Gesell־ sehaft wurde auf der Fahrt von Tel Aviv nach Jerusalem bei Bab al Wad beschossen. Dabei wurden der jüdische Polizist Jakob Klinger schwer, ein jüdischer Passagier leichter verletzt der Vergaser des Autobuses wurde zerstört. Im Augenblick, da der Autobus hielt, spran־ gen die angreifenden Araber hinzu, wurden aber von einem jüdischen Fahrgast, der den Revolver des verwundeten jüdischen Polizisten an sich riss und auf die Angreifer feuerte, vertrieben. Die Stelle, wo der Ueberfall erfolgte, war während der Unruhen 1935 wiederholt der Schauplatz blutiger Ueberfälle. Beide Verletzten wurden mit einem Mietauto in ein Tel Aviver Krankenhaus gebracht, wo Klinger bald darauf seinen Verletzungen erlag. Er war 35 Jahre alt, verheiratet und seit 13 Jah״ ren bei der Tel Aviver Polizei angestellt. Der zweite Tote ist der 29jährige Chaim David Katz. Er wurde, als er im Steinbruch von Giwat Schaul arbeitete, von einem Araber, der auf einen Teleg״ raphenmast geklommen war, durch Schüsse schwer verletzt und erlag bald da״ rauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Katz, der Mitglied der Poale Agudah war, war vor zwei Jahren aus Ungarn in Palästina eingewandert. In der Nähe der Jerusalemer Vorstadt Beth Hakerem wurde ein aus Bejt we Gan kommender Autobus beschossen. Drei jüdische Passagiere wurden verletzt. Die Kolonie Giwat Schaul ist heftig beschossen worden. Im dicht besiedelten jüdischen Stadtviertel Ruchama, im Herzen Jerusalems, explodierte eine Bombe. Per arabische Hilfspolizist Wafik P AL AESTINA. Hussein, der auf dem Militärflugplatz in Ramleh Wache stand, wurde von arabischen Terroristen durch Schüsse getötet. Zwischen syrischen Grenzpolizisten und einer bewaffneten Bande, die über die Grenze in Palästina einzudringen versuchte, kam es zu einem Gefecht. Zwei Araber wurden verwundet, die übrigen in die Flucht geschlagen. Der wegen unerlaubten Waffenbesitzes zum Tode verurteilte rvraber Fadul Suleiman Mo hamed ist im Gefängnishof von Akko hingerichtet worden. Zum erstenmal Süden vor dem IHilli־ färgericht. Jerusalem. Zum erstenmal wer* den sich zwei Juden, Abraham Aziz Jacob und Eliahu Brunn, wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor den Militärgericht in Jerusalem zu verantworten haben. Vor sechs Wochen hatte sich, als Brunn seinen Revolver reinigte, dieser durch einen unglücklichen Zufall selbst entladen und eine Kugel war Jacob in den Leib gedrungen. Jacob war in schwerverletzten Zustand in das Hadassa-Krankenhaus gebracht worden, wo er sich noch heute befindet. Die zwei wegen Ermordung des jüdischen Chauffeurs Mendel Minz von Kriminalge־ richtshof zum Tode durch den Strang verurteilten Araber sind hingerichtet worden. Gegen Waffenschmuggel aus Syrien nach Palästina. Damaskus. D r englische Generalkonsul in Damaskus halte mit dem syrischen Ministerpräsidenten Djamil Mardam eine längere Aussprache über Palästinaangelegenheiten. Der Konsul ersuchte den Premier insbesondere, Masnahmen gegen den Waffenschmuggel nach Paläs־ hna und gegen die Versuche bewaffneter Banden, aus Syrien nach Palästina zu ge־ langen, um die arabischen Terroristen zu unterstützen, zu ergreifen. PRAG. Das Organ der Sudetendeutsehen Partei Konrad Henleins ״Die Zeit“ meldet aus Pressburg: In Pressburg sind in den lezten Tagen einige gutsituierte Ju• den aus Czernowitz angekommen, die hier bei ihren Glaubensgenossen gut aufgenommen wurden und sich umsehen, ob nicht weitere Juden aus Rumänien hier Platz hätten. In Pressburg ist man von der Ostjudeninvasion nicht sehr entzückt, zumal man bittere Erfahrungen bereits mit der reichsdeutschen Emigration gemacht hat. Weiters geht aus den jüdischen Erklärungen hervor, dass etwa 300.000 Juden aus Rumänien auswandern werden Palästina stehe aber nur den bemittelten Juden offen. Auch in einigen Gegenden der Ostslovakei und in Karpathorussland sind bereits die ersten rumänischen Flüchtlinge aufgetaucht. Sie fanden bei ihren Glaubensgenossen Zuflucht. mehrere Süden im Kon2entrafionslager Dachau Ermordet. Prag. Das Hauptorgan der Deutschen Sozialdemokratie in der Öechoslovakei, ״Sozialdemokrat“, entnimmt einer Münchener Korrespondenz die folgenden Tatsachen: Die Misshandlungen und Folterungen der im Konzentrations־ Jäger Dachau eingekerkerten jüdischen Höft• linge werden in der letzten Zeit zu einem regelrechten Massenmordsystem ausgebaut. So wurde der inhaftierte Edgar Löwenstein ununterbrochen schikaniert und geschla־ gen, weil er körperlich nicht in der Lage war, das von ihn geforderte Arbeitspen־ sum zu erfüllen. Schliesslich warf die SS-Mannschaft ihn in einen See. Als Lö־ wenstein sich herausgearbeitet hatte, ging er in die Baracke und erhängte sich. Ein anderer jüdischer Häftling namens Löwenberg, wurde bei der Arbeit so lange und heftig geschlagen, bis auch er Selbst־ mord beging. Der Jude Lewy wurde er־ schossen, weil er beim Sprechen mit einem Posten nicht die vorgeschriebenen sechs Meter Abstand hielt. Ein anderer Häftling betrat nach Aufforderung eines Postens, der hinter dem Stacheldrat auserhalb des Lagers stand, die sogenannte neutrale Zone, einen Grasstreifen, der rund um das Gefangenenlager geht. Kaum hatte er diesen Grasstreifen betreten, als eine Salve ihn tot niederstreckte. Ein im Som* mer dieses Jahres nach Dachau unter den Verdacht der Rassenschande gebrachter Jude war so krank, das er nicht gehen kon־ te, weil er in der vorhergehenden Polizeihaft zerschlagen worden war. Er musste mittags und abends von den Mithäftlingen zum Appellplaiz gefahren werden. Nach acht Tagen starb er. Ein anderer Jude musste unmittelbar nach seiner Einliferung im Laufschritt einen Schubkarren fahren. Diese sinnlose Strafe wurde so lange ausgedehnt, bis er von einem Herzschlag ge־ troffen, tot zusammensank. WIEN. In Oesterreich ist soeben eine neue Aerzteordnung erlassen worden, der gemäss sich sämtliche in Oesterreich praktizierenden Aerzte in der Zeit von 1. Mai bis 11, Juni 1938 bei ihren zuständi־ gen Aerztekammern persönlich oder schriftlieh anzumelden haben. Begründet wird dies damit, dass die Berechtigung zur Aus* Übung der Praxis in vielen Fällen erlosehen ist. Eine andere Bestimmung der Aerzteodrnung sieht vor, dass nur solche Aerzte in Oesterreich praktizieren dürfen, deren Maturitätszeugnis von einem Gymnasium im Bundesgebiet oder im früheren Oesterreich erworben wurde, bzw. deren ausländische Zeugnisse noch nostrifiziert wurden. In den jüdischen Kreisen befürchtet man, dass als Folge dieser Nachprüfung insbesondere aus Polen stammenden jüdischen Aerzten die Ausübung ihres Berufes in Oesterreich unmöglich gemacht werden wird. BUKAREST. Das Organ der Libera־ len ״Viitorul“ macht in einer Notiz den Innerminister darauf aufmerksam, das in den Strassen von Bukarest zweifelhafte Personen den Passanten Hakenkreuze gegen Bezahlung aufdrängen. Seitens des Ministerratspräsidiums wird nun mitgeteiltf dass der Verkauf von Hakenkreuzen au, den Slrassen verboten wurde. Der ״Cu־ rentul“, obwohl antisemitisch, führt darüber Klage, dass gewisse Personen in den Strassen und Wohnungen Bilder und Broschüren unter der Drohung des ״Tages, der kommen wird“ zum Kauf anbieten. Man versteht zwischen den Zeilen, das die Objekte dieser Erpressung Juden sind. Das Blatt fordert drastische Massnahmen gegen diese Aktion, ״an welcher offenbar Provo־ kateure beteiligt seien und die eine der öffentlichen Ruhe abträgliche Atmosphäre schaffen solle“.

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