Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 26 (15.7.1937)
- Date
- 1937-07-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9569290-9569297-9569303--009-9569308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
5 »Der Jüdische Herold« 5 NITRA. Vergagenen Sonntag, 3 Aw fand hier die Grabsteinl gung nach Frau Gitta Mannhf i-ner n'y Gemahlin des Herrn Josef Mannheimer aus Vycapy statt. Das im Februar d. J. im Nitraer Krankenhause erfolgte Hinscheiden der Frau Mannheimer, die in der Blüte ihres Lebens im Alter von erst 33 Jahren bei Hinterlassung von zwei kleinen Kindern verstarb, hatte im weiten Kreisen rege Anteilnahme hervorgerufen. Doch musste wegen der am p"iry stattgehabten Lewajo von der Haltung vom Hespedim Abstand genommen werden. Bei der nun unter Teilnahme sämtlicher Gemeindemitglieder von Vycapy und noch vieler Bekannte erfolgten Grabsteinlegung hielten das damals Versäumte gleichsam nachholend die Herrn H. Weiss und Israel Weinberger aus Nitra Ansprachen, in denen sie in tiefgefühlten Worten auf das tief Schmerzhafte dieses herben Falles hinwiesen. I. W. Budapester Bürgermeister wünscht ent« fernung hebräischer Firmenaufschriften. Budapest. Der Bürgermeister von Budapest, Szendy bat den Präsidenten der neologen und orthodoxen Kultusgemeinden mitgeteilt, dass er es für angebracht halte, wenn die hebräischen Aufschriften auf den Schildern der jüdischen Händler Fleischhauer und Restaurateure entfernt würden. Wie „Ujsäg“ meldet, sollen die Präsidenten sich die Argumente des Bürgermeisters zu eigen gemacht und in ihrem eigenen Wirkungskreise die sofortige Entfernung der hebräischen Firmenaufschriften verfügt haben, „um auch dadurch das echte Ungartum und den Patriotismus des heimischen Judentums zu dokumentieren“. Die zionistischen Zeitungen geben ihrem Befremden über diese Massnahme Ausdruck. Warum sind Opanken so beliebt! Weil sie alle Vorteilen von Sommerschuhen besitzen unb luftig, leicht und billig sind. Sie schützen die Füsse hinreichend vor den Unebenheiten des Bodens, bedecken sie aber so wenig, das die Luft freien zuzug hat. Vor allem bewähren sie sich an, heissen Tagen. Sie passen gut zur Sommerkleidung und sind dabei so billig dass jede Frau einige Paare zum Wechseln haben sollte. Die heurige Bafa—Kollektion hat eine grosse Auswahl der verschiedensten Muster. Jüdischer Welffastfag am 29. August. Der polnische Rabbinerverband hat vor einigen Wochen grundsätzlich beschlossen, im Hinblick auf die andauernden Leiden der Juden in Osteuropa einen jüdischen Weltfasttag zu proklamieren. Im Einvernehmen mit den Rabbinerverbänden aller Länder ist der Weltfasttag für den 29 August festgezetzt worden. WARSCHAU. Das Berufungsgericht in Lodz hat das Urteil gegen den nationaldemokraten Tadeusz Szaniawski, der wegen Ermordung der Lodzer jüdischen Einwohner Berkowicz und Zendel zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, bestätigt. Der Verteidiger des Mörders hat die Nichtigkeitsbeschwerde an den Obersten Gerichtshof gerichtet. Was der Herr im Sommer braucht: gründlich gearbeitete Schuhe für Sport und Touristik, luftige Sandalen ans Wasser und für den Spaziergang, elegante Halbschuhe mit breiten Absatz in die Gesellschaft. Diese ganze Schuh—Ausstattung bekommen Sie bei Bafa zu einem Preise, der jedem erschwinglich ist. Konkurs. Die gef. Kultusgemeinde ersucht per sofort einen älteren Bochür oder Wittwer zur Besetzung der Stelle eines Vorbeters, xnpi a'nr. Gehalt laut Übereinkommen, ganze Schechitah und Wohnung. Mit Besetzung der Stelle wünscht die Gemeinde die Tochter unseres gegenwärtigen Schochet zu verheiraten, ein Mädchen mit allen Vorzügen und Mitgift von einigen Tausend Kronen. Zavar, (bei Trnava) im Juli 1 '37. Adresse des Präses : MAX WOLLITZER Hör. Lovosice Post Brestovany —2 pri Trnava. Überfälle in galizlschen Städten. Lemberg. In Przemysl sind mehrere jüdische Passanten überfallen und misshandelt worden. Einer von ihnen, Mosche Doppelt, wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Angreifer sind entkommen. Tn Podhajce wurde das Haus des jüdischen Einwohners Jakob Friedmann angezündet. Die Täter sind nicht ergriffen worden. In Zakopane wurden im Zusammenhang mit den in letzter Zeit gegen mehrere jüdische Geschäfte verübten Bombenanschlägen einige Nationaldemokreten verhaftet. Ein 3ahr Zuchthaus, weil er eine Hrierin küsste. Paris. Die «Pariser Tageszeitung« meldet aus Breslau: Ein Jude namens Ludwig Rosenbaum wurde hier zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt, weil er eine Arierin geküsst hatte, die mit ihm in seinem Wagen eine Autotour unternahm. — 140 - für tauglich erklären. Das aber braucht Dich nicht zu böirren; selbst die einander entgegenstehenden Aussprüche stammen von einem Hirten; ein G-tt hat sie gegeben, ein Führer hat sie ausgesprochen, und dieser hat sie aus dem Munde des Herrn aller Geschöpfe, gelobt sei Er, vernommen, wie es heißt: G-tt redete all diese Worte. Schaffe Du Dir nur ein verständiges Herz, damit Du im Stande seiest auch das scheinbar sich Widersprechende zu verstehen und begreifen. Als unser großer Lehrer Moscheh, erzählen die Weisen, kurz vor seinem Tode von seinem treuen Schüler Josua Abschied nahm, sprach er: Mein Sohn Josua, die Zeit ist gekommen, da ich von Dir hinweggenommen werden soll. Hast Du mich noch etwas zu fragen, so frage. — Mein Herr Moscheh, antwortete Josua, ich bin nicht aus dem Zelte der Thora gewichen, nicht einen Augenblick, und Du hast mir die ganze Thora überliefert; Du hast mir Alles so erklärt, daß ich über nichts im Zweifel geblieben. Und Moscheh starb, u. ganz Israel beweinte ihn dreißig Tage lang. Während der Zeit Trauer u. des tiefen Schmerzes wurde das Studium der Thora vernachlässigt und eine ganze Reihe von religiösen Vorschriften wurde vergessen. Wenn aber auch Einzelheiten dem Führer und Lehrer Israels, dem Josua, entfallen waren, din allgemeinen Grundsätze waren geblieben, durch welche der Scharfsinn die einzelnen Vorschriften wieder herzustellen vermochte, und so gelang es denn dem Athniel, dem Sohne des Kenas, durch sein scharfes Denken das] Vergessene wieder herzustellen. Und so ist es geblieben in Israel Jahrtausende hindurch. Die Schärfe des Verstandes schafft aus dem Gegebenen Rat für alle einzelnen Fälle. Hierbei ist es jedoch nicht anders möglich, als daß die Auffassung in manchen Nebenumständen eine verschiedenartige ist. Bei dem Einen tritt der eine Umstand m den Vordergrund, bei dem Anderen ein anderer. So - 137 - Halachah im Namen seines Lehrers. Die Erklärung gefiel mir, und ich freute mich derselben. Damals übertrat ich das Gebot der heiligen Schrift: „Halte fern von ihr Deinen Weg«, was sich nach der Deutung der Weisen auf jede vom wahrhaften Judentume abweichende Lehre bezieht, und desshalb wurde ich verdächtigt." Wenn wir das Verhältnis der Judenschriften zu den Juden in jener Zeit näher ins Auge fassen, so werden wir erkennen, dass der oben erzählte Vorgang von der grössten Bedeutung und Wichtigkeit war. Die Schüler und Anhänger des Stifters der christlichen Religion unterschieden sich nur im Glauben von den Juden. Sie verkehrten, wie wir gesehen haben, mit den Juden und verkündeten Gesetzsauslegungen, welche die Halachah betrafen, im Namen ihres Meisters; sie besuchten die Synagogen, und die Apostel predigten daselbst. Unter diesen Umständen konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass viele, und manchmal auch herrvorragende Juden zu der neuen Seite hinübergeführt wurden. So wird uns im Midrasch Kohelet erzählt, dass Chanina, der Brudersohn des Rabbi Josua ben Chananjah, beinahe zum Abtrünnigen geworden wäre, wenn ihn nicht sein Oheim gerettet hätte, und Chanina war doch einer der hervorragendsten Männer seiner Zeit, da von ihm berichtet wird, daß er, als er später nach Babylon auswanderte, seinesgleichen nicht im heiligen Lande zurückließ. Im Midrasch Kohelet werden uns noch mehrere Beispiele erzählt, wie gefährlich die nahe Berühruug mit der neuentstandenen Sekte selbst bedeutenden Männern wurde. Daher war es von der grössten Wichtigkeit, daß, durch Rabbi Akiba veranlasst, Rabbi Elieser öffentlich vor seinen Schülern bekannte, daß er Unrecht daran getan habe, die Halachah mit einem Manne zu diskutieren, der schon völlig ausserhalb des Judentums stand. Dr. M. Lehman i »AKIBA« 32.