Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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5 »Der Jüdische Herold« 5 Weitere Danziger Flüchtlinge in Warschau eingetroffen. Warschau, In Warschau ist wiederum eine Gruppe Danziger Juden eingetroffen, durchwegs Kaufleute, Kleinhändler, Handwerker und Handelsangestellte, die sich gezwungen sahen, aus Danzig zu flüchten. Die Flüchtlinge berichten über die Schikanen, denen sie seitens der Danziger Behörden ausgesetzt waren■ Man verlangte von ihnen grosse Summen an Steuern und drohte mit der Schliessung ihrer Geschäfte, falls sie der Aufforderung zur Zahlung derselben nicht nachkommen. Da sie keine Existenzmöglichkeit mehr sahen und die Verfolgungen nicht mehr ertragen konnten, hätten sie es vorgezoger, Danzig so schnell als möglich zu verlassen. ABLEBEN EINER HUNDERTNEUN- JÄHRIGEN. Budapest. Wie ״Zsidö Ujsäg“ aus Szekelyhid (Siebenbürgen) meldet, ist dort die orthodoxe Jüdin Frau Hermann Berkowics im Alter von 109 Jahren gestorben. Sie hat bis in ihre letzten Lebenstage ohne Brille geschrieben, gelesen und Handarbeiten verrichtet. Freitag abend rief sie ihre einzige noch lebende 80jährige Tochter zu sich, nahm von ihr Abschied, sagte, dass ihre Stunde gekommen sei, legte sich um 9 Uhr zu Bett und verschied eine Stunde später. Von ihren Enkeln ist der jüngste 37, von den Urenkeln 16 Jahre alt. AMSTERDAM. In Amsterdam verstarb im Alter von 59 Jahren der holländische Agudistenführer Moses van Geldern. Der Verstorbene war ein bekannter Prediger, Lehrer und Talmudgelelvrter. WIEN. Aus"’ soeben veröffentlichten Liste der verschiedenen künstlerischen und Wohifahrtsinslitutionen, denen die Gemeinde Wien für das Laufende Jahr Subventionen, im Gesamtbeträge von 545.000 Schillingen gewährt hat, geht hervor, dass sich unter ihnen keine einzige jüdische Institution befindet, hingegen mehrere Verbände, die auf dem Prinzip des Arierparagraphen stehen, wie z. B, der ״Christlieh deutsche Turnverein“. Die Quellender erteilten Subventionen sind Steuern, die zum grossen Teil von Wiener Juden entrichtet werden. WARSCHAU. In Plock verstarb im Alter von 107 Jahren Abraham Gawron, der an den polnischen Aufsfandskämpfen 1863 teilgenommen hatte und in Anerkennung seiner Tapferkeit mehrfach ausgezeichnet worden war. Tode Herschel Lewins führte wieder ein Rabbiner der Berliner Grossgemeinde den Titel Aw־Beth־Din. Dr. Freimann war auch Dozent am Berliner Rabbinerseminar. UNGARISCHE ce n 0 UREfl B E I LEOPOLD 60LD5TEU־] Beisetzung Dr. Sacob Freimanns in Hol* leschau. Prag. Ueber die Beisetzung des in Spindlerinühle verstorbenen Oberrabbiners Dr. Jacob Freimann, des Seniors der Berliner konservativen Rabbiner und Vorsitzen* den des von ihm gegründeten Beth-Din (Rabbinergerichts) der Berliner Judenheit, wird mitgeteilt: Zur Besetzung, die in Hoi leschau stattfand, hatte die Berliner Jüdische Gemeinde Rechtsanwalt Dr. Aifred Klee, das Rabbinerkollegium und das Seminar Dr. Alexander Aitmann delegiert. Erschinen war auch eine Delegation der der Berliner Chewra Kadischa unter Füh* rung von Rabb. Dr. Link. Aus der Umge* bung fanden sich viele Rabbiner ein. Rab* biner trugen den Sarg an der 1893 von Freimann eingeweihten Synagoge vorbei zum Friedhof. — Zum erstenmale seit dem DUN. STREDA ERHÄLTLICH BROCHIERT Kc 40— LEINWANDBAND Kc 50— PRACHTHALBLEDERBAND Kc 60— Herausgeber und verantwortlicher Redakteur LEOPOLD GOLDSTEIN GEDRUCKT bei Leopold Goldstein DUNAJSKÄ STREDA. Postschekkonto Nummer 56.255 in Prag Jtaaa»gjatt^Prt-.^arai ■ »ג:!*!***! י •! ■r —ittlN'i 11i.-aT4 - 228 - *Hadrian kann Alles, was er will. Deßhalb höre mich, mein Lucius: wir müssen diesen Bithynier aus dem Wege schaffen.« Verus erblaßte. »Und denkst Du nicht, Sabina,« sagte er, ״an des Kai״ sars Zorn, der Alle zermalmen würde, auf die sein Verdacht fiele?“ ״Wir müßen es klug anfaßen, derart, daß wir der Sache ferne stehen. Du bist ein geistvoller Mensch, mein Lu* cius. Ersinne Dir etwas, was zum Ziele führt. Jetzt laße mich 5 das viele Sprechen strengt mich an. Schicke die Sklavin Leukippe wieder herein.“ Verus entfernte sich sinnend. Was ihm Sabina gesagt hatte, erschien ihm sehr einleuchtend; nun galt es, einen geeigneten Plan zu finden, den Günstling des Kaisers uuschädlich zu machen. Nicht durfte irgendwie Gewalt angewendet werden, nicht durften Mörder gedungen werden, um den Bithynier aus dem Wege zu schaffen. Er ging fürs Erste davon ab, einen bestimmten Pian zu faßen, beschloss aber, den näheren Umgang des schönen Aminous zu suchen, und dessen schwache Seite zu erkunden. Wenige Tage nachher kam Hadrian mit seinen Begieitern in Alexandria an und nahm seinen W ohnsitz auf der Lochias. Berus beeilte sich, den Kaiser zu Liegrüssen. Dieser empfing seinen Verwandten auf das Freundlichste. ״Du kommst mir gerade recht, mein Lucius,“ sagte er; »ich habe einen Auftrag für Dich. Antinous, der Liebling meines Herzens, leidet seit einiger Zeit an grosser Schwermut. Es ist nicht zu verwundern , dass ein Jüngling, wie er* an dem ausschliesslichen Umgänge mit nur, dem alternden Manne kein Genüge findet. Ich bitte Dich, nimm Dich seiner an und suche ihn ein wenig zu zerstreuen. Du verstehst es ja, wie kein Anderer das Leben zu gemessen und ihm er* freuliche Seiten abzugewinnen.“ - 225 ־־* XXXVIII. Es War iin Dezember des Jahres 129 der gewöhnlichen Zeitrechnung, als Kaiser Hadrian nach Alexandria zog; dorthin begleitetete ihn sein ganzer Hofstaat; seine Gemahlin Salbina war ihm vorausgezogen und hatte im Cäsareum, dem prächtigen Palaste der ägyptischen Hauptstadt, Wohnung genommen. Hier waren auch die Zimmer für den Kmser in Stand gesetzt, deßen Ankunft täglich erwartet wurae. Sabina saß auf einem großen mehr einem Bette als einem Stuhle gleichenden Ruhesitze. Ihre Füsse waren tief in dem zottigen Felle eines Auerstieres vergraben und ihre herniederhängenden Beine rings mit seidenen Federkissen umgehen. Ihr Kopf war steil in die Höhe gerichtet. Man begnil kaum, wie ihr dünner Hals ihn und die t'erienschnüre und Edeisteinketten, welche durch das hohe Gebäu ihrer blondroten, in langen Zylindern dicht aneinandergereihten Locken geiiochten waren, zu tragen vermochte. Das hagere Gesicht der Kaiserin erschien besonders klein unter der Menge des natürlichen und künstlichen Schmuckes, der ihre Stirne und ihren Scheitel bedeckte. Die völlig wimperlosen Augen erschienen trotz der dunklen Pinselstriche an ihien Rändern winzig klein. Schön war Sabina niemals gewesen, und Hadrian hatte sie nie geliebt, hr haue sie geheiratet, weil sie die Nichte Kaiser Trajans gewesen, weii seine Gonnerin, die Kaiserin Piotina, es gewünscht und weil er dadurch die Anwartschaft auf den kaiserlichen Purpur zu erlangen gehoiit. Seitdem Hadrian den schönen Antinous m Bithynien aufgeiesen, den er abgöttisch liebte, war das V trhältnis zwischen den beiden Ehegatten ein sehr schlimmes geworden. Hadrian und Sabina hatten keine Kinder, ihre ganze Eiebe widmete die Kaiserin ihrem Neffen, dein Prator Lucius Aurelius Verus. Wie ernst Piouna lurern Neffen Hadnan die Kaiserkrone verschafit haue, so gedachte Sabh.a iJr. M. Lehman; »AKJLDA« 4צ,