Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 49 (30.12.1937)
- Date
- 1937-12-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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»Der Jüdische Herold« 5 Rede des Abgeordneten Minrberg im polnischen Sejm. Warschau, Während der ßudgetdebaffe im Sejm ergriff der agudistische Abgeordnete Leib Minzberg das Wort. Wir fragen uns off, sagte er, ob nicht jene jü• dischen Kreise recht habrn, die fordern, dass die jüdischen Parlamentarier ihre Mandate niederlegen. Denn wir jüdischen Abgeordneten und Senatoren sind hilflose Zeugen des Unrechts geworden, das an der Jüdischen Bevölkerung begangen wird. Die Berufung auf die Verfassung ist aru.« chronistisch und sinnlos geworden. Man hat in Polen vergessen, dass man das eigene Glück nicht auf den Leiden anderer Menschen aufbauen kann. Sich an den Premierminister Slawoj Sladkowski wendend, zitierte Abg. Minzberg die von Sladkowski seinerzeit gesprochenen Worte; Es beginnt bei den Juden und endet bei Anarchie. Was haben Sie, Herr Premier, fragte Minzberg, getan, damit sich die Lage bessere? Minzberg spricht dann über die Ueberfäile auf Juden auf offner Strasseüber die Boykott Kampagne, die Hetzagi, tation, die Parole Tag ohne Juden, das Hochschul Gheito, die Studentenunruhen und erklärt dann : Vor zwei Jahren haben diese Losungen und Taten Erstaunen hervorgerufen; vor einem Jahr hat die Regierung sie geduldet; heute sind sie erlaubt, und wer weiss, ob man nicht in kurzem sogar anordnen wird, dass solches geschieht. Die jüdische Bevölkerung hat morulische Torturen, physische Leiden, wirtschafiliche Ausmerzung und politische Diskriminierung zu erdulden. Die Regierung sollte endlich die Schuldigen an den an der jüdischen Bevölkerung begangenen Verbrechen der gerechten Strafe zuführen. Ein für alle Mal sollte man die unrealen Lösungsvorschläge sur Judenfrage durch Emigration von 3 halb Milionen Menschen aufgeben 1 Die polnische Judenheit werde nichl aufliören, die Rechte zu fordern, die ihnen als Bürgern des Landes zustehen. Nach Minzberg sprach der üepuiierte Duzinski, der sich in heftigsten Angriffen gegen die Juden erging und von der Regierung forderte, sie möge endlich von Worten zu Taten übergehen und das Wirtschaftsleben Polens von Juden befreien, getreu der Devise : Polen den Polen- Im Verlauf der Debatte kündigte Premierminister Slawoj Sladkowski an, dass er während der Debatte über das Budget des Inneministeriums programmatische Erkfärungcn zur Judenfrage abgegeben werde. Ich werde bei dieser Gelegenheit, sagte er, mit aller Aufrichtigkeit über die jüdische Frage und üf>er das Mmderheitenprobiem im allgemeinen sprechen. DIE ANTISEMITISCHE WEINACHTS- AKTION IN WIEN. Wien. Eine bereits vor einigen Tagen eingeleiiete Flugblätter- Organisation nationalsozialistischer ziviler und halbmilitärischer Organisationen wurde wieder aufgenommen. In einem der Flugblätter sind Firmen angegeben, be־! denen Gesinnungsgenossen kaufen niö־ gen. Der Zeitpunkt dieser Propaganda fäiit mit der Propaganda des Antisemiten Bundes zusammen, in der nichl mehr von christlichen, sondern von arischen Kaufleuten, bei denen allein einzukaufen ist, gesprochen wird. E׳ne neue Aktion wurde von nationalsozidii fischen Kreisen für heute vorbereitet, wobei der Versuch unternommen werden sollte, vor einigen grossen Geschäftshäusern zu demonstriereu; aus diesen Demonstrationen ist jedoch nichts geworden, wohl aber wurde der Schaufensterkrieg weitergeführt, wobei die Steinwerfer sich gelegentlich auch in Autos befanden. Ungarische Rasseaschüfzler verurteilt. Budapest. Das Budapester Gericht verurteilte vier Rassenschützler wegen konfessiondier Aufreizung durch Hetzartikel gegen die Juden in dem Biatte ״Schüttyaküu“ zu je einem Monat G fäagnis. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte das Wochenbiatt ״Összefanäs״ welches die Politik der «Unsichtbaren Front“ Vertritt und jüdische Hetze betreibt. Die Beschlagnahme tifolgte wegen Aufreizung gegen die jüdisehe Konfession. In der Druckerei des Blattes wurden 3600 Exemplare der Wochenschrih vurgtfunden und konfisziert. Geschäftsübernahme. Für einen jungen Mann בן תורה bietet sich Gelegenheit ein altbewährtes Geschäft in eines Stadt durch EINHEIRAT ZU ÜBERNEHMEN. Reflektanten, die auf Familie und Person sehen mit etwa Kapital wollen sich an die Adm. des Blattes unter ״A. B“ wenden. 2—3 — 224 — Rabbi Akiba nahm das Geld in Empfang und half damit den Witwen und Waisen und rettete viele vom liungertode. Einen Teil des Geldes verwendete er zu Darlehen, die ihm nach wenigen Monaten zurückbezahlt wurden. Um den Rest ließ er alle wohlhabenden Israeliten ansprechen, und noch ehe der Tag der Zurückzahlung herannahte, hatte Rabbi Akiba die ganze Summe beisammen. Da befiel ihn plötzlich ein schweres Unwohlsein; ein hitziges Fieber strechte ihn nieder; bewußtlos lag er auf seinem Lager. Als der Zahlungstermin anbrach, erwartete Paulla V eturia mit Ungeduld den Besuch Rabbi Akibas. Es wurde Mittag, und der Rabbi kam nicht; die Sonne neigte sich zum Untergange — weder Akiba, noch eine Botschaft von ihm erschien. Da verließ die Römerin ihr Haus und ließ verzweifeind am Ufer des Meeres auf und ab. »Allmächtiger G-tt,“ rief sie, ״Deiner Bürgschaft habe ich vertraut! Soll mein Vertrauen zu Schanden werden V Befiehl dem Meere dort, dass es seine Schätze herausgebe und mir mein Eigentum zurückerstatte!“ Bei diesen Worten richtete sie ihre Augen auf das Meer. Was war das? Ein prachtvolles mit Gold und Edelsteinen verziertes Kästchen tanzte auf der Meeresfläche. Nach wenigen Minuten wurde es vom Wasser an das Ufer gespült und lag zu den Füssen der Römerin. Diese wollte es emporheben; aber es war zu schwer. Sie musste ihre Diener her beirufen, die es ins Haus trugen. Nur mit schwerer Mühe konnte das wohlverschlossene Kästchen geöffnet werden. 111 demselben befanden sich hunderttausend Gold-Denare. ״G-tt hat ein Wunder getan,“ rief Pauila Veturia, ״Sein heiliger Name sei gepriesen!“ Woher war das Kästchen mit seinem kostbaren Inhalte gekommen? Die nächsten Kapitel werden uns darüber Aulschlusg geben. — 221 — wahr, Ihr seid Iromm und gut und widmet Eure Tage und Eure Nächte der Erforschung der G-tteslehre; aber Viele von Euch sind stolz auf das erworbene Wissen und überheben sich über ihre Genossen, und Einer ehrt den Andereu nicht genug. Nehmet es Euch zu Herzen, meine Kinder, und bannet den Stoiz und den Flochmut. O, wenn Ihr in Euch geht und Euch die demütigen und derscheidenen Führer Israels, die jetzt haben sterben müssen, zu Vorbildern nehmet, dann sind jene Edlen Euch Retter und Befreier von dem herannahenden Unglück; dann wird sich erfüllen das andere Prophetenwort : Es wird kommen der Friede dadurch, daß Jene ruhen auf ihren Lagerstätten. So spach Rabbi Akiba; aber seine Mahnung verhallte uubeherzigt; eine böse Krankheit brach aus uud raffte viele seiner jünger, die da der Stolz und die Hoffnung Israels waren, hinweg. Mit Schrecken und Trauer sah das Volk ciie beste Biüte seiner Jugend verwelken und ins frühe Grao sinken. Verzweiflung ergriff aiie Herzen, und die Synagogen wurden von Betern nicht leer. Ls war in der Omerzeit, in der Zeit zwischen dem Feste der ungesäuerten Kuchen und dem Wochenfeste. Stärker und stärker grill die schreckliche Krankheit um sich 1111t jedem Tage, den man der Omerzahl hinzufügte, die Krankheit, weiche die edelsten und besten jünglinge Israels sich zum Opfer erkor. Die Trauer war eine allgemeine, alle Freude war aus Israel gewichen, kein Fest wurde gefeiert, kein Ehebund geschlossen, bis am 33• Tage der Omerzähiung U-tt die Gebete seines Volkes ei hörte und der bösen Krankheit Einhait tat. — Seitdem ist die Omerzeit eine Zeit der Trauer geblieben, in weicher man der Freude iernbieibt und Hochzeitsfeste nicht begeht. Nur der 33• lag der Omerzählung, der lö. Tag des Monats ijar, ist als ein Ereudentag eingesetzt Dr. M. Lehman: »AKUbA« 3צ•