Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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6 »Der Jüdische Herold« 6 ״Reichsposf“ über die Lage der Süden unter dem Bolschewistischen Regime in Russland. Wien. Ein von der ״Reichspost“ nach Russland entsandter Sonderberichterstatter berichtet seinem Blatte über die Lage der Juden in der Sowjetunion : Die Revolution, die dem Judentum anfangs allerlei Vorteile und zahlreiche seiner Vertreter auf einflussreiche Posten brachte, hat in ihren späteren Wirkungen einen grossen Teil des Judentums wirtschaftlich vernichtet. Die Juden behielten beträchtliche Teile des Grundbesitzes in Händen, da sie durch ihren Fleiss und ih־ re masslose Strebsamkeit weit über den mehr passiven Charakter des Durchschnitts• russen hervorragten. Sie hatten den Löwenanteil der noch in den Kinderschuhen steckenden Industrie in ihrem Besitz. Ihre äusserlich glänzende Stellung lud ihnen Hass und Neid auf den Hals. Überdies war der orthodoxe Teil des Judentums den machthabenden jüdischen Kommunisten ein Dorn im Auge. Mit allen Mitteln bruta־ len Terrors rürkien diese ihren gläubigen Artgenossen zu Leibe und schreckten auch vor keinerlei Blutopfern zurück, so dass die orthodoxen Juden heute zum Ausster־ ben verurteilt scheinen. Mit dem Machtantritt des Bolschewismus erhielten die Juden zwar die Gleichstellung mit den anderen Volksgruppen der Sowjetunion, aber der hebräische Sprachunterricht, die Eigenheien jüdischer Kultur wurden mit Schärfe unterdrückt. Die Sowjets haben mit ihrer Juden- Politik ausserordentlichen Erfolg gehabt. Die grosse Zahl orthodoxer Juden, die in verschiedenen Städten und Dörfern der Ukraine und Weissrusslands vor d> r Re* volution bis zu 70P1ozentder Bevölkerung ausmachten, ist in den lezten zwanzig Jahren durch Mischehen und Gemeinschaftserziehung der Kinder so stark assimiliert dass die heranreifende jüdische Generation nur noch nebelhafte Vorstellungen von einem religiösen Jude tum hat. Dieser Russifizierungsprozess wurde noch beschleunigt durch staatlich Zwangsmassnahmen, wie etwa die Schliessung jüdischer Schulen und Synagogen, durch das Verbot der Beschneidung und den gewaltsamen Bruch mit alten Traditionen. Goga leugnet die Einführung einer Rassenpolitik. Bukarest. Der rumänische Minister- Präsident Octavian Goga gewährte dem Bukarester Havas Vertreterein Interview, in welchem er die Nachrichten, wonach die neue rumänische Regierung die Einführung einer Rassenpolitik beabsichtige, als unrichtig und tendenziös dementierte. Demgegenüber hat das von Geor ghe Cuza, dem Sohne des Staatsminis־ ters A. C. Cuza, geleitete Arbeitsministerium beschlossen, den Juden zu verbieten, christliches Dienstpersonal zu beschäftigen. Der Regierung und einzelnen Ministern nahestehende Bukarester Zeitungen melden, dass beim Handelsministerium ein Sonderdepartement errichtet werden wird, welches die Durchführung der antijüdischen Gesetze kontrollieren soll. Diese Zeitungen kündigen weitere antijüdische Massnahmen der Regierung an; u. a. soll es in Zukunft Juden überhaupt verboten werden, in Dörfern zu leben; jüdische Ärzte, die im Ausland ihre Studien absolviert und nach 1919 ihre Praxis in Rumänien begonnen hatten, werden aufgefordert, sich im Gesundheitsminis־ terium zu melden. Man nimt an, dass den meisten von ihnen die weitere Aus״ Übung der Praxis verboten werden wird. Ähnliche Massnahmen gegen jüdische In* genieure und Architekten werden erwartet. Schliesslich soll es Juden verboten werden, Theater und Kinos zu leiten. STAMPIGLIEN SIEGELMARKEN, ffl SCHABLONEN, W DRUCK APPARATE P FÜR SCHAUFENSTER * --fTj Billige Preise. n PROMPTE LIEFERUNG! 8 Josef W eis s J Bratislaua Laurinska 16-Dielna Dunajska 86 Verbreitet den Jüdischen Herold! - 226 - den Verus Zu erheben. Dieser War ein äußerst liebenswürdiger feingebildeter Mann; aber er war im höchsten Grade ausschweifend und vergeudete seine Jugendkraft derart, daß man ihm schon damals eine kurze Lebensdauer in Aussicht stellte. Der Kaiserin wurde der Präfekt von Aegypten, Titianus, gemeldet. Titianus ergriff, als er vor der Kaiserin erschien, sich tief verneigend, Sabinas mit Ringen überladene Rechte, die sie ihm jedoch nach leiser Berührung wieder entzog. ״Was gibt es?“ fragte sie. ״Ein reitender Bote,“ antwortete der Präfeckt, ״überbrachte mir heute einen Brief, in dem der Kaiser erklärt, in dem alten Palast auf der Lochias, nicht hier im Cäsareum absteigen zu wollen.“ Bei diesen Worten runzelte sich die Stirn Sabinas; ihr Blick senkte sich finster und starr in ihren Schoß, und ihre Unterlippe zwischen die Zähne ziehend, zischte sie : ״Weil ich hier wohne!“ Die Lochias war ein Königspalast, welchen einer der ptolemä schen Könige auf der Landzunge gleichen Namens hatte erbauen laßen; sie lag hart am Ufer des Meeres und bot einen weiten Ausblick in die Ferne. ״Ich bitte Dich,“ fuhr Sabina zu reden fort, ״rufe mir Verus, den Prätor Lucius Aurelius Verus, herbei.“ Der Präfekt entfernte sich und richtete seinen Auftrag aus. Alsbald erschien Verus vor der Kaiserin Diese hatte sich von ihrer griechischen Sklavin einen Becher Waßer mit Fruchtsaft vermischt reichen laßen und davon getrunken. Verus nahte sich der Matrone und nahm ihr so liebevoll dienstbeflißen, wie ein aufmerksamer Sohn seiner verehrten leidenden Mutter, den geleerten Pokal aus der Hand, um ihn der Griechin zu reichen. — 227 — Die Kaiserin winkte dem Prätor mehrmals, als Zeichen ihres Dankes wohlgefällig zu, und befahl dann der Sklavin sich zu entfernen. »Mein Lucius,« sagte Sabina, .ich habe wichtige Dinge mit Dir zu besprechen. Das verächtliche Spielzeug, welches Hadrian sich in Bithynien aufgelesen hat, entfremdet ihn im* mer mehr meinem Herzen. Er will nicht im Cäsareum woh* nen, weil ich hier wohne und wählt sich die alte verfallene Lochias zum Aufenthalte — Du weißt mein Lucius, wie sehr ich Dich liebe und welche große Pläne ich für Dich hege. Du!!ist der einzige Mensch, der es gut mit mir meint “ Der Prätor ergriff ihre Hand und führte sie ehrfurchtsvoll an seine Lippen. ״Du bist mir eine zweite Mutter,“ sprach er, ״die siegreiche Venus bezwingt alle Herzen; das meine gehört ihr von meiner frohesten Kindheit an.“ Sabina hatte sich als Venus Victrix in Marmor darstellen laßen. Als man eine Nachbildung dieser Statue in Alexandria aufgestellt hatte, wurde von einer bösen Zunge das häufig unter den Bürgern der Stadt wiederholte Wort ausgesprochen. ״Siegreich ist diese Aphrodite gewiß, denn wer sie sieht, macht schnell, daß er fortkommt.“ So urteilten die Alexandriner mit Recht; Sabina aber liebte es, als siegreiche Venus bezeichnet zu werden und daher lächelte sie wohlgefällig zu der Anspielung des Verus. ״Mein Sohn,“ sagte sie, ״unseren Plänen drohen große Gefahren; ich fürchte, Hadrian wird diesen Antinous zu seinem Sohne und Nachfolger bestimmen." ״Unmöglich!“ rief Verus. ״Was ist einem römischen Imperator unmöglich?“ ״Er kann dem Senate und dem Volke nicht so ins Ge* sicht schlagen, daß er dieses Spielzeug seiner Laune so hoch erheben dürfte.“