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Der jüdische Herold · 1937-09-30 · 36 (30.9.1937) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
36 (30.9.1937)
Date
1937-09-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Hungarian
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5 Der Jüdische Herold« 5 Breslauer jüdischer Hr2t in den Cod ge» trieben. Breslau. Die Staatspolizei gibt bekannt, dass der Arzt Dr. Berliner, der Inhaber des bei Breslau gelegenen Luftkurort-Sanatoriums in Obernigk, der kürzlieh von der Polizei festgenommen wurde und gegen den in den nächsten Tagen ein Prozess beginnen sollte, im Gefängnis Selbstmord begangen habe. Das Sanatorium des Dr. Berliner wurde in der Hauptsache von Nichtariern besucht. Eine deutschblütige Krankenschwester, eine geschiedene Frau, wurde verdächtigt, verbotene Beziehungen zu den Patienten angebahnt zu haben. Die Anklage warf nun Dr. Berliner vor, er habe diesem Treiben Vorschub geleistet. So wurden er und mehrere Patienten, die mit der Krankenschwester in Beziehungen getreten sein sollen, verhaftet. Der Prozess findet trozdem statt und wird sich gegen die angeklagten Patienten richten. (Die Schilderung klingt so unglaubwürdig, dass der Gedanke autkommen muss, es handle sich hier wiederum lediglich um eine der bekannten Aktionen, um ein jüdisches Unternehmen in arische Hände zu spielen. Die Red.) §ALA n. V. Auf seiner Rückreise von der Kenesio-Gedeulo weilte hier Herr Erich Rosenblüth aus Tel-Awiw bei seinen Geschwistern. Auf Ansuchen der Zeire Ag. J. hielt er im Hotel Grünwald einen Vortrag über die heutige Lage in Erecz Jisroel der mit Beifall aufgenommen wurde. Der hiesige Malbisch-Arümim-Verein bekleidete auf Jom-tow mehrere bedürftige Kinder mit Winterkleidern und Schuhen. Eine Hlasaryk־Slrasse in üel ßv>U>. Klar □asaryk wird bald geschaffen. Tel Aviv. Bei den Trauerteiern, die in ganz Palästina statlfanden, wurde eine Resolution des Inhaltes angenommen, ehestens eine Ansiedlung jüdischer Einwanderer aus der Cechoslovakei zu gründen, welche den Namen des verstorbenen Präsident-Befreiers T. G. Masaryk tragen und ״Kfar (Dorf) Masaryk“ heissen wird. Der Stadtrat in Tel Aviv hat beschlossen, eine der Hauptstrassen ״Masaryk-Strasse“ zu benennen. Sie weiss was sie will, die kluge Hausfrau, wenn sie beim Einkauf stets die erprobte und bewährte Marke verlangt. Das bekannte Markenzeichen ist ihr mit Recht Symbol der immer gleichbleibenden Qualität und diese rechtfertigt stets von Neuem das der Marke entgegengebrachte Vertrauen. Wie vieles von dem Neuen, das fast täglich im Handel auftaucht, verschwindet schon nach kurzer Zeit, weil sich eben nur das beste halten u. durchsetzen kann. Meist fehlt dann die langjährige Erfahrung, die den Erzeugern alteingeführter u. bewährter Markenwaren zur Verfügung steht und die Güte ihrer Erzeugnisse garantiert. Deshalb sehen unsere Hausfrauen beim Einkauf auch darauf, dass sie stets die von ihnen ver. langie Markenware erhalten u. nichts anderes. Auch Dr. Oetker»s Backpulver u־ Dr. Oetker-s Vanilli! zucker mit der so einprägsamen Marke ״Heller Kopi" werden seit jahrzenten in stets gleichbieiben der und millionenfach bewährter Qualität erzeugt, was ihre Beliebtheit erklärt. HefMr »&VI Tausende Süden flohen aus Bielifz- Biala. Die letzten aus der Doppelstadt Bielitz-Biala an der Grenze zwischen Polnisch-Schlesien und Westgalizien ein treffenden Nachrichten besagen, dass mehr als 4000 Juden im Zusammenhang mit der letzten Pogromserie die Stadt verlassen haben. Bielitz auf der schlesisehen und Biala auf der galizischen Seite zählen zusammen rund 50.000 Einwohner, davon etwa 10.000 Juden. Unter dem infolge der Regierungsmassnahmen und der unaufhörlichen Terror- und Boykottwelle verarmten polnischen Judentum bildete die Judenschaft von Bielitz-Biala noch eine materiell starke Position, jetzt ist auch diese Position zerstört worden. Kein einziges jüdisches Geschäft und kaum eine jüdische Wohnung ist verschont geblieben. In der Bialka, dem kleinen Flüsschen welches beide Stätte trennt, liegen herausgebrochene Fensterrahmen, zerbrochene Möbel und aufgeschlitzte Polster. Die in den Läden befindlichen — 172 - Wie könnten wir Hütten bauen am Hüttenfeste inmitten de•! griechischen Bevölkerung? Sie würden uns die Hütten zerstören, und wir würden dadurch ernstliche Unruhen hervorrufen. Das mag gut für Palästina sein; in Alexandria ist das unmöglich. Aber auch abgesehen davon lehren uns unsere philosophischen Gesetzesausleger, daß wir nur den Geist der Gebote festzuhalten haben. Die Form ist unwesentlich. Wir glauben an den einzigen G־tt und bekennen ihn. Wir hassen und verachten die griechischen G-tter. Das ist unser Judentum. Wir halten den Kern wert und hoch; die Schale aber zerbrechen wird und werfen sie fort.“ ״Und meinst Du, daß je eine Frucht ohne Schale wird wachsen? Alle Gesetze, die G-tt uns gegeben, sind von hohem uneimeßlichem Werte und müssen so ausgeführt werden, wie G-tt es befiehlt. Eure philosophischen Ausleger führen Euch in die Irre, und Ihr selbst glaubt nur deßhalb ihren Worten, weil es Euch bequem ist. Aber G-tt, der Allmächtige, wird Euch nicht loslassen und fordert die Erfüllung Seines heiligen Wortes von Israel, wo immer es auch wohnen mag. Fürchtet Ihr nicht den Zorn des Richters des Weltalls? Und Du, o Alabarch, der Du an der Spitze dieser großen Gemeinde stehst, Du trägst die Verantwortlichkeit für all das Übel, das hier geschieht. Wie wirst Du dereinst vor G-tt im Himmel erscheinen und Dich rechtfertigen können? G-ttes Mahnruf ergeht durch mich an Dich und die Deinen! Kehret um von Euren bösen Wegen, damit das Verderben Euch nicht ereile!“ Der Alabarch war wie erstarrt. So hatte noch Keiner mit ihm gesprochen. Und dieser Fremde sprach zu ihm in fliessendem Griechisch, mit der Kraft und der Gewalt eines Demosthenes. »Fremdling,« sprach er, »auch Dir scheinen die gelehrten Werke der Griechen nicht unbekannt zu sein, da Du in unserer Sprache zu mir redest! Du kennst doch — 169 — Tribunen Cassius Chärea und Cornelius Sabinus, die den Unhold bald nachher ermordeten, scheinen nicht an seine Göttlichkeit geglaubt zu haben. Das Judentum der alexandrinischen Juden scheint in jener Epoche meistens nur in der Verleugnung des Götzendienstes bestanden zu haben. Noch zeugte die große Synagoge in Alexandria von der Frömmigkeit und Opferwilligkeit der Vorfahren. Sie war wie eine Basilika, das ist, wie eine königliche Halle gebaut. Prachtvolle Säulen trugen das Dach und der große Raum faßte viele Tausende von Andächtigen. Siebenzig goldene Sessel für die Aeltesten der Gemeinde standen im Vordergründe. So groß war die Synagoge, daß die Stimme des Vorbeters sie nicht auszufüllen vermochte. Deßhalb stand auf der Bimah (Almemor) der Synagogendiener mit einer Fahne, die er schwenkte, sobald der Vorbeter eine Berachah beendet hatte, worauf dann ein mehrtausendstimmiges Amen ertönte. Nach Zünften fanden sich die Besucher der Synagoge beisammen. Hier standen die Zimmerleute, dort die Schmiede, hier die Goldarbeiter dort die Silberschmiede, hier die Weber, dort die Schreiner und so alle Handwerker. Wenn ein Fremder nach Alexandria kam, so brauchte er nur die Synagoge zu besuchen, um seine Plandwerksgenossen beisammen und Arbeit oder Unterstützung zu finden. XXIX. Rabbi Akiba war in Alexandria angekommen. Hier suchte er den ersten Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Namens Theogonos, auf. Das Haus desselben lag in der Banopischen Straße; es war das schönste und stattlichste von allen. Die Wohnung war mit fürstlicher Pracht ausgestattet und schien eher für einen Griechen als für einen Israeliten hergestellt worden zu sein. Die Gemälde an den Wänden des prächtigen Wohnzimmers, dessen halbgeöffnete Dr. M. Lehman: »AKIBA« 40.

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