Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 48 (23.12.1937)
- Date
- 1937-12-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9569290-9569297-9569485--190-9569491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6 6 »Der Jüdische Herold« BUDAPEST. Das Landes-Fremdenkon• frollamt hat iu den früheren Morgenstunden des Diensteg, 14. December, mit Hilfe der Polizei eine neue umfangreiche Razzia durchgeführt. Seit der Ende November ver• anstalteten Razzia im sogenannten Judenviertel von Budapest, dem VI. und VII. Stadtbezierk, wurde — wie ״Pester Lloyn“ meldet — die Wahrnehmung gemacht, dass ״zahlreiche Personen, die sich der behördlichen Kontrolle aus irgendwelchen Gründen entziehen wollten, ihren Schlupfwinkel וזן den VIII. Stadbezirk verlegt hatten“. Gegen 4 Uhr früh wurde der um TrödelmarKt gelegene Stadtteil von mehreren hundert Detektiven und Polizisten umstellt, desgleichen waren zahlreiche Polizisten auf den Bahnhöfen postiert werden, die insbesondere die Passagiere der aus Nyiregyhäza und Szeged eingetroffenen Züge einhielten und ihre Dokumente prüften. Bei den Haussuchungen wurden zunächst die bei den Hausbesorgern befindlichen Meldezettel überprüft. Personen, deren Personalien von den Kontrollbeamten für bedenklich befunden wurden, wurden aus dem Schlaf geweckt und zur Ausweisleistung angehalten. Innerhalb von drei Stunden wurden 355 Personen, Männer und Frauen, in das Schubhaus gebracht. In dem spät abends ausgegebenen Communique des ungarischen Telegraphen-Büros wurde mitgeteilt, dass von diesen 355 Personen 51 — von ihnen 34 Juden, 16 Christen und 1 Mohammedaner — in Gewahrsam genommen wurden. Die meisten dieser Ausländer hätten sich ohne Erlaubnis in Ungarn aufgehalten und würden ausgewiesen werden. Ausseidem wird gegen 282 Personen das Verfahren wegen ungenügender Ausweisleistung eingeleitet werden• Wie ״Az Est“ meldet, hatte der bekannte antisemitische Stadtrepräsentant Dr. Csillery im Verwaltungsausschuss der Munizipalversammlung darüber Klage geführt, dass ״ein halber Waggon Galizianer“ in Budapest eingetroffen sei, worauf Oberstadthauptmann Dr. Eliässy erklärte, er werde der Sache nachgehen und nötigenfalls entsprechende Massnahmen ergreifen. BUKAREST. Aus Radautz (Bukovina) werden ernste antisemitische Ausschreitungen gemeldet. Zahlreiche jüdische Häuser und Läden wurden von Huiigans überfallen, jüdischem Eigentum wurde beträchtlicher Schaden zugefügt. Bei den Geschädigten handelt es sich vorwiegend um Angehörige des ärmeren Mittelstandes. Aehn• liehe Unruhen werden aus dem Dorfe Poe mi, Provinz Marmorosch, gemeldet, wo zahlreiche Juden überfallen, ihre Häu3'־r und Läden beschädigt wurden. WARSCHAU. In dem Städchen Konieepol bei Czenstochau wurden 17 Häuser durch Feuer vernichtet: 50 jüdische Familien sind obdachlos geworden. PRAG. Der Präsident der Republik Dr. Edouard BeneS verlih dem Vizepräsidenten der Cechosl vakischeu Handelskammer in Tel Aviv, Tolkowski, dem Vize- Präsidenten Levontin und dem Vizepräsidenten der Handelskammer in Haifa Nathansohn den Weissen Löven-Orden. Der Orden wird an Ausländer für Verdienste um den öechoslovakischen Staat verliehen. WARSCHAU In Lodz kam es zu jud־.-nfeindlichen Ausschreitungen. In mehrere jüdische Geschäfte wurden ätzende Flüssigkeiten enthaltende Bomben geschleudertt Unter den jüdischen Geschätsleuten herrsch. Panik. 30 Nationaldemokraten wurden verhafiet. In den Laden von Schalom Miedzilewski in dem Dorfe Mala Czarna bei Warschau drangen drei Huiigans ein, schossen aus Revolvern und schleiderten eine Petazde, die explodierte und den Laden zerstörte. Der Sohn des Inhabers, der 16jährige Wolf Miedzilewski wurde lebensgefährlich verletzt und verstarb kurz darauf im Hospital. UNGARISCHE CEDOfi UREDOH B E I LEOPOLÜ BOCQSTEKi DUN. STREDA ERHÄLTLICH BROCHIERT Kc 40- LEINWANDBAND Kc 50— PRACHTHALBLEDERBAND Kc 60- Herausgeber und verantwortlicher Redakteur LEOPOLD QOLDSTEIN GEDRUCKT bei Leopold Goldstein DUNAJSKÄ STREDA. Postschekkonto Nummer 56.255 in Prag »*־! *י«»זי -**WMBfflii .Hl A «a — 218 — ״ Was machst Du da?“ fragte der Anführer der Soldaten. »Ich küsse die Mesusah,“ antwortete Aquila. »Was bedeutet das?“ ״Seht, jeder König weilt im Innern seines Palastes, vor seiner Türe wachen die Wächter mit gezücktem Schwerte, um das Haupt, um das Leben des Königs zu schützen. Nicht also unser König, der König aller Könige, der ewige G-tt Israels, der Heilige gelobt sei Er. Seine Diener ruhen friedlich in ihren Häusern und pflegen des stärkenden Schlafes. Er aber schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels. Er hat befohlen, daß mir seinen Namen schreiben an die Pforten unseres Hauses; dann schützt und behütet er uns.“ ״Und steht weiter Nichts als der Name G-ttes in dieser Kapfel?״ ״Es steht auch darin, daß wir den einzigen G-tt lieben sollen mit unserem ganzen Herzen, mit unserer ganzen Seele und mit all unserem Vermögen, daß wir Seine Lehre bewahren sollen bei Tag und bei Nacht.« ״Welchen Lohn gibt Euch Euer G-tt dafür?“ ״Er gewährt uns Seinen allmächtigen Schutz, so lange wir hier auf Erben leben, und nach dem Tode führt Er unsere unsterblichen Seelen in die wonnereichen Gefilde des ewigen Heils.“ Staunend lauschten die Legionäre den Worten Aquilas, ״Sei Du unser Lehrer und Führer,“ sagte der Hauptmann, »damit auch wir dereinst Anteil erhalten an dem ewigen Leben, welches G-tt seinen Frommen verheißen.“ Und so geschah es, der Anführer sowohl, als die Soldaten ließen sich beschneiden und traten zum Judentume über. Kaiser Hadrian gab es auf, seinen Schwestersohn gefangen nehmen zu lassen. Von da an und weiter blieb Aquila unbehleligt, - 219 — XXXVII. Rabbi Josua ben Chanania war gestorben, und während ganz Israel ihn beweinte und betrauerte, erfüllte eine neue Todesnachricht mit Trauer und Schrecken jedes Herz, denn auch Rabbi Elasar ben Asaria hatte seine segensreiche Laufbahn vollendet. Nun war Rabbi Akiba der erste, größte und bedeutendste Mann in Israel, nicht nur in Bezug auf Wissen und Können; sondern auch in Bezug auf äußeres Ansehen; er war tatsächlich der Fürst seines Volkes, wenn er auch diesen Titel nicht annahm, der für den damals noch sehr jungen Sohn Rabbon Gamliels, Rabbon Schimeon ben Gamliel, aufbewahrt blieb. Dieser besuchte zu jener Zeit noch die Schule zu Bethar. Nach dem Falle Jerusalems war die genannte Stadt rasch emporgeblüht und zur Haupt- und Mutterstadt angewachsen. Unterdeß wütete der römische Statthalter Tinius Rufus auf das Heftigste gegen Alles, was den jüdischen Namen trug. Männer und Frauen sollten gezwungen werden, die Standbilder des Kaisers anzubeten und ihnen zu opfern. Wer sich dessen weigerte, wurde unter den schrecklichsten Qualen hingerichtet. Auch das unschuldige Blut zweier großer Männer, des Rabbi Schimeon ben Nessanel und des Rabbi Jischmael, ließ Tinius Rufus vergießen. Als Rabbi Schimeon und Rabbi Jischmael zum Tode geführt wurden, weinte der Letztere gar sehr. Da sprach Rabbi Schimeon zu ihm: ״Du edler, großer Mann, Du Vater und Führer Israels, nur zwei Schritte trennen Dich noch von der Gemeinschaft der Frommen im Paradiese und Du weinst?« — Und Rabbi Jischmael sprach: »Nicht weine ich darob, daß ich sterben muß, sondern um meiner Sünden willen, die ich wohl begangen haben muss, da der allge־ rechte G-tt, der Fels, dessen Tun vollkommen und dessen Wege allesamt Gerechtigkeit, der G-tt der Wahrheit, an dem