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Der jüdische Herold · 1937-10-28 · 40 (28.10.1937) · p. Seite 2

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
40 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Hungarian
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2 2 Ihr wollet also blosse Emunoh, blossen Glauben? Frome andächtige, weihrauchbegleitete, von Orgelklängen um umrauschte Schwärmerei? Das wirkliche Leben äussert sich aber in Taten und Handlungen! Das wirkliche Leben, den so gewaltig rauschenden Lebensstrom yermögen blos die starken und mächtigen Schutzdämme der so sehr geschmähten Gesetze, der so sehr herabgewürdigten ״Paragraphen“ in das ihm gebührliche Strombett zurückzudrängen, den ge hörigen Zielen entgegenzuführen. Wohl ist schön und erhaben das andächtig fromme Schwärmen, das reale Leben verlangt aber ein wegweisendes, richtunggebendes, die Taten und Handlungen regulierendes Gesetz ״ וצדק באמונתו יחיהDer Gerechte hat in seinen Glauben zu leben 1 Der warhaft Fromme, G-ttergebene Mensch zieht sich nicht zurück mit der schwärmenden Andacht blossen Glaubens in die neblige Welt abstrakter Begriffe und verschwommener Empfindungen, sondern ״er lebt in seinem Glauben.“ Er umfasst mit seinen Armen das grosse, gewaltige, in tausenderlei Äusserungen schwelgende Leben und durchlebt es gemäss den Wegweisungen und Anordnungen des Thoragesetzes, welches auf diese in tausenderlei Weise hervorblühen^den Lebensäusserungen ebenfalls in tausenderlei Weise reagiert. Die Thorah ist ein gewaltiges Spielinstrument mit 613 Saiten, Jede dieser Saiten resoniert auf die Berührung seitens einen der Äusserungsforrnen des grossen, allumfassenden Lebensprozesses und spendet dann ihren eigenen Klang. Das Judentum ist ein עץ חיים Baum des Lebens, Es ist die Religion des Lebens, Das Leben aber hat seine ungezählten Ausserungsarten. Das Hervorsprühen lassen des heiligen Funkens חעלאת נצוצים, das den g-ttlichen Willen adäquaten Strebens und Zieles aus einer jeden einzelnen Lebensfunktion — dies ist und bleibt der höchste Beruf und das höchste Streben der jüdischen ״Gesetzesreligion“ חי חי חוידך Alles Lebendige huldige Dir 1 Das Leben mit seiner tausendsaitigen Harfe soll nur ein Lied ertönen lassen: G-tt ist immer und überrall und mit allen zu huldigen und zu dienen! (Fortsetzung folgt.) Judenprogrom in Danzig. Unter den Augen des in Danzig rtjsidierenden Hochkommissars des Völkerbundes, der u, a. darüber zu wachen hat, dass die religiösen und nationalen Minderheiten auf dem Territorium des Freistaates Panzig nicht entrechtet und verfolgt wer• *Der Jüdische Herold« den, hat am Samstag in Danzig ein für die Juden materiell sehr verlustreicher und auch sehr blutiger Progrom stattgefunden. Der Pogrom wiederholte sich in der Nacht zu Sonntag. Er kam nicht überraschend; ihm ging eine umfassende terroristische Boykottaktion voraus. Die Juden Danzigs waren gewarnt, die Leitung der Jüdischen Gemeinde hatte einen Aufruf an die Danziger Juden verröffentlicht, in welchem sie den Ernst der Lage betont und die Juden aufgefordet hat, Ruhe und Würde zu bewahren. Diesem Umstande ist es zu verdanken, dass der Pogrom nicht noch grosseres Ausmass angenommen hat. Das Charakteristische an diesem Pogrom ist dass er von dem nationalsozialistischen Gauleiter für Danzig, Forster, wenn auch indirekt, angekündigt wurde. Auf einer vor einer Woche stattgefundenen Kundgebung der NSDAP im Danziger Staatstheater hatte Förster laut Bericht der nationalsozialistischen Presse mit Bezug auf die Juden u. a. erklärt: ״Die Juden haben in den letzten Monaten in Danzig ein Benehmen an den Tag gelegt, das mehr als frech und unverschämt gewesen ist. Dieses fremdiändische Gesindel, insbesondere die aus dem Osten ganz frisch eingewanderten uud verdreckten Juden, tun gerade so, als ob sie die Herren in Danzig wären . . . In den Sommermonaten ist es gerade das Ostseebad Zoppot gewesen, das von allen möglichen Judentypen überlaufen war. Wohin man in Zoppot kam, man war nirgends vor dieser dreckingen und schmieringen Rasse sicher. Sie haben sich Franzbranntwein und jetzt auch Zahn-Creme in verschiedenen Lokalen Zoppots eingenistet wie die Wanzen. Das ist ein Zus* tand, den wir in Danzig und auch in Zoppot unter gar keinen Umständen länger dulden können .. .Die nationalsozialistische Partei in Danzig wird daher in ihrer propagandistischen Tätigkeit während der nächste Monate besonders die Judenfrage zur Sprache bringen. Darüber hinaus wird sich der Staat gezwungen sehen, das allzu Auftreten und das Überhandnehmen der Juden in Danzig auf seine Weise zu verhindern. Wenn im Zuge dieser beabsichtigen Tätigkeit da und dort ein Jude wegen Missbrauchs des Gastrechtes von uns zur Rechenschaft gezogen wird dann soll man uns ja nicht mit dem Einwand kommen, dass dieser Jude der Angehörige eines anderen Staates sei. Wir können ihm ja leider nicht ansehen, dass er eine andere Staatsangehörigkeit besitzt, denn ein Jude schaut eben aus wie ein Jude I Das wäre aber der Höhepunkt, dass man für einen Juden, weil er zufällig ein anderer Staatsangehöriger ist, Eintritt und besondere Rechte geltend macht, obwohl man denselben Juden in dem für ihn zuständigen Lande genau so rücksichtslos bekämpft, wie wir ihn bei uns auch bekämpfen.“ Kaum eine Woche verging, und schon zeigten sich die gewollten Wirkungen dieser Worte. Es fand in Danzig ein wohlorganisierter Pogrom ״mit verteilten Rollen“ statt. Kleinere Gruppen rotteten sich vor jüdischen Geschäften in den verschiedensten Teilen der Stadt zusammen, zertrümerten die Schaufenster, misshandel־ ten die Ladeninhaber und ihre Angestellten und bemächtigten sich in verschiedenen Fähen auch der Waren. Der Havas-Berichterstatter konnte ausdrükiich feststellen, dass die Pogrom-Gruppen sich aus Mitgliedern der SS und Hitler-Jugend zusammensetzen. Die Polizei verhielt sich, wie der gleiche B'richterstatter feststellt, vollkommen gleichgültig. Zahlreiche jüdische Passanten in den Strassen wurden ergriffen und niedergeschlagen. Eine Reihe jüdischer Geschäfte sind vollkommen ausgeplündert und zerstört. Auch diejenigen jüdischen Geschäfte, die wegen des Sabbath-Ruhetages geschlossen, waren, wurden zum Teil angegriffen. NACHRICHTEN KALENDER. פרשת חיי שרה הפט' והמלך דוד מב׳ החודש שכת Lichtzünden (in Dun. Streda) 4-15 Schabbos-Ausgang 5.25 'פרשת תולדות הפט׳ משא דבר ה שנת Lichtzünden (in Dun. Streda) 4.05 Schabbos-Ausgang 5.15 Pelky■־nieder. Diese Woche Donnerstag findet hier die Hochzeit des Herrn Geza Schöntal aus Galanta mit Fräulein jolan Kohn aus hier statt. (Wir gratulieren herzlichst. Die Redaction.) K0S1CE. Wie wir erfahren werden in mehreren Gemeinden, die Rabbinerfragen auf friedlichem Wege erledigt werden. In Humenne sind schon die Kandidaten nominiert. — In Jelsava hat die Chasoko gesiegt und wird für das Enkel des seeligen Oberrabbiners — זצ״ל ein passender Rabb, Candidat besorgt. — In Plesivec wird noch bis Ablauf des Jahres mittelst einer Wahl seitens der Muttergemeinde und Filialgemeinden die Rabbinerwahl abgehalten werden. In den übrigen Gemeinden werden auch die Vorbereitungen gemacht zu einer friedliehen Lösung der akut gewordenen Rabbinerwahl. S. B. PRES0V. Der rühmlichst bekannte gewesene Präses der orth. Gemeinde Dr. Neuwirth ist plötzlich eines Herz- Schlages erlegen. Die 'הלוי war Sonntag im Beisein aller Bewohner der Stadt und hat allgemein, zufolge seiner edlen Leistungen, einen erschütterenden Eindruck hervorgerufen. S. B, Bratislapa. Das Mazewoh-Stellen für den voriges Jahr verstorbenen Pressburger Dajan Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Simon Lebovits s. Z. 1. findet am Jahrzeitstage כ״ח חשון Dienstag den 2 November vormittag 10.30 Uhr statt.

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