Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 27 (22.7.1937)
- Date
- 1937-07-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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4 4 Sondere dich nicht von der Gemeinschaft ab, war das Tema, welches Oberrabbiner J, Tiegerman in Nove Zämky in seinem jüngstem Vortrage behandelt hat. oberzeugend hat er auseinandergesetzt, dass ein jeder Mensch muss ein Gesellschaftsleben führen, denn einer ist auf den andern angewiesen, aber der Jude hat in dieser Beziehung noch eine höhere Aufgabe, denn ohne Gemeinde, ohne den Nebenmenschen kann er kein vollkommenes religiöses Leben betätigen. Ausserdem — als Kinder eines Vaters müssen wir an dem Schicksale des Bruders lebhaft Teil nehmen. Sowohl an seine Freude, wie an seinem Leide, Wieviel mehr wenn es sich um den jüdischem Glauben, um das religiöse Leben handelt. Daher ist es für einen jeden jüdisch denkenden und fühlenden Menschen heilige Pflicht sich an die Klalarbeit für das jüaische Volk seinen Teil herauszunehmen, jeder nach seinen Können und Vermögen, einer mit seinem Geiste, der andere mit seinem Vermögen, einer mit seinem Rat, der, andere mit seiner Tat und niemand hat das Recht sich von der jüdischen Gesammtheit abzusondern. Es ist vielmehr die Pflicht sich an Agudas Jisroel anzuschliessen. Es ist Pflicht eines jeden sich einen Selaschein zu erwerben, damit zu bezeugen, dass er sich mit seinen Brüdern eins fühlt. Diese vom Herzen kommende Worte drangen in das Herz der Zuhörer, welche sich gleich Sontag beeilten ihren Selaschein zu erwerben. Wir sind fest überzeugt, wenn in den Gemeinden die Rabbiner und Oberrabbiner fortwährend so begeistert für die active Orthodoxie, für Agudas Jisroel werben würden, dann hätten sie keine Veranlassung wegen des Abfalles der Jugend wegen den Abfall der Gemeindemitglieder von der Orthodoxie zu klagen. N. Z. POGROM IN BAGDAD. In Bagdad kam es im Anschluss an eine riesige arabische Protestdemonstration gegen den Plan der Teilung Palästinas zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Zahlreiche Juden wurden verletzt unb eine grosse Anzahl jüdischer Geschäfte geplündert. Dreissig Juden wurden in bedenklichen Zustande ins Krankenhaus gebracht. Es verlautet, dass zwei von ihnen ihrer Verletzungen erlegen sind. Die Demonstration wurde von dem Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses in Palästina und Führer der Istiklal —Partei, Auni Bei Abdul Hadi, geleitet. Die Polizei konnte nur mit Mühe die Demonstranten davor zurückhalten, in das jüdische Stadtviertel einzudringen. Sämtliche jüdische Geschäfte in Bagdad waren geschlossen. JÜDISCHER FRIEDHOF IN RAS- NOW GESCHÄNDET. In Rasnow (Siebenbürgen) ist der jüdische Friedhof von antisemitischen Huligans geschändet worden. Die Huligans errichteten aus Särgen einen Scheiterhaufen und zündeten ihm an. Zahlreiche Grabsteine wurden zerstört. Die Täter entkamen vor Eintreffen der Polizei. mord an einem jungen Zionisten bei PrzemysI. In einem Dorf bei Przemysl fand man die Leiche des 26jährigen Chaim Halpern. Der Ermordete war ein aktiver Zionist gewesen. Die Mörder konlen bisher nicht entdeckt werden. SUCHE zur drei kleinen Kindern streng orthfrommes Kinderfräulem. Offerte sind unter ״Kinderlieb“ an die Verwaltung diesef Blatte? einzusenden. »Der Jüdische Herold« STRENG RITUELLES PENSIONAT und ERHOLUNGSHEIM in SPlSSKANOVOVESKO- KÜPELE (IOLOFÜRED). Klimat. Höhenluftkurort und Wasserheilanstalt, liegt im »Slovak. Paradies«, der Perle der Tatragegend, fabelhaft schöne Lage, von herrlichen Fichtenwäldern umgeben. Freibäder, Sport jeder Art. Volle Pension zu massigen Preisen. Ia. Küche: כשר אם־לו לנפש רדפה בישראל Referenzen beim ehrw. Oberrabb. Kezmarok ההגה״צ אנדק״ק ק״ט שריט׳׳א Verlanget Prospekt bei: A. LENCZ, 9 10 Kezmarok. Telephon 61. Der neunte Hb in Jerusalem. Am Tischa b’ aw (9. Ab), dem Jahrestag der Zerstörung des Zweiten Tempels, der in diesem Jahre auf den 18. Juli fiel, wurden in ganz Palästina grosse jüdische Kundgc» bungen gegen den Plan der Teilung Palästinas, insbesondere gegen die Abtrennung Jerusalems vom jüdischen Staat, abgehalten. In Jerusalem selbst fanden sich am Vorabend des 9. Ab mehr als 20.000 Juden in geschlossenen Zügen vor der Klagemauer ein, um gegen den Teilungsplan zu demonstrieren. Tausende Juden pressten ihre Gesichter an die rauhen Sleine und küssten sie mit dem Schwur: ״Wenn ich Dein vergässe, Jerusalem, verdorre meine Rechte!“ Die Demonstration wurde von starken Polizeiabteilungen bewacht u. verlief in vollster Ordnung. Im Zusammenhang mit mehreren Affichen, in denen zu Demonstrationen gegen die Teilung aufgefordert wurde, verhafiete die Polizei sechs Mitglieder des revisionistischen Zentralkomitees. Der Dislriktskommissar vejfügte ihre Freilassung unter der Bedingung, dass sie sich dreimal täglich bei der Polizei melden, einer von ihnen, der sich vor Gerieht zu verantworten haben wird, musste eine Kaution von 50 Pfund hinterlegen. Am Vorabend des Tischa b’ aw trugen die Städte in Palästina ein Trauergepräge. Die Synagogen, in denen die Kinot vorgefragen wurden, waren überfüllt. Die Vorträge wurden durch in den Strassen aufgestellte Lautsprecher, vor denen Tausende Juden und Jüdinnen standen, übertragen. Irene Harand zum Ceilungsplan. Über den Plan der Teilung Palästinas führt die bekannte Vorkämpferin gegen Rassenhass Irene Harand in der ״Gerechtigkeit“ u. a. aus : ״Die Menschheit darf sich nicht wiederum mit der Schande beflecken, ein Volk, das im Verhältnis zu seiner Zahl Enormes geleistet hat und das sie bis heute stiefmütterlich, grausam und ungerecht behandelt hat neuerdings zu vergewaltigen. Eine Vergewaltigung bedeutet es, wenn ihm als Zuflucht und Heimstätte für die Massen, die in ihren Heimatländern bittere Not leiden, ein Brocken hingeworfen wird, der von allen objektiv denkenden Menschen als lächerlich und zwerghaft angesehen werden muss. Je mehr Juden nach Palästina kommen, desto schneller wird dieser Teil des Orients zu einem Leben erwachen, das sich auch für die übrige Welt nur regensreich auswirken wird.“ EIN WEG ZU JUED1SCH—ARABI- SCHER VERSTAENDIGUNG OHNE TEI- LUNG. Paris. Der Präsident der Hebräisehen Universität zu Jerusalem, Dr. Judah L. Magnes, hat der ״New York Times“ eine eingehende Aeusserung über die Möglichkeit einer Lösung des Palästina-Problems zur Verfügung gestellt. Er bestreitet die Richtigkeit der Annahme der Kgl. Kommission, dass nur noch die Teilung des Landes als Ausweg aus einer unhaltbar gewordenen Situation übrig bleibe und schlägt anstelle einer Lösung ״für immer“ zeitlich begrenzte Abmachungen zwischen Juden und Arabern vor. Dadurch soll schrittweise die Grundlage für das künftige Zusammenleben der beiden Völker geschaffen werden. Aufgabe der Man• datarmacht müsste es sein, die Vorbedingungen für solche auf Grund ״freier, offener Verhandlungen“ zu schliessende Abmachungen herzustelien. Protest gegen Pogromme. In ״Robotnik“ ist ein Protest von den polnischen Professoren gegen den öflers vorkommenden Pogromen auf Juden erschienen. Es sind die angesehensten und liberalen Professoren Schriftsteller unterfertigt, ln Proteste heisst es: ״Die Pogromme sind Erscheinungen von verbrecherische Aktionen, welche in verschiedenen Orte u. Gegenden geführt werden. Die polnische Gesellschaft hat zu lange geschwiegen, welches für die Kultur Gefahr bringt. Die Anfälle auf die hilfslose arme jüdische Bevölkerung, das Vernichten u. Berauben der Arbeitswerkstätten von den kleinen Handwerkern die Schläge auf den Universitäten, die Be- Schlüsse: die jüdischen Kollegen von den verschiedenen Gesellschaften ausszuschliessen — sind die Fakten weiche vor den Ausfällen in Brisk u. Censtochov vorgekommen sind. Die Pogrom Akiion — erinnert uns die bekannte Metode der zarisch-russischen Zeiten, jetzt will sich es das Antisemitismus mit Rassysmus, zu ihren Zwecken benützen. Es ist eine Schande dass die Pogromakzion realisiert wird, es ist eine Schande für der ganzen polnischen Geselischaft — wenn sie für den Provozierungen im Namen der höchsten Tradition des polnischen Volkes im Namen der demokratischen Freiheitsideen — wodurch wir, das unabhängige polnische Reich zurückbekommen haben kein Ende macht — Wir rufen euch alle gegen diesen Barbarismus zu kämpfen, S. B. Kosice. BUDAPEST. Die Presse befasst sich mit einem pfeilkreuzlerischen Anschlag, der das ursprünglich für drei Wochen beberechnete Sommer—Biwakieren der 70 köpfigen Pfadfindergruppe des Pester jüdisehen Knabengymnasiums am Plattensee n^ch knapp einwöchiger Dauerzunichtegemacht hat. Das Sommerlager wurde vorschriftsmässig angelegt, mit einer Einfriedüng und einem Ziertor versehen. In einer Entfernung von zweieinhalb Kilometern befand sich das Arbeitslager rechtsextremen Studenten. In der Nacht wurden die schlafende jüdischen Knaben durch einen lauten Pfiff aufgeschreckt und im nächsten Augenblick prasselten faustdicke Steine auf die Zelte und das Tor. Die Attentäter stah'en die Reste des Tores und verschiedene Teile der Einfriedung. Der Lagerkommadant erstattete Anzeige beim Gendarmeriekommando. Als am nächsten Tage im Pfadfinderlager eine patriotische Feier abgehalten wurde und die Knaben gerade den Hymnus sangen, ertönte aus dem nahen Gehölz höhnisches Gelächter, und das antisemitische Spotllied ״Erger —Berger— Schlossberger, jeder Jude ist ein Schuft!“ wurde angestimmt. Der Lagerkommandant der die Verantwortung für die körperliche Unversehrtheit der ihm anbefohlenen Jungen nicht mehr tragen wollte, Hess das Lager sofort abbrechen und die 70 Jungen reisten in die Hauptstadt zurück. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur LEOPOLD GOLDSTEIN GEDRUCKT bei Leopold Goldstein DUNAJSKÄ STREDA,