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Der jüdische Herold · 1937-08-12 · 30 (12.8.1937) · p. Seite 6

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Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
30 (12.8.1937)
Date
1937-08-12
Page
Seite 6 (sequence 7)
Language
German, Hungarian
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6 »Der Jüdische Herold« 6 An diesen Juden erleben wir die traurige Erfüllung des Sifrewories ואם לאו ונו־ so er dies aber nicht tut, begräbt er es, denn diese Juden gehen leider dem Judentum verloren. Zur Illustration des soeben Gesagten möchte ich eine Geschichte wiedergeben, die mir von einem Bekannten erzählt worden ist. Es war im Jahre 33, nach dem grossen Umbruch, der zur Errichtung des Dritte! Reiches führte, in einer Parkanlage des deutschen Städtchens X. In der Mitte des Parks spielten mehrere Kinder und tanzten im Reigen. Eines derselben durfte jedoch an den Spielen der übrigen nicht teilnehmen. Es wurde von den andern aus ihrem Kreise gedrängt, weil es ein — Jude war. Verweint lief dieses Kind auf einen Herrn, der in der Nähe der spielenden Kinder auf einer Bank der Gartenanlage Platz genommen hatte, zu und rief aus: Vater, bin ich ein Jude? Und traurig antwortete der Vater: Ja. Und nochmals fragte das Kind : Aber Vater, bin ich denn wirk* lieh ein Jude? Und gesenkten Hauptes, leidvoller Miene, musste ihm der Vater erwidern: Je, du bist ein Jude. Empört stampfte hierauf das Kind mit seinen Füssen auf den Boden und rief: Ich will aber kein Jude sein. Dass dieses Kind im Glauben ist und es für möglich hält, dass man das Juden* tum einfach an- und ablegen kann wie ein Gewand, ist nur deshalb möglich, weil ihm an seiner Wiege nichts davon gesungen wurde, dass es ein Jude sei, weil es keine Erziehung im Sinne des Sifrewories ge* noss. So erleben wir in unserer Zeit die Erfüllung und traurige Bewahrheitung des Sifrewories: So er dies nicht tut, begräbt er sein Kind. Aber nicht nur ideell sind diese Ju* den, die nicht im Geiste des Sifrewories erzogen wurden, für das Judentum tot, gestorben und begraben. Nein! Auch in des Wortes wörtlichster Bedeutung bleibt es uns leider nicht erspart, die Erfüllung des Sifrewories zu erleben: ״So er dies nicht tut, begräbt er es.“ Vom Leben der Wiiklichkeit enttäuscht eine Welt, in der sie sich sicher geglaubt, greifen leider, ach, so viele zur Waffe, um ihrem Leben, das ihnen leer und nichts* sagend erscheint, das ihnen keinen Inhalt mehr bietet, das dem Anschein nach für sie keinen Sinn und keinen Zweck mehr hat, ein Ende zu bereiten und aus dieser Welt, aus der sie ganz entwurzelt wurden zu scheiden. Gewiss leiden auch die russischen Juden sehr viel, aber dennoch legt der russische Jude nicht so rasch Hand an sich, wie wir dies leider des öftern vom Deutschen hören. Der Unterschied liegt darin: In Russ* land wird die jüdische Religion und die hebräische Sprache verfolgt, und Hunderte, wenn nicht Tausende junger Juden büssen in Gefängnissen für die einzige Sünde, Juden zu sein, und ihr Judentum nach ihrer Fagon aufzufassen und zu betätigen Sie leiden also dafür, weil sie Juden sein wollten und im völkischem Sinne nicht russisch. In Deutschland aber wird das allgemeine kulturelle Leben der Juden unterdrückt u. dieselben ins Konzentrationslager gewor* fen, weil sie auch in völkischer Beziehung nur Deutsche sein wollten und nicht Juden. Kurz gesagt, die russischen Juden leiden lind die deutschen Juden leiden. Oie rus* sischen Juden sind Märtyrer fürs Juden* tum, die deutschen Juden so tragikomisch es klingt, sind Märtyrer fürs Deutschtum Ich will nicht anklagen אין רואיין את הנגעים ביום המעונן In einer Stunde, in der Men« sehen leiden, soll man nicht ihre Schuld suchen, aber ich möchte ein für allemal ein Faktum feststellen und konstatieren, damit wir es vermögen, das Übel an sei* ner Wurzel zu fassen und zum Verschwinden zu bringen. Es wäre eitel angesichts der Katastrophe, die uns betroffen, billige Trostworte zu spenden, aber wenn man darauf hinweist, daß diese Katastrophe doch auch ihre guten Wirkungen gehabt hat, daß sie jüdische Menschen wieder ihres Judentums bewußt werden läßt, die Abwehr und Verteidigungsenergien unseres Volkes aufruft und weckt, so ist dies keine leere Phrasendrescherei, sondern die Konstalieruug eines Faktums. Dies ist das einzig Gute großer historischer Krisen, daß sie Völker auf die Probe stellen. Sie müssen untergehen oder stärker werden. Wir sind ein altes Volk, haben viel geht* ten und viel durchgemacht, aber wir erle* ben gerade in den letzten Zeit eine wun* derbare Verjüngung. Niemand von uns glaubt, daß wir diese Krise überstehen und dann stärker aus ihr hervorgehen als wir waren. Viele Kinder Israels werden aus der Not der Zeit heraus zu ihrem Volk und zu ihrem Glauben zurückfinden. An uns liegt es, die Generation unserer Zeit durch die Finsternis der nahen Zukunft einer tröstlichen beglückenden und lichteren weiteren Zukunft entgegenzuführen. Indem wir eine Jugend erziehen die wert und würdig ist der Erlösung des zur G־tt ge* sandten Davidsohns. Wir müssen mit der Erziehung unserer Jugend im Geiste des Sifrewories beginnen, sie an die grosse, herrliche Tradition, an die sie anküpfen, nicht vergessen lassen und sie daran erin* nern, dass sie Söhne des Volkes sind, dass Machtgebilde in der Geschichte kom* men und gehen gesehen hat wie Babylon* Ägypten und Rom, das die feindlichen Kaiser des Mittelalters, vom Zarismus und anderen gar nicht zu reden, überdauert hat Kraft seiner geistigen Waffen, die wohl langsamer aber unzerstörbarer wirken, dass sie Söhne des Volkes sind, das wie der grösste Deutsche, Goethe einmal gesagt hat ״es ist, es war, es wird sein, um den Namen seines G־ttes durch alle Zeiten zu verherrlichen. NACHRICHTEN KALENDER. פרשת שפטים הפס׳ אנכי אנכי סרק ו׳ שבת Lichtzünden (in Dun, Streda) 6.45 Schabbos-Ausgang 8.10 6רשת כי תצא הפט' רני עקר׳ ועני' סוער' פרק א׳ב שבת Lichtzünden (in Dun. Streda) 6,45 Schabbos-Ausgang 8.00 TODESFALL. Dunajskä Streda. Ein tragischer Todesfall brachte hier die öt-müter in Bewegung. Der einer achtbaren Familie entstammende Rudolf Braun ע׳ה wurde an einem der Abende d eser Woche als er sich im Kreise seiner Familie von den Mühen der Tagesarbeit ausruhen wollte von einem plötzlichen Unwohlsein ergriffen, das nach wenigen Stunden zu seinem vorzeitigen Ende führte. Die Lewajo des in der Blüte seines Lebens, im 38. Lebensjahre, hinweggerafften, fand Mittwoch, 5. Elul, unter starker Beteiligung statt. An seine Bahre sprachen die Rabbiner Herr Juda Schwarz und Herr Samuel Friedmann schmerzerfüllte Worte, in denen sie die Vorzüge des Niftar schildernd auf die ungeheure Tragik dieses Falles eingingen und daran anknüpfend auch tiefgefühlte Musar-Worte in ihrer Trauerrede einschlossen. Zum Schlüsse sprach noch Herr Aba Tauber tiefergreifende erschütternde Worte, die auf die Herzen der Zu* börer stark einwirkten und aus aller Augen Tränen hervorzulocken vermochten. Der Verblichene hinter’ässt eine Witwe mit vier Kindern. תנצב״ה ts SENEC. Bereits 2 Jahre herschen in der hiesigen orth. Kultusgemeinde unhaltbare Zustände, wodurch die Gemeinde in solch mistliche Verhältnisse und bedrängter Lage gekommen ist, dass sie so verschuldet ist, dass die Gemeinde- Mitglieder die Lasten nicht ertragen können. Nachdem vor 2 Jahren der damalige Vorstand von der Zentialkanzlei abgesetzt wurde, versuchte die Zentralkanzlei einige Kuratoriume einzusetzen, die Gemeindeagenden zu leiten, weichen es jedoch nicht gelungen ist, den Frieden in der Gemeinde herzusteilen, noch die Sanierung durchzu• führen, endlich vor einem Jahr hat sich die Zentialkanzlei gezwungen einen Verwaltungs-Kommissär hierher einzusetzen durch dessen strenger Handhabung die Sanierung teilweise gelungen ist. Am 8ten d. M. sollte bei einer Generalversammlung die Vorstandswahl vorgenomtnen werden, nachdem jedoch keine beschlussfähige Majorität zusammen zu bringen war, war der Vcrwaltungskommissär gezwungen einen Voi stand bis zu einer Neuwahl auf unbestimter Zeit zu ernennen, ln den Vorstand wurden ernannt: H. Sidon, Ignatz Katz u B6ia Weiss, u. 12 Herren zu Repläsen■anten. Es isi zu wünschen u. Hoffnung vornanden, dass es obigen Herren gelingen wird, בעי ה den längst ersehnten Frieden, u. geordnete Verhältnisse in der hiesige Gemeinde, u. die Sanierung zu stände zu bringen, המבשר Orthodoxe ungariche Kultusgemeinde schliesst sich der flguda an. Marienbad. Der Vorstand der orthodoxen Kultusgemein• de in Bekescsaba hat dem Vorsitzenden des Vorbereitungskomitees der Kenessio Gedauio in Marienbad, Rabbiner Jonathan Horovicz, milgeteilt, das die Gemeinde bescnlossen habe, sich korporativ der Agudas Jisroel anzuschliessen. Dieser Beschluss wurde gleichzeitig der Ungariändi* sehen orthodoxen Landeskanzlei mit dem Bemerken bekannt gegeben, dass die Gemeinde die Eingliederung aller orthodoxen Gemeinden Ungarns für unerlässlich halte und dass die Landeskanzlei diese Eingliederung fördern sollte. Der Beschluss der Gemeinde in Bekescaba ist im Hinblick darauf, dass die ungarische Orthodoxie sich bisher einer organisatorischen Verbindüng mit der Agudas Jisroel widersetzt hat von besonderer Bedeutung. Nur zugunsten des Keren Hajischuw wurde eine gemein* same praktische Tätigkeit zugelassen. JERUSALEM. Die Agudas Jisroel in Palästina und die Poale Aguda haben gemeinsam eine Erklärung veröffentlicht, in der sie sich entschieden gegen den Teilungsplan aussprechen. BRATISLAVA. Dienstag ג' אלול fand hier die Hochzeit der Tochter des albeliebten Rabbiners Unsdorfer unter aussergewöhnlich grosser Beteiligung statt. Bei der Mahlzeit waren sowohl seitens der Braut, als des Bräutigams zahlreiche illustre Gäste erschienen darunter der Losoncer Oberrabbiner שליט״א und andere. Man hörte gediegene דברי תורה, welche die festliche Stimmung bis zur späten Abandstuade im Spannung hielt.

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