Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 32 (26.8.1937)
- Date
- 1937-08-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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3 »Dfer Jüdische Herold« 3 Isch und Ischo, Mann und Weib, und betont, dass der Mensch-Odom nur dann vollkommen werden könne, wenn diese beiden Schöpfungsteile, Mann und Frau, sich suchen und einander finden. Unvollkommen wäre daher auch die Agudas Jisroel, fehle ihr die tatkräftige Mitarbeit der Frauen. Auch die agudistische Organisation sei ein neugeschaffener Organismus, der zu einem vollständigen Ganzen zusammengefügt werden müsse, Redner begrüsst daher den Versuch, neben die allgemeine Organisation eine der Frauen zu stellen, um so die Vollkommenheit der Agudas Jisroel näherzubringen. Auch die Frau soll es als hohe und heilige Aufgabe ansehen, in der Politik — nicht im heutigen und verfälschten Sinne der Politik — mitzuwirken und mitzuarbeiten. Agudistische Politik bedeutet für die Frauen — Gemilas Chesed zu üben, mitzuhelfen vor allen Dingen an der Erhaltung und dem Aufbau des Beth Jacob — und Keren Hathora-Werkes, mitzuhelfen die finanziellen Mittel für diese lebenswichtigen Institutionen aufzubringen . . . ... Im Anschluss an die Ausführungen des Präsidenten Rosenheim entbot Frau Oberrabbiner Schreiber, Bratislava, der Konferenz im Namen der Aguda Frauen und Mädchengruppen in der Siovakei ihren herzlichen Willkommengruss. Sie schilderte wie aus dem Grundgedanken heraus, ein geistiges Zentrum auch für Frauen und Mädchen zu schaffen, die Pressburger Aguda Frauengruppe gegründet, und mit welehern Beifall dieser Versuch dort aufgenommen wurde. . . . . . Frau Oberrabbiner Schreiber dankte zum Schluss der Tschechoslovakisehen Regierung, vor allem dem Präsidenten Befreier Masaryk und dem Präsidenten Dr. Benesch für ihre gastfreundliche Aufnähme. . . . Frau Rabbiner Henkin, Schedowa gedenkt in warmen Worten der Giünderin der Beth Jacob bewegung, Frau Sara Scheuirer s. A., die auch in Litauen diese wunderbare Bewegung 1ns Leben gerufen habe und der deshalb die iitauiscnen Frauen zu grösstem Danke verpilichtet seien. . . . Man solle nicht inehr sein Ziel darin sehen, europäische Kultur in sich aufzunehmen, den Lockungen des europäischen Lebens zu erliegen, sondern die jüdiscnen Frauen müssten steh auf sich selbst besinnen, aut ihre Neschomoh und nicht nur achten auf ihren Guf. . . . . . Mit Dankesworten der Vorsitzenden für die Rednennnen und dem Ausdruck der Freude ihr das gute Gelingen des Eröffnungsabend wurde die Versammlung geschlossen. Tag der Thora und des Chinuch. Donnerstag, den 19. August, vormittags 11 Uhr, wnd die 3. Plenarsitzung von Herrn J. M. Lewin-Warschau, als Präsident eröffnet. Als erster Redner spricht Herr Rabbiner Fürst-Wien über die Tatbereitschaft der Agudas Jisroel. Natürlich brauche die Aguda Worte und Taten. Es wäre aber unmöglich, dass diese Kenessio sich nur in Worten erschöpft, denen keine Taten folgen. Bliebe es so, dann sei eben die Kenessio Gedaulo nur ein Torso• Die Agudas Jisroel hätte die Pflicht, das Schaufor des jüdischen Volkes zu sein. Von der Knessio Gedaulo aus habe der Ruf der Aguda, der Ruf des wahren unverfälschten Judentums, der Ruf der Thora an alle Völker zu ergehen. Referat: Die Bedeutung der üeschiwoh für die nationale Existenz des jüdischen Volkes. Zu diesem Thema sprach als erster Redner Herr Rabbiner Bloch-Teisiai. Er preist die Erhabenheit der Thora, die für jeden Kenner eine Wunderwelt offenbare und eine wunderbare Welt bedeutet. Leider gäbe es nur noch einen Jeschiwobocher auf 60.000 Juden. Wir müss* ten uns aber klar darüber sein, dass die Bachurim die Soldaten des jüdischen Volkes sind. Wie jedes Volk brauchen auch wir unsere Armee und wenn das Thoravolk nur ein Zehntel der Summe für seine Armee zählt, die andere Völker für ihre Soldaten aufbringen, dann wäre das jüdische Volk, dann wäre Agudas Jisroel für die Thora gerettet. Referat: Oberrabbiner Ecksfein-Sered. Auch dieser zweite Redner zu dem gleichen Thema plädiert für die Erhaltung und für den Aufbau der Jeschiwoh. In geistreichen Ausführungen, verschönt durch geeignete Midraschworte, betont der Redner die Pflicht der Aguda, der Förderung, dem Ausbau und dem Neuaufbau von Jeschiwaus ihre ganze Kraft zur Verfügung zu stellen. Die Jeschiwaus und Thalmud Thora-Schuien seien das Machtinstrument des in der Aguda geeinten wahrhaft jüdischen Volkes, und wenn dieses Instrument machtvoll sei, könne es das Kraftreservoir für die Aguda bilden. (Lebhafter Beifall). Referat: Taharas Hamischpocho. Herr Oberrabbiner Ungar-Neutra erhielt das Wort zu obigem Referat. Redner bespricht die ausserordentliche Wichtigkeit der Reinerhaltung der jüdischen Familie für das jüdische Volk und die grosse Sorge, die durch Zerstörung dieser Reinheit im weitesten Umfange die Führer des jüdischen Volkes erfasst habe. Unbedingt müsse nach dieser Richtung hin von der Agudas Jisroel Entscheidendes geschehen. Wenn die Aguda kaudesch sei, dann sei die Kenessio Gedaulo kaudesch kedoschim . . . Referent schlägt vor, dass eine 15gliedrige Kommission zur Bearbeitung dieser so wichtigen Frage eingesetzt werde, die einen Plan ausarbeite, wie in umfassender Weise dieser Zerstörung der heiligsten Güter des jüdischen Volkes Einhalt geboten werden könne. Viele verstossen aus Unkenntnis gegen die entsprechenden Bestimmungen des jüdischen Religionsgesetzes. Also müssen auch die Kenntnisse der einschlägigen Be- Stimmungen verbreitet werden. In wunderbaren Worten wendet sich der Redner gegen den auch in unseren Kreisen um sich greifenden Geburtenruckgang, gegen die Schundliteratur, die überall Eingang findet und die Gemüter der Jugend vergiftet und schliesst mit einem flammenden Appel für die Verstärkung des Znius. (Langanhaitender Beifall.) . . . Rabbiner Greinemann-Jerusalem vom Merkas-Ctiinuch-Hathora schildert die momentan so günstige Lage für unseren Chinuch in Erez Israel. Dort sei jeder enttäuscht über die Erziehungsarbeit, die von den Schulen und Erziehungsstätten der anderer Organisationen geleistet würde. Die Erziehungsinstitutionen, die Schulen und alle anderen Lehrstatten von anderen Organisationen hatten zum grössten Teil das göttliche Gesetz aus ihrem Lehrplan ausgemerzt. Es fehle an iegiieh-r reügiös-jüdischer Erziehung. Und sorar diejenigen Eltern, die der Thora und dem wahren Judentum in ihrem Leben langst den Rücken gekehrt haben, fühlen, dass die Erziehung, die man ihren Kindern angedeihen lässt, schwere Lücken aufweisen . . . DIE KENESSIO GEDAULO AUF IHREM HOEHEPUNKT. Marienbad, 22. August 1937. Im vollgefüllten Kongress-saal eröffnete am Mozze Schabbos Oberrabbiner Aron Lewin, Rzeszow, die VII. Plenarsit• zung, zu der sich auch sehr viele Gäste eingefunden hatten. Auf der Tagesordnung stand die Erez Jisroel Frage, deren Behandlang vom ersten Tage an das grösste Interesse entgegengebracht wuide. Als erster Redner erhielt der Direktor der Palästina Centrale der Agudas Jisroel, Dr. Sal. Ehrmann, Frankfurt a, M. das Wort Mit einem Hinweis auf die Wochensidrah beginnend, führte er aus: Es ist Pflicht der Agudas Jisroel, für Erez Jisroel zu arbeiten, weil uns die Be- Siedlung des Heiligen Landes ein religiöses Gebot ist und weil die katastrophale Wirtschaftslage unserer B;üder in den verschiedensten Ländern uns zwingt, eine Zufluchtsstätte für sie zu errichten. Diese Pflicht besteht unabhängig von der Arbeit der Zionistischen Organisation. Wir müssen es als Glück bezeichnen, dass die I. Kenessio Gedaulo im Keren Hajischuw das Instrument für den religiösen Aufbau des Heiligen Landes geschaffen hat, denn wer weiss wie viele unserer Menschen die Not ins andere Lager getrieben hätte, wenn sie nicht auch bei der Agudas Jisroel eine Auswanderungsmöglic^keit nach Erez Jisroel sehen würden. . . . Die Mitgliederzahl der Poale Agudas Jisroel, die heute über 23 Snifim» Kibbuzim und Stützpunkte verfügt, beträgt mehr als 4000. Diese Poalim sind das vertvollste Aktivum unserer Bewegung. Wir müssen für sie sorgen und sie von den Schulden befreien, die eine drückende Last für sie bedeuten. Wir müssen Boden kaufen und kultivieren, der ewiger Besitz des Keren Hajischuw bleibt. (Beifall) Wenn jeder der Anwesenden die Pflicht auf sich nimmt, so schloss Dr. Ehrmann seine Ausführungen, schon bis Rosch Haschonoh ansehnliche Beträge für den religiösen Aufbau des Heiligen Landes aufzubringen, dann dürfen wir hoffen, dass der Segen G-ttes über unserer Arbeit ruhen und dass die Verheissung in Erfüllung gehen wird, die uns verspricht ein : Erez sowas, cholov udwosch. (Langhaltender Beifall) . . . Als Nächster kam Dr. Isaac Breuer zu Wort, der shhon beim Betreten des Rednerpultes lebhaft akklamiert wurde. Was erwarteten und erwarten wir von dieser Kenessio Gedaulo? fragte der Redner Was ist erreicht, und was kann noch erreicht werden? Die Kenessio Gedaulo hat bewiesen, dass die Agudas Jisroel im jüdischen Volk eine starke Stütze besitzt, dass sie eine Macht, zumindenst eine geistige Macht ist. In der Agudas Jisroel stehen ausserordentlich starke Kräfte. Verste. hen wir es auch, diese Kräfte für unsere Idee zu verwerten, können wir auf den Instrument, das uns so zur Verfügung steht, spielen? Die Kräfte die uns zur Verfügung