Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Herold · 1937-10-07 · 37 (7.10.1937) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
37 (7.10.1937)
Date
1937-10-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Hungarian
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9569290-9569297-9569395--096-9569397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

2 sonen in Aegypten für eine etwaige Intervention marschbereit gehalten werden• Es sind Vorbereitungen getroffen worden, um im Notfälle kleinere Infanterieabteilungen im Flugzeug von Aegypten nach Pa־ lästina zu bringen. Ein britisches Regiment, das von Palästina nach Aegypten dirigiert werden sollte, hat im letzten Augenblick den Befehl erhalten, in Paläs• tina zu bleiben. In Palästina stehen nunmehr 7500 Soldaten in ständiger Bereit- Schaft. In Patästina herrscht Ruhe. Weder in Jerusalem, noch in anderen Teilen des Landes haben sich Zwischenfälle ereignet. Die Tore der Altstadt von Jerusalem und die Umgebung der Moschee werden besonders scharf von britischen Polizisten bewacht, die jeden Passanten untersuchen Verstärkte Militärstreifen patrouillieren in der Neustadt und in den Vororten. In Jerusalem sind alle arabischen Geschäfte geschlossen. Man nimmt an, dass auch in den übrigen Städten die arabischen Geschäftsleute ihre Läden schliessen werden. Es scheint hier eine geheime Parole vorzuliegen. Die Distriktskommissare sind ermächtigt worden, unter Strafandrohung die Öffnung der Geschäfte zu verlangen. In Haifa haben Polizei und Militär das Gebäude des Distriktskommissars umstellt und die arabischen Beamten durchsucht. ״Haarez“ gibt seiner Genugtuung darüber Ausdruck, dass die Regierung endlich die erforderlichen, vom Jischuw und von der ganzen Welt erwarteten, Schritte unternommen habe. JAMAL HUSSEINI NICHT VER- HAFTET. Jerusalem. Reuter meldet: Wie verlautet, hat die Polizei gestern den Führer der arabischen Juge. d Jakub Husseini und keineswegs den Vorsitzenden der Arabischen Nationalpartei Jamal el Husseini verhaftet. Jamal Husseini wurde bisher nicht verhaftet und ist als einziger von den sechs arabischen Führern, die deportiert werden sollen, noch in Freihei^ Ausser dem Präsidenten der Arabischen Bank Achmed Hilmi Pascha ist im Laufe des Freitag auch der geschäftsführende Direktor der Bank, TukanBey Shouman, verhaftet worden. DIE EREIGNISSE IN PALÄSTINA AM SONNTAG. Jerusalem. 4. Oktober. Im Laufe des Sonntag, 3. Oktober wurden die Verhaftungs und Untersuchungsaktionen gegen die Führer und Unterführer der arabischen nationalistischen Bewegung durch die britisehen Polizeibehörden und Truppen im ganzen Lande fortgesetzt. Das Gebäude der Arabischen Bank wurde scharf durchsucht. Zahlreiche Revisoren sind damit beschäftigt, alle Bücher der Bank zu prüfen. Offenbar soll dadurch festgestellt werden, wieviel Gelder für Terrorzwecke verwendet wurden und in welche Kanäle sie flössen. Zahlreiche Dokumente und Geldfonde wurden beschlagnahmt. Um zu verhindern, dass die Verhaftungen der arabischen Führer zu Gewalttaten führen, wurden alle britischen Truppen in Palästina in den Kasernen konsigniert. Die strategischen Punkte in den Städten Jerusalem, Haifa und Jaffa wurden von »Der Jüdische Herold« Maschinengewehrabteilifngen besetzt. Polizei, unterstützt von Militär, patrouilliert in Panzerwagen durch das ganze Land. Am Sonnabend sind weitere militärische Ver- Stärkungen aus Aegypten eingetroffen. Der britische Kreuzer ״Sussex“, der am Sonnabend früh mit vier der verhafteten arabischen Führer von Haifa ausgelaufen war, ist nach kurzer Zeit wieder zurückgekehrt. Man nimmt an, dass die arabischen Führer auf ein andeies Kriegsschiff gebracht worden sind, welches die Verhafteten nach der Inselgruppe der Seychellen im Indischen Ozean bringen wird. Der Polizei ist es noch immer nicht gelungen, den Präsidenten der Nationalpartei Jamal el Husseini festzunehmen• Es verlautet, dass er ins Ausland gtf üchtet ist. Während in der Neustadt von Jerusalern absolute Ruhe herrscht, war die Lage in der Altstadt während des Sonntags äusserst gespannt. Trupps von jungen Arabern durchzogen die Strassen der Altstadt und zwangen alle arabischen Händler in den Bazaren, die Läden zu schliessen. Die Polizei zerstreute die D monstranten und nahm eine Reihe von Verhaf ungen vor. Die Anhänger des Mufti versuchen, einen allgemeinen Streik zu entfesseln Obwohl die Regierung al e Machtmittel zur Verhinderung eines Streikes einsetzt, ist es den arabischen Terroristen zum Teil gelungen, arabische Ladeninhaber zutn Ver- Franzbrann twein und jetzt auch Zahn-Creme kaufsstreik zu veranlassen. In vielen Fällen geschah dies durch Anwendung von Terror. Hetzagitatoren übergossen Waren und Lebensmittel mit Oei und 2ündeten sie an. Am stärksten ist die Streikbewegung in Jaffa, wo man den Ausbruch eines Generalstreiks erwartet. Es wunden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Unter den Verhafteten btfindet sich auch der Leiter des mohammedanischen Jugendbundes A!i Dabagh, der zusammen mit mehreren anderen Unterführern in einem summarischen Entscheid zu sechs Monaten Internierung in eimm Konzentrationslager verurteilt wurde. Es verlautet, dass arabischerseits Versuche im Gange seien, aus Persönlichkeiten der jüngeren arabischen Führerschaft einen neuen Obersten Arabischen Ausschuss an Stelle des von der Regierung aufgelösten zu bilden. Die Polizei hat daraufhin eine grosse Anzahl verdächtig scheinender Araber festgenommen und einem vielstündigen Verhör unterzogen. Einflussreiche Araber haben an die arabischen Fürsten Telegramme gerichtet, in denen diese ersucht werden, bei den massgebenden britischen Stellen gegen die Verhaftung und Depor- 2 tierung der arabischen Führer bei der Palästinaregierung Einspruch zu erheben. Im Laufe des Sonntag verbreitete sich das G rücht, dass der Grossmufti Haj Amin el Husseini aus der Omar-Moschee geflüchtet ist. ln manchen Kreisen hält man es für wahrscheinlich dass die Engländer ihn absichtlich haben entweichen lassen, da seine Verhaftung, die unvermeidlich wäre schwere Unruhen zur Folge haben würde. Vor seiner Flucht soll der Grossmufti von seinem Versteck aus, von dem aus er durch Geheimkuriere m.t der Aussenwelt Verbindüng hat, eine Kundgebung erlassen haben, in der er die Araber auffordert, den Streik zu beenden und zur Arbeit zurückzukehren. In einer amtlichen Bekanntmachung wird erklärt, dass eine Wahl des Grossmufti zum Präsidenten des Obersten Mohammedanischen Gerichtshofes ungesetzlich wäre. Di se Erklärung erfolgte in Hinblick auf die Absicht der den Grossmufti unterstützenden Notabein, ihn auf den genannten Posten /u wählen. Eine Reihe von führenden arabischen Persönlichkeiten, die als mögliche Nachfolg־-r auf den Posten des Grossmufti gelten, haben von arabischer terroristischer Seite Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgtfordert werden, die Annahme dieses Postens zu veiweigern. Im allgemeinen ist die Ansicht verbreitet, dass der alte Gegenspieler des Grossmufti, der gemässigtere Raghtb Nashashibi, nunmehr, nach der Ausschaltung der extremen nationalistischen Araberführer, die zentrale führende Persönlichkeit der palästinensischen Araber werden wird; man hofft, dass auf dieser Weise der Weg zu einer Befriedung des Landes und zu einer möglichen abseitiger! Verständigung geöffnet wird. Das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem wird anstelle des verhafte» ten Dr. Husseini Khalidi interimistisch von dem britischen Präsidenten der Handelskammer Schelly versehen. Während des Sonntags war der Hafen in Jaffa gesperrt. Auf das jüdische Viertel von Safed wurde von arabischen Terroristen ein Feuerüberfall unternommen. Jüdische Selbst- Schutzabteilungen setzten sich gegen die Angreifer zur Wehr. Verietzt wurde niemand. In Nazareth nahm die Polizei zahlreiche Haussuchungen vor. Eine grosse Anzahl Araber wurde wegen illegalen Waffenbesitzes verhaf!et; eine Menge Gewehre und Munition wurden beschlagnahmt. 1:1 Jaffa wurden jüdische Kommunisten, die Flugblätter verteilten, in denen zum Kampf gegen den englischen Imperialismus aufgtfordert wird, verhaftet; sie sollen später deportiert werden. NEUE MORDE UND TERORAKTE IN PALESTINA. Jerusalem 5. Oktober. Trotz der umfassenden Massnahmen, die die Piästinaregierung zur Unterdrückung des arabisehen Terrors und zur Unschädlichmachung der radikalen arabischen Führer ergriffen hat, haben sich im des Montag eine Reihe weiterer ernster Terrorakte ereignet. Die arabischen Terroristen beginnen wieder wie in der Zeit der Unruhen des Jahres 1936, Sabotageakte zu verüben. Die Oelleitung der Irak Petroleum Company wurde bei Jisser Majamea an drei Punkten aufgerissen und das ausströmende öl in Brand gesteckt. Einer britischen Militär»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.