Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 41 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9569290-9569297-9569431--132-9569433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 »Der Jüdische Herold« ihre Suprematie im vollen Umfange noch in unserer Zeit besteht. Wir besitzen in der Slowakei G. s. D, Jeschiweus, die auch über die Grenzen unseres Landes dafür bekannt sind, dass sie die Eignung haben, teuregelehrte und g-ttesfürchtige Männer zu erziehen. Diese Jeschiweus erfüllen treu ihre hehre Mission bis der Zögling sein 18. Lebensjahr erreicht, denn wenn er sich auch in der Wissenschaft und G-ttesfurcht vervollkomnen kann, für das praktische Leben aber ist er ungeeignet und kann sich auf der Bühne des Lebens nicht bewegen. Er ist während seines Studiumes von der Ausenwelt verschlossen und ist weit-und menschenfremd. Die Jeschivah in Pressburg hat die phenomenale und bewunderungswürdige Kraft in sich, dass ihre Schüler nebst der emsigen Teurevertiefung und Befolgung der reinsten G-ttesfurcht, dort auch für das praktische Leben ihre Reifheit eriangen und sich in der Gesellschaft elastisch bewegen können. Sie sind dadurch prädesteniert, im Leben dominierende Positionen zu gewinnen und die Fahnentiäger unserer heiligen Religion zu sein, um sie gegen den Sturm der Assimiianten zähe und heldenhaft zu verteidigen. Solche Männer erfordert das Judentum, denn wir brauchen wie S. R. Hirsch überaus treffend bemerkt ״Zadikim beteuch hoir“ Gerechte und Religiöse, die sich in der Stadt bewegen und am Leben und Treiben ihrer Mitmenschen teilnehmen. ״Harbe osü kerabi Simeun ben Jeuchoi“ wenn sich zahlreiche finden, die diesem grossen Rabbi nachahmen, der sich von der menschlichen Gesellschaft total zurückzog und ein überirdisches Leben führte, dann ״leu olso bejodom“ gelingt es ihnen nicht und jhr System ist in diesem Falle zum Scheitern verurteilt. ln den meisten Jeschiweus ist das Verhältnis des Bochürs zu den Gemeindemitgliedern ein loses. Es gibt sogar viele, die den Bochür als ein unlösbares Rätsel betrachten und es nicht erfassen können, dass es junge Leute geben kann, die den irdischen Glücksgütern den Rükken kehren und ihr Ideal in dem ausschlieslichen Studiume der heiligen Lehre finden. Natürlich ist der Bochür unter einer solchen Atmosphäre in seiner geistigen Entwickelung gehemt und ein deprimierendes Gefühl bemächtigt sich seiner. In Pressburg hingegen, wo die Gemeindemitglieder sich dessen vollauf bewusst sind, dass sie ihren Weltruf einzig und allein der Jeschiwehinstitution verdankensind die Bachürim mit den Baaiebatim eng verknüpft und verschmolzen, da man in ihnen die designierten Führer und Wegweiser unseres Volkes erblickt. Dieses erhebende Gefühl verleiht den Bochür einen geistigen Schwung und fördert seine Vervollkomnung. Aus diesem Grün, de bemerkt der Ksav Seufer s. j. o. musste unser Erzvater Jakeuv die Jeschiwah seines Vaters verlassen, um nicht in der Gesellschaft eines Esavs zu lernen, der für seine Idiale kein Verständnis aufbringen konnte. Der Weckruf unseres heissgeliebten Meisters und Lehrers des Pressburger Rebe wird in Bälde erlönen: Ermöglichet den Bau des Internates. Da wird es dann die selbstverständliche Pflicht aller ehe• maligen Schüler und Verehrer der Teuro sein, diesen Appell zu beherzigen und für die Verwirklichung dieses edlen Projektes in die Schranken zu treten und materielle Opfer freudigst zu bringen. Ein anhänglicher Talmid. Die täglichen Pogrome in Polen. In der Ortschaft Mlava im Kreis Warschau ist es am Markttag zu blutigen Ausschreitungen gegen die jüdischen Händler gekommen. Fünf jüdische Markthändler wurden schwer verwundet. Fast alle haben Verletzungen am Kopf erlitten. Die Stände der jüdischen Händler wurden umgeworfen, die Waren vernichtet. Fünfzehn Nationaldemokraten und drei Juden verhaftet. Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung von Mlawa kam nach Warschau, um beim Ministerpräsidenten Skladkowski Beschwerde zu führen. In einem Vorort von Warschau haben Huligans auf den jüdischen Bäcker Abraham Rosenstein mehrere Schüsse abgegeben, von denen einige trafen, Rosen, stein wurde in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht. In Drohobycz, Galizien, misshandelten Huligans den jüdischen Kaufmann Bernard Rappaport schwer. Rappaport ringt mit dem Tode. In Lemberg wurde der polnische Richter Strzelecki blutig geschlagen, weil er irrtümlich für einen Juden gehalten wurde. In mehreren Orten Ostgaliziens griffen Huligans jüdische Häuser an und zertrümmerten die Fensterscheiben. Der Bürgermeister von Posen, Wieckowski, versandte ein Rundschreiben an alle städtischen Angestellten in dem er allen städtischen Beamten, die bei Juden kaufen, jüdische Aerzte aufsuchen oder Franzbranntwein und jetzt auch Zahn-Creme sonstigen Verkehr mit Juden haben, mitteilt, dass sie keine Aussicht auf Beförderung haben. Da sich das Ausschlagen von Fensterscheiben in den kleinen Städlen in Polen immer wiederholt, ist die jüdische Bevölkerung in zahlreichen Orten dazu übergegangen, Scheiben aus Celluloid und anderen durchsichtigen Stoffen einzusetzen. Das Lodzer Kreisgericht verhandelte über die Berufung der Nalionaldemokratin Helena Slodowicz, die wegen eines beleidigenden Zwischenrufes gegen Marschall Pilsudski bei einer Versammlung in der Lodzer Philharmonie zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Auf die Beteuerung hin, dass sie lediglich gerufen hat: ״Warum schlachtet man nicht 2 alle Juden ab 1“ sprach das Bcrufungsgericht die Angeklagte frei. Jüdische Gemeinde und Kaufmännischer Verband der Stadt Rawa-Mazowiecka sandten eine Delegation an die jüdischen Zentralstellen in Warschau, in der diese ersucht werden, die Regierungs• stellen darauf aufmerksam zu machen dass die Judenheit der Stadt seit längerer Zeit furchtbarem Boykott-Terror ausgesetzt ist und dass es leicht zu einem Pogrom kommen könne, falls nicht rechtzeitig eingeschritten wird. Im Kraszynski-Garten in Warschau begossen zwei Huligans das in seinem Wagen schlafende 4V*jährige jüdische Mädchen Mirjam Menake mit Petroleum, zündeten es an und flüchteten. Das Kind erwachte unter grässlichem Geschrei. Das Feuer Konnte rechtzeitig gelöscht werden. Das Kind hat nur unbedeutende Wunden davongetragen. NACHRICHTEN KALENDER. פרשת תולדות הסט־ טשא דבר ה׳ שנת Lichtzünden (in Dun. Streda) 4.05 Schabbos-Ausgang 5,15 פרשת ויצא הסט' ויברח יעקב שבת Lichtzünden (in Dun, Streda) 3.55 Schabbos-Ausgang 5.05 §ALA N. V. Am Freitag ist hier Rabbi Jizchok Aharon Felberbaum o. h, gewesener langjähriger Schochet übeudeck in Födemes niftar geworden. Derselbe war ein Schwiegersohn von Rabbi Chaim Vitriol s. 1. Magid in Munkacs und Schwiegervater von Rabbi Awrohom Einhorn s. 1. Dajon in Szom• bathely. Vor einigen Jahren nachdem er in den Ruhestand getreten war besetzte er sich hier und erreichte ein Alter von 75 Jahren. Sr. Ehrw. Oberrabbiner Strasser würdigte in bewegten Worten die Verdienste des Verschiedenen. Bratislava. Am vergangenen Sonnlag fand hier nach der Semestereröffnung der hierorligen Jeschiwa die erste ordentliche Sitzung der Leitung der Vereines ,,Menza“ statt. Vor der Eröffnungsrede begrüsste den Obmann im Namen der ״Jeschiva“ Herr Sekretär L. Fettmann u. seitens der Bechurim Herr A. Lenz, M. G-ttesmann u. I. Katz. Die Eröffnungssitzung hielt der gesch. Präses der Vereines Herr Isidor Fleischmann. Nachdem er in einer längeren Ausspräche die Situation der Menza Schilderte u. bei Ankunft während der Sitzung den ehrw. Oberrabbiner begrüsste ergriffen die Vereinsgaboim das Wort. Diese Gelegenheit benützten sich die Gaboim im Namen der ganzen Jeschiwa Herr Obmann Izidor Fleischmann für seine aufopferungsvolle und und mustergiltige Mitarbeit und Mithilfe an der Menza ihren tiefsten u. herzlichsten Dank auszusprechen. Möge es ihm gegönnt sein noch mehrere Jahrzehnte bei vollster Gesundheit u. geistiger Frisehe im Dienste solch heiliger und menschlicher Aufgaben zu stehen. PEZINOK. Hier wurde eine sehr schöne cvD-Feier über ט‘ נדרים veranstaltet, bei welcher viele gediegene Teurohworte gesprochen und שירות ותשבחות gesungen wurden. Erst um Mitternacht trennte man sich mit dem festen Vorsatze, auch weiterhin mit gleichen Eifer dem ליטוד תורה ברבים sich zu widmen. Die Bachürim der hiesigen ישיבה verbanden damit gleichzeitig ihren סיום auf מס' 6םחים, Die Gemeindeleitung war durch ihren g. Vicepräses, Herr Miksa Kohn vertreten• D!