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Der jüdische Herold · 1937-08-26 · 32 (26.8.1937) · p. Seite 6

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
32 (26.8.1937)
Date
1937-08-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German, Hungarian
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6 fall gelegt hatte, ergreift, herzlich be• grüsst der Vorsitzende des Zentralrates, Oberrabbiner Lewin Rzeszow, das Wort, Er spricht abgewogen und sehr eindruck* svoll von der Gesamtnot des jüdischen Volkes und der geistigen Not allenthalben, die die beste Legitimation für die Agudas Jisroel ist. Welche tiefe Tragik liegt darin, dass wir genau wie vor 7 Jahren, nach den blutigen Ausschreitungen in Palästina, auch heute mit einem Gedenken für die Märtyrer in Erez Israel unsere Tagung beginnen müssen. Ohne jegliche Aufforderung erhebt sich die Versammlung wie ein Mann zu Ehren der jüdischen Opfer der letzten Palästina-Unruhen. Stehend hört auch die Versammlung die kurzen ehrenden Worte des Gedenkens für die Männer, die bei den jüngsten Aguda-Kongressen noch im Mittelpunkt standen und heute nicht mehr da sind. Oberrabbiner Lewin spricht dann von der Heiligkeit Erez Israels und von der Verbundenheit des jüdischen Volkes mit seinem Heiligen Lande und schliesst mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass alle jüdischen Söhne eines Tages ins jüdische Gebiet heimfinden. In weihvoller Stille werden die kurzen Segenworle des Gerer Rebben angehört. Es folgen mit ihren Segenwünsehen nacheinander der Aiexandrer, der Sochaczower und der Czortkower Rebbe. Alle legen sie ein rückhaltloses Bekennntnis zur Agudas Jisroel ab. Für die tschechoslowakische Judenheit ergreift der Pressburger Raw, Oberrabbiner Akiba Schreiber, das Wort. Er begrüsst es, das die ״grosse jüdische Versammlung“ in diesem Lande der traditionelien Toleranz zusammengetreten ist. Der Redner streift auch einige aktuelie Fragen. Noch nie hätten wir so dass Gebet verstanden wie heute ״besimchoh learzenu w'situenu bigwülenü“. Nicht allein, dass wir in Freude in unser Land zurückgeführt, beten wir, sondern dass uns auch die althistorischen und verbürgten Grenzen Erez Israels sugesprochen werden. Ein ganzes ungeteiltes Erez Iszael ist unsere Heimat. Der Redner schildert, wie der alte Jischuw aus der Liebe der Alten und frommen hervorgegangen ist und dass ohne die Tränen der frommen Scharen niemals ein Aufbau Palästinas gekommen wäre. ln ähnlichem Sinne entbietet Oberrabbiner Eckstein, Sered, kurzen Gruss im Namen der tschechoslowakischen״ Landesorganisation. Erst nach Mitternacht ging die erste Sitzung zu Ende. Die dritte Kenessio Gedaulo ist eröffnet, und am Mittwoch morgen beginnt die praktische Arbeit des Aguda-Kongresses. —tz Historisches zur Erez-Jisroel- Politik der Agudas Jisroel. Von Rabbiner 3. Horouicz, Serusalem. Wir erinnern uns noch der Zeiten, als die Verkündigung der Balfour-Deklaration in weiten Kreisen der Judenheit ungeahnte Begeisterung ausgelöst hat. Die Judenheit glaubte, dass nach den Schrecken und Wirrnissen der schweren »Der Jüdische Herold« Kriegsjahre nicht nur die Ruhe in ihren Wirtsländern wieder gefunden, sondern darüber hinaus zumindest den Anfang des Endes der schweren Goluszeit gefunden zu haben. In Erez Jisroel selbst waren die Engländer eingezogen. Die jüdisch-religiäsen Belange waren unklar. Weder wussten die rabbinischen Führer, wie sie sich zu der neuen politischen Situation verhalten sollen, noch verstand die Mandatarmacht, sich in das religiöse Leben der palästinischen Judenheit einzufügen. Weizmann hat damals richtig erkannt, daß nur dann ein wirklicher Aufstieg von Erez Jisroel möglich ist, wenn die religiösen Führer, die Rabbiner, in den Aufbau des Lan• des mit einbezogen werden. In dieser Erkenntnis hat er nach dem Einzug der Engländer in Erez Jisroel auch eine Rabbiner* Versammlung einberufen und versucht, die Rabbiner in eine innige Verbindung mit der zionistischen Organisation zu bringen. Die geseizestreuen Führer haben gleich verstanden, welch grosse Gefahr durch dieses Vorgehen für die Orthodoxie in Palästina, ja darüber hinaus für die ganze Welt drohte. So fand denn im Jahre 1931 auf Einladung der Agudas Jisroel in Wien eine grosse Versammlung der rabbinischen Führer der Agudas Jisroel und anderer führenden Persönlichkeiten statt, bei der ich ein Referat über die Lege in Erez Jisroel unter besonderer Berück, sichtigung der Situation der orthodoxen Gemeinden und deren Führer in Jeru* salem hielt. Die Rabbiner und die Jeschiwaus in Erez jisroel waren während des Krieges hauptsächlich durch die Pekidim und Amarkalim in Amsterdam, durch deutsehe und holländische Erez-Jisrol-Freunde regelmäßig unterstützt worden. Dagegen konnten diese monatlichen Subventionen nach dem Kriege nicht mehr gezahlt werden und die Folge davon war, dass der Einfluss der Orthodoxie durch den zio* nistischen Waad Hazirim, der nicht nur die politische, sondern auch die Finanz* macht hatte verdrängt wurde. Die Situation in Erez Hakdauscho war damals verzweifeit. Der moderne Zionsgedanke von der neutralen jüdischen Nation, nach der Art aller übrigen Kulturvölker, deren nationale Bedeutung nicht von dem Lehrinhalt der Thora bedingt, nichLauf dem ewigen Fun* damente der Thora aufgebaut ist, hat da» historische, das geseizestreue, das wahre Judentum in Seinen Grundfesten erschüitert. Die Rabbiner* und Notabien-Ver* Sammlung in Wien erkannte die Grösse der Geiahr und man ersuchte den Ge* rer Rebbe, in meiner Begleitung nach Erez Jisroel zu fahren. Es sollte in Jeruschoiojim mit den Führeren der Orthodoxie, mit Rabbiner Diszkin s. Z. 1. und Rabbiner Chajim Sonnenfeld s. Z. 1. beraten und in gemeinsamer Aussprache mit diesen rabbimschen Grössen des heiligen Landes Richtlinien vereinbart werden wie man sich zu den neuen Verhältnissen einstellen soll. Die Situation erheischte notwendig eine Vereinbarung über die Frage, inwie״ weit die oithodoxe Judenheit in Erez Jis* roel mit der Zionistischen Organisation und den von Ihr geschaffenen Verwaltungs* stellen Zusammengehen oder getrennt marschieren sollte. Die Fahrt mit dem Gerer Rebbe kam zustande, ln vielen Unterhaltungen mit h den genannten rabbinischen Führern wurde das Problem immer wieder erwogen, von allen Seiten beleuchtet und versucht, einen Weg zu finden, um einerseits der Thora ihre Herrschaft zu sichern, und anderseits den Bedürfnissen der jüdischen Menschen in Erez Jisroel gerecht zu wer* den. Die zionistische Organisation war nun einmal die legale Vertreterin, anerkannt von England und von dem Völkerbund. Von dem grössten Teil des jüdischen Volkes, der der zionistischen Organisation nicht angehörte, hatte man der englischen Regierung nie erzählt, sie wusste nichts von der Orihodoxie, nichts von ihrem Bestand und nichts von ihrer Grösse und Stärke. Und so war sie von der offiziellen Vorzugsstellung der Zionisten förmlich ausgeschaltet. Die Führer aber, die in Jerusalem beisammen^assen, waren sich klar darüber dcß die Orthodoxie die allein seit der Zerstörung des jüdischen Staates den Jischuw im Heiligen Lande erhalten hat, niemals auf Erez Jisroel Verzicht leisten kann; dass sie die Mitverantwortung da* für trägt, dass in Erez Jisroel, dem Lande der Heiligkeit, auch die heilige Thora ihre nationale Heimstätte finde. Die Zeitverhältnisse erzwangen Antwort auf die brennende Frage : Wie kann das gesetzetreue Judentum an dem geplanten Aufbau von Erez Jisroel sich beteiligen? Mit anderen Worten : Es standen sich gegenüber die Einheitsbestrebungen des zionistisch orientierten jüdischen Volkes ohne die Thauro und die durch die Tauro geeinte Orthodoxie. Damals kam ein Programm für die Erez-Jisroel-Arbeit zustande. Die Richtlinien wurden von den rabbinischen Führern Rabbi Diskin und Rabbi Sonnenfeld und lehawdil ben hachajim, von Gerer Rebbe und von mir schriftlich festgelegt. Das Programm umfasst im wesentlichen vier Punkte: 1. Wir dürfen uns nicht unserer Pflicht, am Aufbau Erez Jisroels mitzuarbeiten, entziehen. Es soll ein Weg gesucht werden zur freiwilligen Teilnahme an dem Autbauwerke durch Klarstellung der Grundsätze ohne Preisgabe von Prinzipien. 2. Die Gesetzestreue Judenheit ist es, die immer seit der Zerstörung des Tem* pels und des jüdischen Staates jüdische Menschen in Erez Jisroel erhalten hat. Die Orthodoxie war es, die diesen Grund legte, auf dem allein der Weiteraufbau möglich war. 3. Für die Zukunft, für die Zeit, in der jetzt der Neuafbau von Erez Jisroel mit neuer Kraft und neuem Mut in Angriff genommen werden sollte, sollen Wirtschaftliehe Fragen nach Möglichkeit gemeinsam mit anderen am Aufbau beteiligten Gruppen unter Sicherung unserer religiösen Belange gelöst werden, 4. Die Anstalten von Thora, Awoda und Gemilus Chasodim, die nach den Vorschriften des ewigen Thorarechts ge* regelt werden müssen, sollen getrennt von jenen Organisationen, die sich nicht der umbedingten Souveränität der Thora un״ terwerten, durchgelührt werden. Dieses Programm war seither die Grundlage für die Entscheidungen des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel für die Erez-Jisroel-Arbeti,

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