Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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2 »Der Jüdische Herold« 2 Politik werde sich auf der Grundlage der ״Wahrung der Rechte der Rumänen im rumänischen Staate“ vollziehen. Das Regierungsblatt ״Tzara Noastra“ Organ der National-Christlichen Partei, teilt mit, dass das Arbeitsministerium, welches von Georghe Cuza geleitet wird, die Verfügung, wonach den Juden untersagt wird, weibliche christliche Bedienste unter 40 Jahren zu beschäftigen, offiziell damit begründet, dass Juden Rumenerinen als Dienstmädchen angeworben hätten, um Mädchenhandel zu treiben. Ein hoher Funktionär der Regierung teilte in einer durch alle rumänischen Sender verbreiteten Rundfunksprache mit, die Regierung sei gesonnen, die Verfassung gegenüber Allen strikte zu respektieren. In politischen und diplomatichen Kreisen wird diese Erklärung dahin gedeutet, dass die Regierung Goga in der Verwirklichung ihres antisemitischen Programms nur vorsichtig und etappenweise vorgehen wolle. Türkische Fresse verlangt Südengesefzgebung nach dem Beispiel Rumäniens. Istambul. Die türkischen Presse beschäftigt sich eingehend mit dem Juden* feindlichen Massnahmen der neuen rumänischen Regieiung Goga. Sie verlangt, dass ein Gesetzentwurf, der im November dem türkischen Parlament zuging und die Ausweisung unerwünschter Juden und die Vertreibung aller aus dem Ausland kommenden Juden vorsieht, dringlich beraten werden, um ״mögliche Komplikationen“ zu vermeiden. Die Grenzkontrolle in der Cechoslo• vakei gegen Einwanderung aus Ru« mänien. Prag. ״Prager Tagblatt“ erfährt, dass zwischen dem Innenministerium und dem Aussenministerium der CSS. Beratungen gepflogen werden, die eine verschärfte Kontrolle der öechoslovakisch-rumänischen Grenze bezwecken. Es herrscht die Ansicht vor, dass die Cechoslovakei nicht in der Lage sei, eine numerisch starke Ein- Wanderung zu ertragen. Zwischen der CSR. und Rumänien besteht kein Visumszwang. Der Hauptorgan der Agrarier ״Venkov“ begrüsst die amtliche Mitteilung betreffend strenge Massnahmen zur Verhinderung eines plötzlichen Zustrom von Ausländern in die Cechoslovakei und führt aus : Wir müssen den Arbeitsmarkt für unsere Angehörigen schützen. Es liegt auch im Interesse jener Juden, die in unserem Milieu geboren wurden und jahrhundertlang gelebt haben, sich gegen den Zufluss von Emigranten aus dem Auslande zu schützen und nicht durch ihre ständigen verwandschaftlichen Beziehungen irgendeinen Zustrom von Emigranten zu ermögliehen. Wenn in der Cechoslovakei die Gefahr des Antisemitismus nicht drohe, so bedeute dies nicht, dass keine Vorbereitungen gemacht werden sollten, um ihn nicht auch in der Zukunft zu verhindern. ״Ceskä Slovo“ schreibt: Wir haben den Emigranten ein Asyl gewährt, so lange wir dies tun konnten. Einer weiteren Erhöhung der Einwanderung müssen wir jedoch Vorbeugen, da unser Arbeitsmarkt deutlich dagegen spricht. Auch viel grössere Staaten als wir es sind, deren wirtschaftliche Situation besser ist, z. B. Frankreich, wehren sich gegen ein Wachsen der Einwanderung. ־׳"" In dem verliegenden Fall muss auch in Erwägung gezogen werden, dass wir aus Gründen der internationalen Politik Flüchtlingen kein Asyl gewähren können, die unseren guten Beziehungen zu Rumänien schaden könnten, da es ja zweifeilos ist, dass die Emigranten eine gegen die jetztige rumänische Regierung gerichtete Tätigkeit zu entfalten bemüht wären. Es ist ganz in der Ordnung, wenn die Behörden darauf achten, dass der Zuström von Emigranten zu uns nicht erleichtert, sondern im Gegenteil erschwert wird.“ Debatte über die rumänische Judenfra« ge im französischen Parlament steht bevor. Paris. Aus zuverlässiger Quelle wird der JTA mitgeteilt, dass bereits in den nächsten Tagen in scharfen Tönen gehaltene Interpellationen im französischen Parlament in der Angelegenheit der von Entrechtung und Ausweisung bedrohten Angehörigen der nationalen und religiösen Minderheiten in Rumänien werden eingebracht werden. £kk Ein Schnupfen dauert 9 Tage, sagt man. Welch eine unangenehme Zeit! Sie sind missmutig und verdrossen. Ihre Tagesarbeit leidet un* ter Ihrer körperlichen Indisposition. Deshalb empfinden Sie die Nachteile dieser Erkrankung noch viel länger, auch dann, wenn Sie keine schlimmeren Folgen hatte. Setzen Sie sich solchen Unannehmlichkeiten nicht aus Für ihre Gesundheit ist Abhärtung geboten durch regelmässige Körpermassage mit A L P A Franzbranntwein. Achten Sie beim Einkäufe darauf, dass Sie wirklich Alpa bekommen 1 י Der Schtag gegen die jüdische Presse und die jüdischen Journalisten. Cernauti. Unbeschadet des Versprechens des Ministerpräsidenten Goga an den Präsidenten der Jüdischen Reichspartei )r. Theodor Fischtr und den Vizepräsidenten Dr. Singer, dass rein jüdische Zeitungen nicht verboten werden würden, wurden in Cernauti die in jüdischer Sprache erscheinenden ״Czernowitzer Bieter“, ״Dos jidische Wort“ und ״Aufbau“, sowie das hebräische ״Darkenu“ unter 14 andefen von Juden gelesenen Zeitungen verboten. Man Schätzt, dass bisher mehr als 200 an rumänischen Zeitungen arbeitende jüdische Journalisten aus ihren Posten entfernt werden sind. Um die Schank« und Tabak«Verkaufs> Lizenzen in Bessarablen. Chisinau. Die Behörden in Bessarabien haben aus Bukarest instruktionen erhalten, eine Liste der Jüdischen Inhaber von Schank- und Tabak- Verkaufs- Lizenzen zusammenzustellen; auf Grund dieser Liste soll die Wegnahme der Lizenzen von den Jüdischen Inhabern erfolgen. Auch die jüdischen Zeitungsverkäuver kommen in die Listen. Bukarest. Ueber den Verlauf der Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten Rumäniens Octavian Goga und den Mitgliedern des Präsidiums der Jüdischen Reichspartei am Dienstag, 4. Januar, erfährt die Jüdische Telegraphen Agentur noch folgende Einzelheiten : Der Ministerpräsident Goga begrüsste den Präsidenten der Jüdischen Reichspartei Dr. Theodor Fischer und den Vizepräsidenten Dr, Samuel Singer in herzlicher Weise und unterhielt sich mit ihnen längere Zeit über die Situation der Juden unter der neuen Regierung. Goga versicherte den beiden Herren, dass überall im Lande vollkommene Ruhe und Ordnung herrsche, und fügte hinzu, die Regierung werde Ausschreitungen und Uebergriffe gegen die Juden in keiner Weise dulden. Er ersuchte die Mitglieder der Abordnung, ihrerseits der jüdischen Bevölkerung zu versichern, dass die Lage volkommen ruhig sei und dass keine Ursache zu irgendwelchen Besorgnissen bestünde. Weiter erklärte der Ministerpräsident, die Massnahmen, die die Regierung gegen gewisse Zeitungen ergriffen habe, betreffen nicht jene Zeitungen, die sich nur mit jüdischen Angelegenheiten befassen; solche Publikationen werden auch weiterhin erscheinen dürfen. Ministerpräsident Goga erklärte im Verlauf der Aussprache, ihm sei nichts davon bekannt, dass ein Gesetz erlassen worden sei, welches den Juden verbietet, weibliches christliches Hauspersonal unter 40 Jahren zu beschäftigen; ein solches Gesetz würde vor seinem In־ kraftreten der Genehmigung seitens des gesamten Ministerrates bedürfen. Wie es heisst, haben Mitglieder der jüdischen Abordnung die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten darauf gelenkt, dass aus Bacau und aus anderen Zentren Meldungen über anlijüdische Unruhen eingelaufen seien. Der Ministerpräsident habe darauf erwidert, dass ihm über solche Unruhen gar keine Mitteilung gemacht worden sei. Gemäs den am 5. Januar in Bukarest vorgelegenen Meldungen handelte es sich bei den Unruhen in Bacau um verhältnismässig kleine Zwischenfälle in den Strassen. Zum Schluss der Unterredung teilte Ministerpräsident Goga der jüdischen Abordnung mit, dass sie in Zukunft alle die jüdische Minderheit betreffenden Fragen mit Staatsminister Professor Silvio Dragomir, dem das Minderheitenressort zugewiesen ist, zu erörtern haben werde. Sowohl beim Empfang als auch beim Abschied reichte der Ministerpräsident Goga den beiden Herren die Hand. Verband rumänischer Juden in Hmerika telegrafiert an König Earol. New York. Der Verband rumänischer Juden in Amerika sandte an König Carol ein Telegramm, in welchem der König gebeten wii d, den Juden in seinem Reich Schutz angedeihen zu lassen. Der Verband hat für den 16. Januar eine ausserordentliche Konferenz einberufen, auf der die gegenwärtige Lage der Juden in Rumä* nien behandelt werden 801h