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Der jüdische Herold · 1937-12-30 · 49 (30.12.1937) · p. Seite 6

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
49 (30.12.1937)
Date
1937-12-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German, Hungarian
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6 »Der Jüdische Herold« 6 Keine 3uden im neuen rumänischen Parlament. Bukarest. Soeben ist das Endergebnis der am Montag durchgeführten Wahlen in das rumänische Parlament be, kennt gegeben worden. Das hervorstechend, ste Moment dieser Wahlen ist, dass zum erstenmal in der Geschichte des rumäni. sehen Parlamentarismus eine Regierungs־ partei, diesmal die Liberalen, die zur Er' langung der Prämienmandate erforderlichen 40 Prozent aller abgegebenen Stimmen nicht auf ihre Listen zu vereinigen vermochten. Es kommt deswegen bei der Verteilung der Restmandate nicht das Prämiensysteru, sondern das Proporzsystem zur Anwendung, welches nicht allein der gross, ten Partei, sondern allen jenen Gruppendie das Mindestmass von zwei Prozent der Gesamtstimmen erreicht hatten, zugute kommt. Die bisherige liberale Regierunspartei, die von den 2.700.000 abgegebenen Stimmen nur 971.000 (37.5"/0) auf sich vereinigen konnte, wird gemäss der Verlassung nicht in der Lage sein, selbständig die Regierung weiter zu führen, sie wird auf eine Koalition mit anderen Parteien angewiesen sein; von der Gestaltung einer solchen Koalition hängt die politische Li, nie der künftigen Regierung und also auch ihre Politik gegenüber der jüdischen Minderheit ab. Auf die Liste der Jüdischen Reichspartei, die bei den Wahlen mit aller, lei widrigen Umständen zu kämpfen hatte, sind im ganzen 34.849 Stimmen, d. s. l,31°b der Gesamtstimmen, abgegeben wor. den. Obwohl diese Stimmenzahl zu der Erlangung einiger Mandate ausgereicht hat־ te, geht die Jüdische Reichspartei leer aus, da sie nicht die vorgeschriebenen zwei Prozent der Gesamtstimmen erreicht hat. Wohl haben einige wenige rumänische Parteien Juden als Kandidaten auf ihre Listen gesetzt, aber nur an wenig aussichts״!,eichen Stellen, so dass kaum zu erwarten ist, dass im neuen Parlament Juden sitzen werden. Seit Pilsudkis Tod wurden in Polen 150 Süden ermordet. London. Im ״Daily Herald“ berichtet der englische Journalist A. L Easterman über das Ergebnis seiner Reise durch Polen: ״Vom Tode Marschall Pilsudskis im Mai 1935 an sind die polnischen Juden einem Terror ausg. liefert, den man als den beängstigendsten in der Geschiehte der Judenverfolgungen überhaupt be zeichnen könnte. Keine jüdische Minderheit in irgendeinem Staate der Welt ist so eingeschüchtert und verängztigt wie jene Minderheit, die ich in Polen sah. Seit Mai 1935 wurden in Polen mehr als 150 Juden ermordet, tausende von ihnen wurden verletzt und weitere tausende auf Sirassen u• öffentlichen Plätzen geschlagen. (In die Anzahl der Ermordeten habe ich jene nicht miteingerechnet, die nach einer Verwundüng in den Krankenhäusern starben.) Der Materialschaden las 4־ sich in Ziffern über* haupt nicht ausdrücken, allein in vier Bezirken schätzt man ihn auf ungefähr 200.000 Pfund.“ Weihnachtsbotschaff der Csl. Liga gegen den Antisemitismus. Prag, ln einer Weihnachtsbotschaft der Liga gegen den Antise mitismus wird «usgeführt: Sehnsucht nach Frieden und Freude erfüllen in diesen Tagen alle Menschen guten Willens. An deren Verstand, Herzen und Gewissen wenden wir uns heute. Mitmenschen, lehnt . ,-*'.-«מג* den Aberglauben von Blut und Boden ab. Widersetzt Euch dem Aberglauben, es gäbe höhere menschliche Rassen und solche, die zur Sklaverei vorherbesfimmt sind. Folget dem Rufe der Wahrheit und Gerechtigkeit. Folget der Stimme der Menschlichkeit und des Gefühls der Zusammengehörigkeit ailer Wesen, die Menschenanllitz tragen. Folget dem Licht der Erkenntnis, das wir den Grossen aller Nationen danken, das uns zuletzt von Masaryk entzündet worden ist! Für die Csl. Liga gegen den Antisemitismus: B Vancura, Vorsitzender. R. J. Vonka, stellvertr. Vorsitzender. STAMPIGLIEN SIEGELMARKEN, ffl SCHABLONEN, <§’ D R U C K A P P A R A T E P FÜR SCHAUFENSTER * Billige Preise. n PROMPTE LIEFE RUN Gl 8 Josef Weiss J Bratislava Laurinska 16-Dielna Dunajska 86 Herausgeber und verantwortlicher Redakteur LEOPOLD OOLDSTEIN GEDRUCKT bei Leopold Goldstein DUNAJSKÄ STREDA. Postschekkonto Nummer 56.255 in Prag —-ן-1—rinfin nimm זי unwm——1■ - 222 - worden. Rabbi Akiba war nickt allein der Lehrer, er war auch der Vater seiner Schüler. Als so viele junge Männer in das frühzeitige Grab sanken, nahm er sich der Witwen und Weisen an, um sie vor Not und Elend zu schützen! Aber die Mittel, die dazu erforderlich waren, konnten nicht so leicht herbeigeschafft werden. Ganz Juda war durch die Brandschatzungen des römischen Statthalters verarmt; es war nicht möglich, eine Steuer auszuschreiben; aber das Elend war so furchtbar groß, daß eine schleunige Abhilfe dringend notwendig wurde, Rabbi Akiba verwandte dazu einen großen Teil seines eigenen Vermögens; aber es waren mindestens hunderttausend Gold-Denare erforderlich, um wirksam der Not entgegen treten zu können. Am Ufer des Meeres, nicht weit von Jaffa, bewohnte eine vornehme Römerin eine prachtvolle Villa, welche sie hier hatte erbauen lassen, Paulla Veturia hatte in Rom die Weisen Israels kennen gelernt; sie hatte mit Fleiß und Eifer die heilige Schrift studiert, und war nach dem Tode ihres Gatten nach Palästina gereist, um dort den jüdischen Lehrem näher zu sein. Hier hatte sie sich ein Landhaus am Ufer des Meeres erbauen lassen und bewohnte dasselbe mit ihren zahlreichen Dienern und Dienerinnen. Paulla Veturia war unermeßlich reich. Zu ihr begab sich Rabbi Akiba, um sie zu veranlassen, ihm zur Linderung der Not ein Darlehen von hunderttausend Gold-Denaren zu bewilligen. Die Römerin empfing den Lehrer Israels mit großer Freude. ״Sei mir gegrüßt, Rabbi,“ sprach sie, ״wie glücklich bin ich, Dich einmal wieder zu sehen.“ ״Freue Dich nicht zu früh, edle Frau,“ antwortete Rabbi Akiba. ״Ich fordere einen großen Beweis von Vertrauen. Du wirst vernommen haben, daß eine schwere, böse Krankheit einen großen Teil meiner Schüler hinweggeralft hat׳ - 223 — Tausende von Witwen und Waisen haben ihrer Ernährer verloren und sind dem Hungertode preisgegeben, wenn nicht helfend eingeschritten wird. Unsere Mittel sind erschöpft Um dem größten Elende zu begegnen, brauchen wir hunderttausend Gold Denare. ״Und da willst Du Geld sammeln, Rabbi? Auch ich will Dir einen Beitrag dazu geben Nicht doch, edle Frau, mit einem Beitrage ist uns nicht geholfen. Ich bin gekommen, u n Dich zu bitten, daß Du mir die ganze Summe vorstreckest. G-tt wird mir Mittel und Wege zeigen, daß es mir möglich werden wird, Dir das Geld binnen Jahresfrist zurückzuerstatten.“ ״Du verlangst viel, Rabbi. Hunderttausend Gold-Denare ist eine Summe, deren Verlust mich selbst in Armut stürzen würde.“ ״Das Geld wird Dir unschätzbare Zinsen tragen. Die vielen Menschenleben, die Du vom Tode errettest, werden Dir das ewige Leben erringen. Ich bitte Dich, weise mich nicht ab, denn ich wüßte nicht, an wen sonst ich mich wenden könnte.« ״Welche Bürgschaft kannst Du mir stellen?“ ״Ich verbürge mich mit meinem ganzen Vermögen, und wenn Du es verlangst, so will ich noch zehn begüterte Bürgen stellen.“ »Die Bürgschaft genügt mir nicht für die Größe der Summe. Siehe, draußen wogt das unendliche Meer. Kannst Du die Wellen zählen? Und doch mögen es bei weitem nicht hunderttausend sein. Nein, für so viel Geld mußt Du mir andere Bürgen stellen. Wohlan, wenn Du mir zugesfehst, daß der G-tt Isra• ls und das Meer mir Bürgen seien, so will ich die gewaltige Summe Dir anvertrauen.“ *Wie Du gesprochen, so sei es, G-tt und das Meer seien Dir Bürgen, daß ich heute über’s Jahr die ganze Summe zurückbezahle.“

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