Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 40 (28.10.1937)
- Date
- 1937-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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Tli1, Knfhovna aäb Masarikova js o 1J׳A B H S ORTHODOXES ORGAD ■aaw txwBtasssBmB Mit der Übernahme von 3 Blätter ist das Abonnement anerkannt. Novioort wftUtaB וסין rillte liaüid'ilrai po* a telegnio* 1 BnHsba% Mo IM79 lll M. Podavaci poit. ürad D« Streda. REDAKTION und ADMINISTRATION DUNA]SKÄ STREDA TELEFON 74. ERSCHEINT ]EDEN DONNERSTAG. - jrvrrrmm* caas■ ABONNEMENTSP REISE: Inland Ausland Ganzjährig K i. 50.— 70.— Halbjährig 35 —.26 ״.— Vierteljährig 15 -*13 ״.— NUMMER 40. (644.) 28 Oktober 1937. דונאםערדאהעלי כג׳ חיצון תרציח m. G. XIII. JAHRGANG ■Mai Die ״Gesetzes-Religion“ und das ״Religionsgesetz.“ Von Rabb. Ph. Fischer Särospatak. Einer-nach ihrer eigenen Meinung — der schwerwiegendsten Einwürfe und Gegenbeweise, welche gegen das Judentum von Angehörigen fremder Konfession, besonders aber von Missionspredigern, die die jüdisehen Gläubigen für ihre eigene, alleinseligmachende Kirche »bekehren« möchten und mit dem gehörigen Mass Disputierkunst oder — Sucht ausgestattet sind, ins Treffen geführt werden, ist der Vorwurf, dass das Judentum ein »schweres Joch«, ein blosses Konglomerat von unzählig vielen unbequemen Gesetzen, mit einem Wortei »Gesetzes-Religion« sei. Diesem gegenüber weisen sie nun auf ihre eigene Religion hin, bei der אותיות פורחות באדר die »Buchstaben«, die Lehren und Unterweisungen, gleichsam befreit von aller irdischen Schwere der Steintafeln des Gesetzes, in den Höhe ätherischen Blaues schweben, fliegen. Wie bei ihnen die ganze Welt der Religion sich zu blossen erhabenen, verschwommenen Dogmen, Glaubensgrundsätzen und zu in traumhaften Gemülsahnungen seinen Wiederklang findenden himmlischer Mysticismus sublimieren . . . Selbst der sonst liberale Renan nennt das talmudische Judentum, also unser Judentum eine blosse »Paragraphenmacherei, das kein höheres Ziel und Streben kennt, als um mit immer neuen Paragraphen die schon vorhandenen zu mehren. Ein spätes Echo des bereits von Jesias gerügten Zerrbildes : 1 קולנו יצא לצי Nun aber unsere Antwort hierauf. איש אמונות רב כרכות »Der Mann, der voll des Glaubens ist, (dies be* deutet wohl hier אמינות in Phiral,) der erwirbt sich vielen Segen, so lautet es in den Sprüchen Salomos♦ (27,20 ) Ja, Glaube 1 Emunah l Unerschauerlicher Glaube an G־tt, an dem höheren Beruf des menschlichen Daseins und Lebens, an dessen Be- Ziehungen zu einer höhere, transcedentale Welt. Gibt es denn einen grösseren Segen, einen beglückenderen Schatz hier auf irdischen Fluren als einen so’chen festen Glauben 1? Und wenn du auch die ganze Erdenwelt dein eigen nennen könntes, mit allen ihrem Palästen und Schatzkammern, mit allen ihren Genüssen und Zer- Streuungen, aber der Glaube fehlte dir, der Glaube an G-tt und an den höheren Beruf des Menschenlebens auf Erden, — ach, wie arm wärest du dann! Ärmer als der elendste Bettler, der mit dem Spruche seinen Geist aushaucht : Ja, mein Erlöser lebt, und bleibt als letzter bei meinen Staube I אכן מאלי חי ואחרית על עפר יקום Ohne Glauben hat weder das Leben noch der Tod einen Sinn, ein vernünftiges Ziel 1 Ohne Glauben grinst uns das ganze All wie ein wüster Chaos an I Ohne Glauben bist du das unglücklichste Wesen hier auf Erden, du mit Vernunft begabter, aber doch sterblicher Mensch I Siehe doch, wir wollen einmal aufschlagen das Buch des Lebens: die תורה. Vernimm nun die ersten Wortei בראשית ברא! Am Anfang erschuff . . . Das Bild des ganzen Weltalls taucht auf vor deinen Blicken. Himel und Erde. Sonne und Mond und all die Gestierne. Pflanze und Tiere. Aber all dieses starrt dir als eine tote Materie, ein lebensloses Wir-Warr, ein unbegreifbares Tohuwabohu entgegen. Bis dann auch das weitere Wort dir entgegenklingt i אלק־ם! »G-tt«! Ja, Er, und nur er hat alles ins Dasein gerufen l Ja, Er, und nur er verleiht Sinn und Zweck, Leben und Ziel allen Daseienden, dem ganzen Sein 1 Und es ertönen die auf dem Sinai in die zwei steinernen Tafeln hineingegrabene G-ttesworte אנכי ולוא יהיה לך מפי הגבורה שמענום Die zwei erste: אגיני und לא יהיה לך hörte das Volk aus dem Munde der unendlichen, g-ttiiehen Macht selber. Der Glaube an den einen einzigen lebendigen G-tt dies ist die Vorbedingung, das unerschütterlich feste Fundament, der Ausgang und Zielpunkt des ganzen Gesetzes, all der übrigen 611 Vorschriften der Thora, Ohne G-ttesglauben erstarret die Ausübung der Mizwoth zu leblosen totem Mechanismus. Die Emunah gibt Schwungkraft, verleiht in die Höhe emportragende Fittige den Mizwoth. Sie allein haucht Leben, Sinn, Zweck und Ziel, gen Himmel emporschwebende Geistigkeit in sie hinein. Darum sagt der heilige Sänger: ״ ואני דרך אמונה בחרתיIch aber wählte den Weg des Glaubens" (Ps. 119.) Doch wehe uns, hundertmal wehe uns 1 wenn wir einzig und allein die אמונה den Glauben wählen wollten. Denn סצוה ohne אמונה ohne unerschütterlichen Glauben an G-tt ist ein Gebäude ohne Fundament, ein Stamm ohne Wurzeln 1 Aber blosse טצוה ohne אמונה hochschwebende Glaubensgrundsätze, mystische Gefühlsregungen, G-tt erscheinendes frommes Schwärmen ohne כצוה ist eine Wurzel, der kein Stamm entwachsen ist, ein Unterbau, worauf kein Gebäude sich erhebt. Solche einseitige אמונה is ein Tempel, dessen Bau ein Torso geblieben ist eine halb vollendete Statue l כרו לי זדים שיחות אשר לא כתורתך כל מצותיך אמונה. Mutwillige haben mir Gruben gegraben, indem sie nicht wie Deine Tora (sprachen): Alle Deine Gebote ♦. Emunoh! Glaube! (Ps. 119.) Ja sie, die Mutwilligen, die Hochfahrenden, denen die Selbstbeherrschung,Enthaltsamkeit,Entsagungsfähigkeiten, Opferbereitschaft, Uneigennützigkeit, Lebensheiligkung fordernde Gesetz der Thora ein benötiges Joch ist, sie graben Gruben für die echte jüdische Lebensart, indem sie fortwährend künden; כל מצותיך Die Summe, das Ziel sämtlicher Mizwoth ist אמונה der blosse Glaube! Daher genügt schon der blosse Glaube!