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Der jüdische Herold · 1938-01-13 · 2 (13.1.1938) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
14 (1938)
Issue
2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Hungarian
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°°ce Z1Q0]/ unABHflnoiues orthodoxes orgad Mit der Übernahm« von 3 Blätter ist das Abonnement anerkannt. ■■. m-■ Orio tS479 M, K Podavaci poSt ürad D« Strtda. «OB REDAKTION und ADMINISTRATION dunajskA streda TELEFON 74. ERSCHEINT JEDEN DONNERSTAG. ABONNEMSNTSPREISE: Inland Ausland Ganz|Xhrlg Kt. 50.— 70.— Halbl&hrlg 35 —.25 ״.— VlartaUXhrlg 1 -•13 ״«.— י ***'«*<״«■»£ ז1י wt•״*» .. NUMMER 2. (655.) 13 Jänner 1938• דונאסערדאהעלי יא' שבט תרצ׳ח m. G. XIV. JAHRGANG Die Lage in König Carol über die Ju~ denpolitik seiner Regierung. Bukarest. König Carol gewährte dem Sonderkorrespondenten des Londoner ״Daily Herald“, A. L. Easterman, ein Interview, in dessen Verlauf er sich zur Judenfrage i'n Rumänien äusserte. Dem Interview wurde die Approbation zur Veröffentlichung erteilt. Der König gab dem Korrespondenten gegenüber die dezidierte Erklärung ab, dass es in Rumänien keine Judenaustreibung geben werde es werde aber eine allgemeine Ueberprüfung der Staatsbürgerschaft jener Personen durchgeführt werden, die nach dem Kriege in das Land gekommen sind. Ihm wurde mitgeteilt, dass in der Nachkriegszeit mehr als 250.000 Personen illegal in das Land gekommen sind. Die Staatsbürgerschaft der in Rumänien geborenen Juden wird nicht tangiert sein. Der König unterstrich, dass auch diejenigen Personen, denen die Staatsbür״ gerschaft aberkannt werden wird, nicht aus dem Lande gewiesen werden, sondern dass sie nur ihre politischen und anderen Rechte verlieren würden. Auf die Frage des Korrespondenten nach seiner persönlichen Haltung gegenüber dem Antisemitismus in Rumänien erklärte der König, die Existenz einer antijüdischen eingestellten Regierung könne nicht geleugnet werden er als Landesherrscher habe keine andere Wahl als der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen. Paris. ״Paris Soir“ bringt ein Inter״ view der Brüder Tharaud mit dem Minis* terpräsidenten Octavian Goga, in dessen Verlauf Goga über die Judenpolitik seiner Regierung folgendes sagte : Ich schätze die Zahl der seit 1914 nach Rumänien eingewanderten Juden auf eine halbe Million. Niemand kann uns zwingen, sie bei uns zu behalten, denn der Versailler Vertrag hat uns nur die Pflicht auferlegt, denjenigen Juden, die am Augenblick der Unterzeichung des Verträges in Rumänien ansässig waren, das Bürgerrecht zu verleihen. Aber der Versailler Vertrag velangt nicht von uns, die später zugekommenen zu behalten. Wir werden die Frage in einigen Tagen auf der bevorstehenden Tagung des Völker״ bandsrates in Genf aufwerfen, Goga fügte hinzu, er glaube, dass für Rumänien. die Juden neue Niederlassungsmöglichkeiten auf Madagaskar oder in Afrika gesucht werden sollten. Goga schätzte ferner die Zahl der seit 1933 aus Deutschland nach Rumänien geflüchteten Juden auf 30.000. Bei seinem letzten Besuch in Berlin häite Hitler zu ihm gesagt: Es tut mir leid, dass ich unsere Juden zu Ihnen geschickt habe, aber ich bin froh, sie nicht mehr bei mir zu haben. Es ist unerfindlich, aus welchem Ma״ terial der Ministerpräsident Goga seine Ziffern betreffend 500.000 eingewanderte Juden und 30.000 nach Rumänien geflüchtete deutsche Juden geschöpft hat. Sogar die antisemitische Presse gibt die Zahl der insgesamt nach Rumänien aus dem Ausland eingewanderten Juden mit 50.000 an. Laut der offiziellen Statistik wohnen in ganz Rumänien 721.000 Juden, davon rund 500.000 in den neu hinzugekommenen fiüher österreichischen, bulgarischen, ungarischen und russischen Provinzen, die durch die Annexion automatisch rumänisehe Bürger geworden sind. Will nun Goga alle diese Juden für Ausländer erklären und glaubt er, sich hierbei auf den Versai- Iler Vertrag berufen zu können? Was die Deutschlandflüchtlinge betrifft, so weiss man, dass von den 120.000 aus Deutschland ausgewanderten Juden nur ein sehr geringer Bruchteil, kaum einige hundert, nach Rumänien gewandert ist. Soga empfängt eine Hbordnung der Jüdischen Reichspartei. Bukarest, ״Timpul“ meldet, dass Ministerpräsident Goga am 5. Januar eine Abordnung der jüdischen Reichspartei unter Führung des Parteivorsitzenden Dr. Theodor Fischer empfangen habe. Der Ministerpräsident versicherte der Abordnung, dass die Regierung alle Massnahmen treffen werde, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Im übrigen verwies Goga die Delegation an den Staatsminister Dragomir, dem die Minderheitenfragen zugeteilt wurden. Dementis. Bukarest. Seitens der Regierung wird die Meldung, dass Juden weibliche Christliehe Hausbedienstete unter 40 Jahren nicht anstellen dürten, dementiert. Diese Mel״ düng erschein in dem offiziellen Organ der National Christlichen Partei ״Tzara Noastra“, welches jetzt auch als Regierungsor• gan gilt. Weiter wird die Meldung dementiert, dass eine spezielle Wache gebildet wurde, um Juden am Betreten von Regierungsämtern zu verhindern. Der Minister für öffentliche Gesundheit hat eine Verordnung erlassen, wonach alle im Bereich des Gesundheitsministeriums beschäftigten jüdischen Aerzte entlassen und durch christliche Aerzte ersetzt werden. Die Husnahmebehandlung der Süden in Rumänien. Paris. Die jüdische Telegraphen-Agentur konnte am 3. Januar aus autoritativer Quelle mitteilen, dass die französische Regirung beschlossen habe, die rumänische Regierung davon zu verständigen, dass die geplanten Ausnahmegesetze gegen die Juden seitens Rumäniens eine Verletzung der von Rumänien eingegangenen Minderheiten verpflich״ tungen darstellen, dass die Angelegenheit deswegen vor den Völkerbund kommen müsse und dass Frankreich sich sodann verpflichtet fühlen würde, jede in diesem Belange vom Völkerbund ergriffene Aktion zu unterstützen. Wie der JTA-Vertreter heute erfährt, ist diese Demarche Frankreichs in Bukarest bereits erfolgt Der französische Gesandte in Bukarest, Thierry, besuchte am Dienstag, 4. Januar, den Ministerpräsidenten Goga und teilte ihm die Ansicht der französischen Regierung in der Frage der Sonderbehandlung der Juden in Rumänien mit. Ministerpräsident Goga erklärte dem Gesandten Thierry, dass die geplante Massnahmen sich nicht auf die alteingesessenen rumänischen Juden beziehen, sondem dass nur die zuletzt neu eingebürgerten Juden von ihnen betroffen sein würden. ln Pariser diplomatischen Kreisen weiss man, dass auch der englische Gesandte in Bukarest bei Goga eine Demarche in der Frage der Sonderbehandlung der Juden im Namen der englischen Regierung unternommen hat, und dass seine Vorstellungen ungefähr die gleichen waren wie die seines französischen Kollegen. Bukarest. Aussenminister Istrate Micescu gab am Dienstag spät nachmittag vor den Vertretern der in- und ausländisehen Presse eine Erklärung über die Aussenpoütik Rumäniens ab und appellier״ te zum Schluss an die Pressevertreter, der Politik der neuen Regierung Verständnis entgegenzubringen; die rumänischen Innen-

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