Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 27 (22.7.1937)
- Date
- 1937-07-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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5 »Der Jüdische Herold« 5 Die heilige Sprache» Noch nicht lange her hat man über die heilige Sprache als über eine tote Sprache gesprochen, ähnlich wie über die lateinische mit welcher sich bloss Gelehrte befassen, aber in dem Umgänge der Menschen schon ausser Gebrauch ist. Aber es hat sich herausgcstellt, dass die heilige Sprache, welche die älteste ist, ein lebende und auch eine ewig lebende bleiben wird. Dies sei nicht vom toratragendem Volke gesagt, denn für diese ist die hebräische Sprache was sie immer war : eine lebende und belebende, hat man doch die heilige G-tteslehre stets in der hebräischen, in der Ursprache, in der Sprache in welcher G tt der Herr die Welt erschaffen und in welcher er am Berge Sinai die Zehngebote geoffenbart hat gelehrt und gelernt. Heute aber ist eine Strömung in anderen Kreisen an den Tag getreten, die hebräische Sprache zu kennen und sie in dem täglichem Verkehre mit der Umwelt zu gebrauchen. Unleugbar, das hiezu auch das Bestreben in Erez Jisroel eine eigene Heimstätte für die Juden zu schaffen vieles beigetragen hat. Dieses letzte Argument veranlasste viele Gelehrte, hebräische Sprachlehren zu verfassen. Mancher legt in seinem Buche das Hauptgewicht auf das schnelle Erlernen der Sprache, mancher auf das gründliche. So wetteifern miteinander verschiedene Methoden. Aber der Vorzug gebührt demjenigen, der der Welt eine solche Sprachlehre vorlegt, mit deren Hilfe man die heilige Sprache so gründlich erlernen wird können, dass man mit deren Hilfe dann die heilige Tajro und alle heilige Schriften sicher und gründlich erlernen wird können. Bietet diese Methode nebstbei auch den kürzeren Weg dann ist sie gewiss zu bevorzugen u. freudig zu begrüssen. Diese Methode beruht auf die Tatsache, dass erwiesen ist, das in der heiligen Sprache 236 Grundwörter sind. I. Kameelhar, Rabbiner in dem polnischem Orte Rszesow erzählt in seinem Werke „Chochmasz Hatalmud“ ncrn die Biographie des R’ Elieser Worms (Rokeach) Dieser hat auf die erwähnte Tatsache seine Lehre über die heilige Sprache aufbebaut. Ohne von der Methode des Rokeach zu wissen hat ein junger Gelehrter aus eigenem Fleisse und Nachdenken ein ähnliches System aufgebaut mit dessen Hilfe die heilige Sprache leicht, rasch und gründlich erlernt werden kann. Sein Gedankengang ist beiläufig folgender Art. Das Alefbesz besteht aus 22 Buchstaben. Davon kann man 22-484 Giundwörter zusammenstellen. Wenn man aber beachtet das ein Alef mit einem Alef) s' oder Ajin y’ mit einem Ajin dasselbe gilt äuch von dem h£ n' und diese miteinander auch kein Wort ergeben dann könnte man bloss 365 Grundwörter zusammenstellen. Und bei einer noch grösserer Sichtung bloss 225 Grundwörter. Haben wir diese gehörig und gründlich erfasst, dann beherrschen wir die ganze heilige Sprache. Um das Grundwort zu verstehen, das heisst um zu wissen, was ein Wort bedeutet müssen wir vorerst die Bedeutung der Buchstaben aus welchem das Wort gebildet ist kennen. Es ist ein lehrreicher Genuss diesen Gelehrten zu hören wie er die Bedeutung eines Wortes auseinandersetzt. Es ist mir nicht möglich diese Erklärung richtig zu wiedergtben. Doch andeuten möchte ich es. nj übersetzen wir ruhen. Warum? j ist Fisch, n ist eine Höhle. Jetzt erklärt er die Lebensweise des Fisches, welcher um sich auszuruhen, eine Höhlung aufsucht, denn im Wasser bewegt er sich unaufhörlich. Wiederum setzt er jetzt auseinander warum jn, dieselbe zwei Buchstaben Gunst und \b, der „Nün mit dem Lamed* b übernachten oder ausharren bedeu’et Mordechai Raab, der Sekretär der orth. isr. Kultusgemeinde in Nove Zämky, hat dieses System gründlich und vollständig ausgearbeitet. Es wäre eine Wohltat für das jüdische Publikum, auch für die jüdische Wissenschaft, wenn M. Raab sein Werk der Öffentlichkeit übergeben würde. Denn dieses Werk möchte einem schwerempfundenen Übel abheFen. Mit Hilfe dieses Werkes wäre die heilige Sprache leichter zu erlernen. Und mit dieser leicht und gründlich erlernten Sprache wäre es um vieles leichter T’nach, Gemoro und Kommentare zu erlernen. M. Raab, der heute im 48-ten Jahre steht, ist in Gattendorf (Buigenland) geboren. Besuchte die Volksschule in Nitra, die Talmud Tajro Schule in Nitra und in Balassa Gyarmat, dann kam er auf die Jeschiwo in Suran, wo er vom Oberrabbiner R’ Majer Frey mit der Majrenü ausgezeichnet wurde. Wie es manchem Gelehrten geht, er besitzt das geistige aber nicht das seinen irdische Vermögen um seinem Glauben u. Glaubensbrüdern zu dienen.Daher könnten sich Einzelne oder Institutionen ein grosses Verdienst erwerben, wenn sie die Mittel zur Verfügung stellen würden, dieses Werk zu veröffentlichen. N. Z. - 144 - die Mauern des Lehrhauses entscheiden. Wer sind die Mauern des Lehrhauses? Das sind die Schüler, die künftigen Lehrer, die das Gebäude des Lehr* hauses stützen, auf denen das Lehrhaus beruht. Da erhoben sich die Schüler, die zugegen waren, um für den gefeiertsten Lehrer in Israel ihr Votum abzugeben. Rabbi Josua aber schrie sie an und sprach : Noch seid Ihr nicht zu der Reife des Geistes gelangt, daß Eure Stimmen Geltung hätten. — Da schwiegen sie und wagten nicht, an der Entscheidung Teil zu nehmen. Und Rabbi Elieser erhob sich und sprach: So möge man denn vom Himmel herab entscheiden zwischen mir und Euch! Und G-tt erhörte das Gebet des Rabbi Elieser und sandte den Propheten Elijahu, um den Weisen zu verkünden : Warum streitet Ihr gegen Rabbi Elieser? Er trifft das Richtige überall. Nun stand Rabbi Josua auf und sprach : Es heißt in der heiligen Schrift : Nicht im Himmel ist die Thora. —- Die Thora hat G-tr uns gegeben vom Berge Sinai, und in dieser Thora findet sich die Vorschrift : Nach Stimmenmehrzahl soll man entscheiden. Als Rabbi Elieser bei seiner Ansicht beharrte, da ließ man Alles, was Rabbi Elieser in Folge der streitigen Halachah für rein erklärt hatte, herbeibringen und verbrennen. Ihn selbst aber belegte man mit dem Banne. Nun galt es, dem gefeierten Lehrer davon Mitteilung zu machen. Niemand wagte es. Da trat Rabbi Akiba auf» und sprach : Ich werde es ihm verkünden, damit er es nicht durch einen Unberufenen erfahre und noch mehr gekränkt werde . . . Rabbi Akiba zog schwarze Gewänder an, und umhüllte sich mit einem schwarzen Mantel. Dann ging er zu Rabbi Elieser und setzte sich ohne Gruß auf die Erde in einer Entfernung von vier Ellen. - 141 - entstanden schon in den ältesten Zeiten in Bezug auf einzelne religiöse Vorschriften Meinungsverschiedenheiten, die so lange währten, bis Männer von großer Autorität die Majorität der Weisen für sich gewonnen und dann endgiltig die Halachah feststellten. Wir wollen das an einem Beispiele klar machen, das wir bereits oben kurz erwähnten. Die Thora verbietet die eheliche Verbindung mit von den Amonitern und Moabitern aufgenommen Proselyten; ob dieses Verbot sich auch auf die weiblichen Mitglieder dieser Völker erstrecke, war zweifelhaft. Es wird uns erzählt, daß der Vetter des Boas sich deßhalb weigerte, die Moabiterin Ruth zum Weibe zu nehmen, während Boas sie heiratete. Auch Jischai, der Vater Davids, hegte in dieser Beziehung noch Zweifel. Erst der Prophet Samuel und das ihm zur Seite stehende Sanhedrin stellten die Halachah endgültig fest. Bei solchen Feststellungen galt der Grundsatz, daß die Weisen abstimmten und nach der Majorität entschieden. Der größte Mann in Israel war in der Zeit, von welcher unsere Erzählung berichtet, unstreitig Rabbi Elieser ben Horchinas, dem seine Zeitgenossen deßhalb auch den Beinamen „der große" gegeben haben. Sein Wissen war uner* meßlich; sein Lehrer Rabbi Jochanan ben Sakkai hatte ihn mit einer zementierten Cisterne verglichen, die keinen Tropfen verliert- Als Rabbi Elieser einst seinen Lehrer an einem Neumondstage besuchte, sagte dieser : Du, der Du einem Brunnen gleichest, in welchem sich nur reines V^asser befindet, wozu brauchst Du noch den Sohn Sakkais aufzusuchen? Und Rabbi Elieser sprach: Es ist doch meine Pflicht, meinen Lehrer zu begrüßen! — Die Weisen berichten, daß Rabbi Elieser würdig gewesen wäre des prophetischen Geistes, wenn sein Zeitalter sich dazu geeignet hätte. Schon Moscheh war es verkündet worden, daß einst ein großer Mann, Namens Elieser, in Israel lehren würde, und Dr*M. Lehman i »AKIBA« 33<