Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 32 (26.8.1937)
- Date
- 1937-08-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9569290-9569297-9569361--062-9569363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 »Der Jüdische Herold« a Arbeit nicht verzichten zu können. Der Kampf der Agudo um Zertifikate, der unter dem Druck der Regierung zu einem Teilsieg führte, ist bekannt. Die Aguda habe sämtliche jüdische Organisationen aufgefordert, ein einheitliches Wanderungs und Siedlungsamt zu schaffen, das den Tausenden Juden, die nach Uebersee auswandern müssen, helfen soll, soweit menschliche Hilfe möglich ist . . . . . . Der Redner stellt fest, dass die Teilung in der jetzt bekannten Weise absolut noch nicht sicher sei und dass vorläufig nur vereinzelte Verhandlungen mit jüdischen Parteien stattgefunden haben. Der Redner betont dann, dass die zionistische Partei das Judentum nicht vertrete und kein Recht habe, sich als die Vertretung des jüdischen Volkes zu bezeichnen, (Stürmischer Beifall) Die Aguda protestiere gegen die Bevormundung durch die Zionisten. Agudas Jisroel werde eine Einheilsfront aller Nichtzionisten schaffen, um das angemasste Monopol der z. O. zu brechen. (Lang anhaltender stürmischer Beifall.) Der Völkerbund begrüsst die Kenessio Gedaulo. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat ein herzliches Begrüssungsschreiben an die Kenessio Gedaulo gerichtet. Die Versammlung beschliesst ein Antworttelegramm, sowie die Absendung von Huldigungsdepeschen an Präsident- Befreier Masaryk und Präsidenten! Benes . . . Generaldebatte. Als erster Redner in dt r General- Debatte ergreift Oberrabbiner Friedmann- Sadagora (Przemysl) das Wort. Er erteilt der Versammlung seine Segenswünsche und ersucht die Debatte in Frieden und Eintracht durchzuführen. Zur Sache spricht nun Rabbiner Menachem Zemba-Warschau. Die in der A. J. organisierte Orthodoxie sei durch ihren täglichen Kampf für Thauro und Mizwaus mekadesch Haschern. Durch die Manifestation der Kenessio Gedaulo sei sie aber über den normalen Rahmen hinaus, mekadesch Haschern borabim. Mit der Manifestation allein sei aber noch längst nicht alles erreicht. Es müsste auch darauf geachtet werden, dass die Beschlüsse der K. G. sich in die Tat umsetzen. Wenn auch bisher wegen der Teijung von Erez Jisroel keine festen Be- Schlüsse gefasst seien, so wolle der Redner namens des Rabbinischen Rates zu dieser Frage trotzdem einiges zum Ausdruck bringen. Die Hauptstärke der A. J• sei die Emuno. Sie habe ihre Hoffnungen niemals auf Menschen aufgebaut, und sie sei deshalb auch nicht verzweifelt, wenn von irgendeiner Seite versucht werde, die Rechte des Judentums auf E. J. zu kürzen. Das Judentum habe ein festes Versprechen von G-tt selbst, das für immer und ewig die Grenzen von E. J. festlegt, linsere Hoffnung ist und bleibe der Bias Hagauel. Schluss der Pormiftagssitzung 2 Uhr. Die erste Uachtsitzung. Marienbad, 19. August 19 7׳. Pünktlich um 9 Uhr abends des Mit!* woch, den 18, 8., eröffne!? Abgeordneter Leib Münzberg die III. Plenarsitzung, aut deren Tagesordnung die Wahl der Kommissionen und die Fortsetzung der Generaldebatte stattfand. Namens des Parlament-ausschusses verlas Herr Isaac Le* win die Namen der als Mitglieder der einzelnen Kommissionen bestimmten Delegierten. Die Vorschläge des Permanenzausschusses fanden einstimmige Annähme . . . . . . Namens der Poale Agudas Jisroel im Heiligen Lande erhielt nun Herr Salmen Jankelewitz das Wort. Mit leidenschaftlichem Ernst, der auf die Delegierten tiefen Eindruck machte, führte er ungeführ aus: Der Rechenschaftsbericht der Exekutive hat uns zu wenig über die positive Arbeit der Agudas Jisroel erzählt. Wir müssen das zionistische Monopol über das Heilige Land unter allen Umständen brechen, aber wir dürfen auch nicht im entferntesten an eine Zusammenarbeit mit den Revisionisten denken, die die Orthodoxie nur noch mehr als die anderen zionistischen Gruppen hassen. Die N. Z. O. ist um so gefährlicher für uns, je häufiger sie das Wort Religion im Munde führt. Vor fünf Jahren gab es im Heiligen Lande noch keinen Platz für Agudas Jisroel. Jetzt sind es Dank der aufopfernden Arbeit der Poalim 6 Kolonien und 15 Moschawoth, die der Aguda nicht zuletzt auch den Weg zu den Herzen der Juden des Heiligen Landes geebnet haben. Man muss entgegen allen anders lautenden Berichten feststellen, dass die überwiegende Mehrheit der Juden Erez Jisraels religiös denken und leben. Diese Mehrheit ist nicht nur in Erscheinung getreten, weil sie nicht die Kraft hatte, sich gegen den Terror der Histadruth durchzukämpfen. Die Macht der Histadruth ist unbeschreiblich gross. Und diese Macht dient in erster Linie dem Kampf gegen die Religiosität. Hier musste die Agudas Jisroel auf den Plan treten und sie hat tatsächlich durch ihr Eindringen in die grosse Masse auch den Weg zum Arbeitsmarkt für ihre Poalim gefunden. Die Poale Agudas haben gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, Arbeit und G-ttes glaube zu vereinigen. Die agudistischen Poalim sind durchwegs Kinder aus guten jüdischen Häusern, die selbst bessere Tage erlebt haben und deren Kulturniveau weit über dem Durschnitt liegt. Die Not unter diesen Poalim ist heute erschreckend. Es gibt noch keine agudistische Krankenkasse, keine agudisiische Darlehensbank, und man Lagt sich, warum hat Agudas Jisroel bisher nicht in ausreichendem Masse für oiese Poalim gesorgt. Mit geringen Mitteln kann geholfen werden : Korporativen müssten werden, sich auf ein Handwerk umzustellen. Die Wohnungen sind enorm teuer. Es sollten auf kapitalistischer Grundläge durch Vermittlung agudistischer Initiative Häuser gebaut werden, die unseren Poalim, nicht nur Arbeit, sondern auch ein Dach über dem Haupt geben würden. Auch hinsichtlich der Jugenderziehung bleibt noch viel zu leisten übrig. Noch fehlt es an guteingerichteten und allen Anforderungen gerecht werdenden agudistischen Schulen. Die Poale Agudas Jisroel verlangen, dass der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel organisiert und als höchste Instanz unserer Bewegung zu einer ständigen Funktion gelangen soll.., AGUDISTISCHE JUGENDTAGUNG (Marienbad, 19, August) Im Rahmen der Kenessio Gedaulo war auch eine Tagung der Delegierten des agudistischen Jugendorganisationen aller Länder vorgesehen. Die feierliche Eröffnungssitzung der Jugendtagung fand nun programmgemäs am Mittwoch, den 18. ds. um 5 Uhr nachmittags unter dem Vorsitz eines von allen Ländern beschickten Präsidiums im Kurhause statt. Die Eröffnungssitzung, die einen überaus zahlreichen Besuch aufwies und sich durch eine besonders gute Disziplin auszeichnete, war von einem programmalischen Referat des Vorsitzenden der Zeire Agudas Jisroel in Polen, Rabbiner Hirschhorn, Jaworzne, ausgefüllt. In seinem Referat setzte Rabbiner Hirschhorn die Motive auseinander, die zur Gründung einer agudistischen Jugendbewegung geführt haben. Unsere Jugend wil! nicht als selbstständige Organisation innerhalb der Bewegung, sondern als ein wesentiicher Bestandteil von ihr betrachtet werden. Die vornehmsten Aufgaben der Jugendbewegung sind neben der Arbeit an sich selbst — also der geistigen und sittlichen Vervollkommnung — die Mitwirkung auf allen Tätigkeitsgebieten der Agudas Jisroel. Die agudistische Jugendbewegung will die Gesämtarbeit aktivieren und sie vertritt den Standpunkt, dass die agudistische Erziehung schon im Kindesalter in den Schulen beginnen sollte. Die orthodoxe Jugend leidet unter dem Mangel einer geeigneten religiösen Jugend-Literatur. Es wäre daher die Gründung eines eigenen Verlages, ähnlich dem Beth Jacob Verlag anzustreben. Die eineinhalbstündige Rede fand bei den Zuhörern begeisterte Aufnahme. Die Konferenz vertagte sich dann für Donnerstagabend zur ersten Arbeitssitzung. Rabbi Elchonen Wassermann hat sein Erscheinen bei dieser Sitzung in Aussicht gestellt und wird eine Ansprache an die versammelte Jugend halten. DIE INTERNATIONALE AGUDIS- TISCHE FRAUENKONFERENZ Marienbad, den 18. August 1937. Die Eröffnungssitzung der Agudistischen Frauen- Organisation (Histadruth Olamith Nschei Ubenoth Agudath Jisrael) fand heute im Beisein von mehr als 160 Delegiertinnen und vielen Hundert Gästen im kleinen Kursaal unter den Vorsitz von Frau Flora Rothschild, Antwerpen statt. Die Vorsitzende begrüsste die Erschienenen mit einem einleitenden ausführlichen Referat, in welchem sie die Grundlagen inauseandersetzte, auf denen die agudistisehe Frauenorganisation ufgebaut werden soll. Die agudistischen Frauen sehen ihre Männer in der Agudas Jisroel kämpfen und haben begriffen, dass ihr Platz, Eser kenegdau, neben ihnen ist. Die Aufgabe der jüdischen Frau darf sich nicht auf das Haus und die lokale Wohltätigkeit beschränken, sie muss vielmehr über die Grenzen des eigenen Hauses hinaus, an dem Werk der Allgemeinheit mitarbeiten . . . . . . Darauf betrat der Präsident der Weltaguda, Herr Jacob Rosenheim die Rednertribüne, um der Frauenkonferenz im Auftrage des Waad Hapoel seinen herzlichen Willkommengruss zu entbieten. Der Redner weist in seinen Ausführungen auf die wunderbare Schöpfung des Menschen als ein doppeltes Wesen hin,