Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 37 (7.10.1937)
- Date
- 1937-10-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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6 »Der Jüdische Herold« 6 JERUSALEM. Die Csl. Judengemeinde des Kolel Schomre Hachomoth in Jerusalem varanstaltete am 21 Sept. 1. J. am Tage der Leichenbestattung des Presidenten- Befreiers T. G. Masaryk eine eindrucksvolle Trauer-feier in ihrer Hauptsynagoge בית שמואל bei weleher das C. S. Generalkonsulat in Jerusalem vertreten war. Die Trauerrede hielt Sr. Ehrw- Herr Oberrabbiner Josef Zwi Duschinsky. JERUSALEM. Die 63 änrige, aus Konstantinopel stammende Sarah Tovi, die versucht hatte, die palästinensische Grenze illegal zu überschreiten, und dabei verhaftet worden war, hat in dem Regierungskrankenhaus in Safed, wohin sie nach ihrer Verhaftung gebracht wirde, Selbstmord durch Erhängen begangen. Die greise jüdische Frau war, nachdem sie drei Tage lang ohne Nahrung in der Wüste herumgeirrt war, an der Grenze in völlig erschöpftem Zustand aufgefunden worden. — Über vierzig arabische Orangen Exporteure, die Verträge mit jüdischen Pflanzern geschlossen haben, sind von einem Geheimbund unter Todesdrohung aufgefordert worden, die Verträge rückgängig zu machen. Mehrere Exporteure haben an ihren Wohnungseingängen Bumben u. Revolverpatronen gefunden. — Zwei Arzte in Tel Aviv sind in Drohbriefen von einem ״Verband der Freiheits- und Volkskämpfer“ aufgefordert worden, 100 bzw. 200 Pfund zu hinterlegen. —- 11 Haifa beabsichtigen zahlreiche wohlhabende Araber, angesichts der herrschenden Un- Sicherheit und des verstärkten Terrors die Stadt zu verlassen. Die Poalim ~ Aktion des Keren Hajischuw. Die Kenessio Gedeulo in Marienbad hat uns zu erneuter und erhöhter Tatbereitschaff aufgefordert. Der ״Moazas Gedaulo Hateuroh“ hat die Arbeit für Keren Hajischuw und Agudas Jisroel überhaupt als ein Cheuw kodeusch bezeichnet. Es ist daher unsere selbstverständliche Pfiicht, sofort an die Erfüllung der Aufgaben heranzutreten, die der Keren Hajischuw von uns verlangt, und die im Interesse der Chawerim in Erez Jisroel, der Pioniere, die unter ungeheurem Messirass Hanefesch ihr Leben für die Verwirklichung unserer Ideale im Heiligen Lande opfern, durchzuführen sind. Wir haben in den Verhandlungen der Kenessio Gedeulo oft und von vielen Seiten zu hören Gelegenheit gehabt, wie wichtig und unumgänglich notwendig die Arbeit des Keren Hajischuw in Erez Jisroel ist, um die Basis einer wahren Teuroh- Arbeit auf allen Gebieten des Lebens, insbesondere in den Fragen d־*r jüdischen Erziehung, aber auch in den Fragen des wirtschaftlichen Aufbaues zu erhalten. An uns liegt es, von unserer Arbeit hängt es ab, ob unsere Freunde und Gesinnungsgenossen in Erez Jisroel auch nur die Möglichkeit haben, fürderhin für die Teuroh zu arbeiten und in teurohgemässer Weise ihr Leben zu führen. Unsere Poalim-Organisation in Erez Jisroel, die in einer so günstigen Entwicklung begriffen ist, und die durch ihre Verbundenheit mit dem täglichen tätigen Leben am ehesten die Möglichkeit hat, unsere Positionen in Erez Jisroel^zu festigen, bedarf dringend der Unterstützung, wenn sie ihre wirtschaftlichen und damit auch gleichzeitig ihre idellen Aufgaben erfüllen soll. Seien wir daher unserer Pflicht bewusst und führen wir sofort eine Aktion zugunsten der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel durch! Unsere Brüder in Erez Jisroel warten auf uns! Sie sind in grösster Not und nur die tatkräftigste Unterstützung aller Gesinnungsgenossen in der ganzen Diaspora kann ihnen neuen Mut zur Arbeit geben und sie in die Lage versetzen, den vielen Anfeindungen wirtschaftlicher und ideeller Natur, denen sie täglich und stündlich ausgesetzt sind, zu begegnen. Eilen wir ihnen zur Hilfe und zögern wir nicht! SUCHE zu meinen 2 Kindern ein 10-Jähriger Knabe, und ein 12 Jähriges Mädchen einen Hauslehrer, der ihnen so im jüdischen wie im Profane-Gegenstände, tüchtigen Unterricht erteilen soll. Gehalt laut Uebereinkommen. Der im Buchführung versirt ist, wird bevorzugt. Eigenhändig geschriebene Offerte in allen drei Landessprachen sind zu richten an Herrn VILIAM KATZ Likörfabrikant Dobsina — 174 - »Die Synagoge ist das G-tteshaus, das große Lehrhaus, welches der Ruhm und der Stolz der Juden Alexandrias ist.“ ״Ah, Du meinst die Proseuche?« ״Wohl, diese meine ich. Schicke Deine Boten umher zu allen Juden der Stadt und lasse ihnen sagen, daß ein Abgesandter der Weisen aus dem Lande der Väter da ist, der zu ihnen sprechen will.“ ״Ich werde tun, wie Du es wünschest. Am nächsten Sabbat, nach dem Schlüsse des G-ttesdienstes magst Du Deine Anrede halten.“ Rabbi Akiba verabschiedete sich von dem Alabarchen. Als er auf die Straße trat, herrschte in derselben ein festliches Treiben. Es wurde das Fest des Dionysos gefeiert. Von allen Seiten ertönte Trommel- und Flötenklang, Schellengerassel und lautes Jauchzen. Da führte ein Jüngling einen Zug. Mit epheuranken umkränzt und einen Thyrsustah schwingend, tanzte er vorwärts und hinter ihm her sprangen und jubelten Männer und Frauen, alle bis zur Tollheit erregt, jauchzend, singend und tanzend. Wein-, Epheu- und Asphodelusranken umflatterten hundert Häupter; Pappel-5 Lotus- und Lorbeerkränze schwankten auf glühenden Stirne^ Phanter-, Hirsch- und Rehfelle hingen von nackten Schultern und wurden beim schnellen Lauf vom Zugwinde hoch in die Luft geworfen. Künstler und reiche junge Herren mit ihren Geliebten zogen in Begleitung einer Musikbande daher. Wer auch diesem fröhlichen Haufen begegnete, den zog er an, den riß er mit sich fort! Bürger und Bürgerfrauen, Arbeiter, Dirnen, Sklaven, Soldaten und Matrosen, Offiziere, Flötenspielerinnen, Handwerker, Schiffsführer, erregte Weiber, die einen Bock, der dem Dionysos geschlachtet werden sollte, mit sich zerrten. — Niemand von ihnen widerstand der Lockung, dem Zuge zu folgen. - Wie klangen die Doppelflöten so laut, wie schlugen die Mädchen so kräftig auf das Kalbfell der Handtromrael, während der Wind sein - 175 - Spiel trieb mit dem aufgelösten Haar der tobenden Weiber und dem Rauche der Fackeln, die übermütige Gesellen als Pane und Satyrn verkleidet laut aufjauchzend schwangen Liier schneite ein Mädchen in vollem Laufe ein Tamburin hoch in die Luft und schüttelte die Schellen in seinen Reifen so heftig, als sollten sich die hohlen metallenen Kugeln von ihm ablösen und auf eigenen Wegen die Luft durchsausen. Dort, neben einem bis zur Grenze des Wahnsinns erregtem Weibe, hüpfte in ausgesucht zierlichen Sprüngen ein schöner Jüngling daher, trug den langen Stierschwanz, den er sich angeheftet hatte, mit komischer Sorgfalt unter dem Arm und blies von der längsten in die kürzeste und von der kürzesten in die längste der Röhren, die seine Panflöte bildete. Mitten aus dem rasch dahinlärmenden Zuge klang manchmal lautes Gebrüll, das eben so gut die Lust wie der Schmerz erzeugt haben konnte. Aber es wurde jedesmal schnell von tollem Gelächter, ausgelassenstem Gesang und lustiger Musik übertönt. — Alt und Jung, Hoch und Gering, Alles, was sich dem Aufzuge nahte, wurde mit unwiderstehlicher Macht fortgerissen, ihm jauchzend zu folgen. Rabbi Akiba drückte sich an die Mauer der Häuser und wandte mit Verachtung seinen Blick von dem eklen Treiben. Dann sprach er vor sich hin : ״An uns ist es, zu preisen den Herrn des Weltalls und zu verkünden den Preis des Schöpfers, daß er uns nicht gemacht hat wie die Völker der Länder und nicht eingesetzt wie die Geschlechter des Erdreichs, daß Er nicht gegeben hat unseren Anteil wie sie und unser Los wie alle ihre Menge; denn sie bücken sich vor Eitelkeit und Nichtigkeit und flehen zu G-ttern, die nicht helfen können. AU’ ihre Frömmigkeit ist ein Greuel und mit abscheulichen Lastern feiern sie ihre Feste.“ XXX. Die große Synagoge von Alexandria war gefüllt bi*